Andreas WablAndreas Wabl

Was wurde eigentlich aus Andreas Wabl und den Grünen?

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Andreas Wabl war einer der ersten Nationalratsabgeordneten der Grünen und ist der Einzige von ihnen, der noch lebt und aus der Partei nicht ausgetreten ist. In seinem Buch ging er, der einst Haider den Mittelfinger zeigte und später Gusenbauer in Klimafragen beriet, kürzlich der Frage nach, was aus den Grünen wurde. Aber was wurde eigentlich aus Andreas Wabl? PULS 24 hat nachgefragt.

Als Andreas Wabl im Jahr 1986 als einer der ersten Grünen in den österreichischen Nationalrat einzog, war die neue Partei von einer Regierungsbeteiligung noch meilenweit entfernt. Ihr Auftreten war ein gänzlich anderes.

Zur Erinnerung: Wabl zog 1987 im Nationalrat eine Hakenkreuzfahne aus seiner Tasche, um den damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim zu kritisieren. Dieser hatte eine Vergangenheit in der Wehrmacht, meinte aber, "bloß seine Pflicht" getan zu haben. Der "Kronen Zeitung" warf Wabl später "Nazi-Journalismus" vor und verlor deshalb einen Rechtsstreit. Jörg Haider zeigte er 1996 den Mittelfinger, nachdem dieser ihn als "Wappler" bezeichnet hatte.

Heute regieren die Grünen mit der ÖVP und ihr langjähriger Chef Alexander Van der Bellen ist Bundespräsident.

Andreas Wabl, heute 72 Jahre alt, veröffentlichte kürzlich ein Buch, für das er sich auf "Spurensuche" begab und die Frage stellte: "Was wurde aus den Grünen?".
Aber was wurde eigentlich aus Andreas Wabl? PULS 24 hat nachgefragt.

Andreas Wabl im NationalratAPA

Andreas Wabl 1996 im Nationalrat

Auch abseits des Schreibens gibt es "immer etwas zu tun", sagt Wabl. Der Steirer betreibt eine kleine Landwirtschaft in Großklein in der Südsteiermark. Dort musste er seine private Kläranlage so herrichten, dass sie auch dem Kontrolleur passt. Schafe hat er noch, sein Hund ist leider kürzlich gestorben. Die Haltung von Kühen und Pferden hat er schon länger aufgegeben. Es geht ihm wie so vielen (Nebenerwerbs-) Landwirten: Die Kinder haben eben andere Berufe ergriffen, den Hof nicht übernommen.

Wabl war immer vielseitig beschäftigt und ist das auch heute noch. "So lange ich kann", wie er sagt.

Der ehemalige Nationalratsabgeordnete war Arbeiter, Volksschullehrer und arbeitete bei der Post- und Telegraphendirektion. Noch heute ist er Erwachsenenvertreter für Großbauern und bringt sich in der Lokalpolitik ein, "wenn wer kommt und Hilfe braucht".

Die Grünen wählt Wabl noch immer

Seinem Bruder half er beim Beschaffen von Geldern für dessen Biotech-Firmen, die unter anderem an Tuberkulose forschen, und er las in verschiedenen Städten aus seinem neuen Buch. Ansonsten bekocht er noch seine Enkelkinder, wenn sie auf Besuch kommen.

Manchmal fehlt mir das Verständnis ein wenig.

Wabl über die Grünen

Und die Grünen? Die wählt er noch immer – und er ist auch noch Parteimitglied. Anders als seine Frau, die von der Partei "enttäuscht" sei.Ganz zufrieden ist aber auch Wabl mit seiner Partei nicht immer. "Manchmal fehlt mir das Verständnis ein wenig", formuliert er vorsichtig. Denn es gebe bei den Grünen in der Regierung "größere Probleme, Dinge durchzusetzen".

Wabl verweist aber darauf, dass seine Partei eben der kleine Koalitionspartner sei. Die ÖVP habe "überall Leute sitzen" und kenne "jeden Trick".

Andreas Wabl und Sigrid MaurerAPA/HANS KLAUS TECHT

Andreas Wabl und Sigrid Maurer im Jahr 2019.

Von den Grünen wünsche er sich, klarer zu kommunizieren, was man eben nicht durchsetzen konnte und, warum man über diverse ÖVP-Skandale hinweggesehen habe. Das müsse man der Basis besser erklären.

Nun plädiert er für vorgezogene Neuwahlen – unter anderem, weil es immer noch kein Klimaschutzgesetz gibt – und das wohl auch im nächsten halben Jahr nicht mehr kommen werde. Einem Grünen würden auch die Investitionen ins Heer im Herzen wehtun, so Wabl.

