APA/HERBERT PFARRHOFER

Vor dem U-Ausschuss: Opposition klagt über zu viele, "irrelevante" ÖVP-Akten

Die Oppositionsfraktionen im Untersuchungsausschuss zu Korruptionsvorwürfen gegen die ÖVP haben mit einem gänzlich neuen Problem zu kämpfen: Anstatt zu wenig Akten würden diesmal zu viele - vor allem irrelevante - geliefert.

Das sagte SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer am Mittwoch vor der Sitzung, in der die ersten Auskunftspersonen geladen werden sollten. Mit der Pünktlichkeit der Lieferungen sei man diesmal zufrieden.

Begonnen haben die Aktenlieferungen bereits, abgeschlossen müssten sie laut Krainer in den kommenden Tagen sein. Nur zwei Ministerien hätten um eine Verlängerung der Frist gebeten, was aber kein Problem sei. Tatsächlich problematisch ist für den SPÖ-Fraktionsführer: "Die ÖVP versucht, uns mit Akten zuzumüllen." Bisher seien nämlich 800 gar nicht angeforderte Akten in Papier geliefert worden, was mehrere 100.000 Seiten bedeute.

Nehammer habe Schlüsselposition

Susanne Fürst von der FPÖ verspricht sich viel vom neuen U-Ausschuss, seien doch gerade erst vom Online-Medium "zackzack.at" wieder neue Chats veröffentlicht worden, die abermals ein Sittenbild aufzeigen würden. Dass Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) als erste Auskunftsperson geladen ist, sei übrigens nicht Effekthascherei geschuldet, beteuerte die Freiheitliche. Vielmehr habe dieser Schlüsselpositionen in seiner Partei während des Untersuchungszeitraumes besetzt, wie etwa Generalsekretär und Innenminister.

Für Stephanie Krisper von den NEOS behandelt der U-Ausschuss eben jenes System, das ihre Partei schon seit der Gründung vor zehn Jahren bekämpfen will. Was in jüngster Zeit ans Tageslicht gekommen ist, sei ein "Best of Korruption". Den NEOS sei wichtig, dass es nicht nur bei der Aufklärung im Ausschuss bleibt, sondern dass auch tatsächliche Konsequenzen, etwa durch neue Gesetze, gezogen werden.

Zuvor hatte ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger betont, den Befragungen gelassen entgegenzusehen. "Ich bin mir sicher, dass die Ministerien im Untersuchungszeitraum korrekt gearbeitet haben", sagte er zur APA. Sollte es doch zu Verfehlungen gekommen sein, müssten aber auch entsprechende Konsequenzen getragen werden, so Hanger.

Schmid, Wolf, Zadic geladen

Am Abend traten die Fraktionen im U-Ausschuss zu einer Sitzung zusammen, um die Ladungsliste der Opposition zu beschließen, die sich erst einmal auf den März beschränkt. Nach dem Start mit Nehammer am 2. des Monats soll es prominent weitergehen: Als Auskunftspersonen sind etwa Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid, der Unternehmer Siegfried Wolf, Justizminister Alma Zadic (Grüne) sowie weitere Minister vergangener Regierungen vorgesehen.

ribbon Zusammenfassung
  • Die Oppositionsfraktionen im Untersuchungsausschuss zu Korruptionsvorwürfen gegen die ÖVP haben mit einem gänzlich neuen Problem zu kämpfen: Anstatt zu wenig Akten würden diesmal zu viele - vor allem irrelevante - geliefert.
  • Das sagte SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer am Mittwoch vor der Sitzung, in der die ersten Auskunftspersonen geladen werden sollten. Mit der Pünktlichkeit der Lieferungen sei man diesmal zufrieden.
  • Begonnen haben die Aktenlieferungen bereits, abgeschlossen müssten sie laut Krainer in den kommenden Tagen sein. Nur zwei Ministerien hätten um eine Verlängerung der Frist gebeten, was aber kein Problem sei.
  • Tatsächlich problematisch ist für den SPÖ-Fraktionsführer: "Die ÖVP versucht, uns mit Akten zuzumüllen." Bisher seien nämlich 800 gar nicht angeforderte Akten in Papier geliefert worden, was mehrere 100.000 Seiten bedeute.
  • Für Stephanie Krisper von den NEOS behandelt der U-Ausschuss eben jenes System, das ihre Partei schon seit der Gründung vor zehn Jahren bekämpfen will.
  • Zuvor hatte ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger betont, den Befragungen gelassen entgegenzusehen. "Ich bin mir sicher, dass die Ministerien im Untersuchungszeitraum korrekt gearbeitet haben", sagte er zur APA.