"Dafür haben wir die Grünen nicht gegründet"

Ganz so hart wie die Gesprächspartner in seinem Buch geht der Autor aber nicht ins Gericht mit der Partei, die er mitbegründete. Der ehemalige Abgeordnete Johannes Voggenhuber befindet darin etwa: "Dafür haben wir die Grünen nicht gegründet" und "die Grünen haben mehr Anlass, daran zu zweifeln, ob sie noch Grüne sind, als ich". Und auch Peter Pilz hat den Grünen immer noch nicht verziehen, mit Sebastian Kurz eine Koalition eingegangen zu sein. 

Grüne ParteichefsAPA-FOTO: ROBERT JAEGER

Ehemalige Parteichefs der Grünen (v.l.): Peter Pilz, Freda Meissner-Blau, Andreas Wabl, Madeleine Petrovic, Eva Glawischnig, Christoph Chorherr, Alexander Van der Bellen und Johannes Voggenhuber im Jahr 2011.

Ebenfalls hart ins Gericht mit der Öko-Partei geht die Klimaaktivistin Lena Schilling: "Bei uns sind viele Leute sehr enttäuscht von den Grünen. Das betrifft nicht nur den Klimaschutz, sondern auch Sozialpolitik und Menschenrechtsfragen", befindet diese im Buch, das erschien, bevor sie EU-Spitzenkandidatin wurde.

Sie kann Wabl noch am ehesten verstehen. Denn das Ziel der Grünen sei es gewesen, die Klima-Katastrophe abzuwenden. Wenn Parteichef Werner Kogler erkläre, das "Bestmögliche" herauszuholen, sei das laut Wabl "ehrenhaft", aber eben nicht mehr.

Er selbst verweist in seinem Buch darauf, dass sich die Grünen schwertun würden, die Jugend anzusprechen. Viele Klimaaktivist:innen würden bei der Partei nicht ihre Heimat sehen.

Grüne sind "keine besseren Menschen"

Es hätte sich eben gezeigt, dass sich auch die Grünen teils lieber mit inneren Schwierigkeiten beschäftigen würden und "keine besseren Menschen" und "eitel" sein können, so Wabl im Gespräch mit PULS 24. Man müsse wieder zu den "Überzeugungen stehen und klare Grenzen ziehen". Hoffnung machen ihm da vor allem die "jüngeren" Politiker:innen wie Alma Zadić, Lukas Hammer oder Nina Tomaselli.

Die Grünen müssen vermitteln, dass sie wissen, wohin der Weg führen soll.

Andreas Wabl

Er selbst werde immer Grüner bleiben, meint er. Das sei er selbst gewesen, als er Klimaschutzbeauftragter von Alfred Gusenbauer (SPÖ) war, der sei laut Wabl im Übrigen damals "einer der wenigen" die Dringlichkeit des Klimaschutzes erkannt habe. Werner Faymann habe ihn dann hingegen von Beginn an "torpediert".

Gusenbauer und WablAPA-FOTO. HERBERT PFARRHOFER

Alfred Gusenbauer und Andreas Wabl im Jahr 2007.

Die Grünen müssten nun wieder "klare Bilder für ihre Politik schaffen", rät Wabl in seinem Buch weiter und verrät noch ein weiteres Detail aus seiner Karriere: Ein klares Bild habe er nämlich bei seinem größten Eklat geschaffen.

Mit der Hakenkreuzfahne im Parlament habe er auf die Verantwortung Österreichs während der Nazi-Herrschaft hingewiesen. Unterstützung habe er dabei vom damaligen ORF-Journalisten Kuno Knöbel erhalten, der die Fahne im Archiv organisiert habe. Wabl kritisiert noch heute, dass Knöbel danach "im ORF auf das Abstellgleis gestellt worden war".

Für die Grünen aber gelte es laut Wabl, wieder solche Bilder zu erzeugen: "Die Grünen müssen vermitteln, dass sie wissen, wohin der Weg führen soll".

 

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ribbon Zusammenfassung
  • Andreas Wabl war einer der ersten Nationalratsabgeordneten der Grünen und ist der Einzige von ihnen, der noch lebt und aus der Partei nicht ausgetreten ist.
  • In seinem Buch ging er, der einst Haider den Mittelfinger zeigte und später Gusenbauer in Klimafragen beriet, kürzlich der Frage nach, was aus den Grünen wurde.
  • Aber was wurde eigentlich aus Andreas Wabl? PULS 24 hat nachgefragt.

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