APA - Austria Presse Agentur

Van der Bellen schenkt Papst "Ziegenherde"

06. Juni 2021 · Lesedauer 5 min

Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist Montag Vormittag im Vatikan mit Papst Franziskus zusammengetroffen. Gemeinsam mit seiner Frau Doris Schmidauer hatte Van der Bellen auch Präsente dabei.

Der Bundespräsident habe dem Papst eine "Ziegenherde" geschenkt, verriet Van der Bellen nach dem Besuch am Petersplatz vor Journalisten. Die 20 Ziegen wurden freilich symbolisch übergeben. Sie sind Teil der "Sinnvoll Schenken"-Reihe der Caritas und kommen bedürftigen Familien in Burundi zugute.

Er schätze Papst Franziskus außerordentlich, verriet Van der Bellen und verwies ausdrücklich auf dessen Enzykliken "Laudato Si'" und "Fratelli Tutti", in denen sich der Pontifex mit Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes sowie des sozialen Zusammenhalts auseinandersetze. Der Vatikan sei in Umwelt- und Migrationsfragen sehr engagiert und beobachte dabei auch genau die Entwicklungen in den verschiedenen Ländern, also auch in Österreich.

Van der Bellen zu Corona: "Bin optimistisch, dass wir das Schlimmste hinter uns haben"

In der Flüchtlingsfrage vertrete der Papst etwa die Ansicht, dass auch "kleine Aktionen" helfen könnten, meinte Van der Bellen. Er erinnerte daran, dass der Papst auch ohne viel öffentlichen Aufhebens einige Flüchtlingsfamilien von griechischen Inseln nach Rom geholt habe. "Die Kirche fördert auch humanitäre Aufenthalte."

"Ausgezeichnete Beziehung" zum Vatikan

Er habe auch versucht, Papst Franziskus zu einem Besuch in Wien und Österreich zu "überreden", erzählte der Bundespräsident bei dem Treffen mit mitgereisten und lokal akkreditierten Medienvertretern. Er sei sich aber bewusst, dass die Chancen auf eine Annahme der Einladung eher gering seien. Für Papst Franziskus gebe es "andere Prioritäten".

Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und Österreich sei ja "ausgezeichnet", und der Papst gehe lieber "in die Peripherie. Er besuche also lieber Krisengegenden, erinnerte Van der Bellen daher auch die "sensationelle" Reise von Franziskus in den Irak im vergangenen März. Dass der Papst dort den interreligiösen Dialog mit der muslimischen Welt ("Schiiten wie Sunniten") gesucht und gestärkt habe, sei ein Zeichen dafür, wie sehr sich der Vatikan um den Frieden und die Sicherheit in der Welt bemühe.

PULS 24 Reporterin Josephine Roek berichtet im Interview mit Anchorwoman Bianca Ambros über den Besuch von Bundespräsident Alexander Van der Bellen beim Papst in Rom.

Van der Bellen (77) erinnert auch daran, dass die Visite am Montag nach jener im November 2017 bereits sein zweiter Besuch im Vatikan gewesen sei. Dass er Franziskus (84) nun "wohlauf und gesund" wiedergetroffen habe, sei eine große Freude. Auf Österreich-spezifische Themen wie den "Druck", den laut Chat-Protokollen das Umfeld von Bundeskanzler Sebstian Kurz (ÖVP) bezüglich der Migrationsfrage auf die katholische Kirche ausgeübt und dabei etwa mit der Abschaffung der kirchlichen Steuerprivilegien (Stichwort aus einem Kurz-Chat: "Vollgas geben!") gedroht habe, sei er im Vatikan nicht angesprochen worden, berichtete Van der Bellen auf eine entsprechende Journalisten-Anfrage.

Neben dem Ziegen-Geschenk bekam Franziskus auch ein Bild der Malerin Karin Mayer aus der Caritas-Kunstgruppe Retz für Menschen mit Behinderungen verehrt. Zudem einen Katalog der Ausstellung "Kunststationen", die derzeit im Stift Melk zu sehen ist und Werke von 13 Künstlerinnen und Künstlern der Gruppe zeigt, zu der auch Karin Mayer gehört. Die 1967 geborene Künstlerin freute sich der Präsidentschaftskanzlei zufolge sehr. 

Auch Umweltschutz und EU-Außenpolitik sind in Italien Thema

Weiters kam Van der Bellen, der bei seinem Rom-Besuch auch von EU-Ministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) und Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) begleitet wird, auch mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin ("Das ist eigentlich der Regierungschef im Vatikan") zusammen, dem "ein Kreuz aus Holz und Glas, gefertigt von Mitarbeitern der Caritas-Behindertenwerkstätte in St. Pölten" und eine Sachertorte überreicht wurden. Gewessler - die Grüne-Minsterin nahm für die Hin- und Rückreise nach und von Rom übrigens umweltbewusst den Zug - zeigte sich nach dem Treffen auch beeindruckt vom Klima-Engagement des Papstes. Edtstadler hob hernach kurz hervor, dass mit dem Papst auch das Thema Westbalkan besprochen worden sei. Österreich tritt ja als Verfechter einer EU-Erweiterung um die Balkanländer Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien auf.

Edstadler hatte am Montagnachmittag einen Termin mit der italienischen Innenministerin Luciana Lamorgese. Gewessler kommt Dienstag früh mit Verkehrsminister Enrico Giovannini zusammen. Bei diesem Gespräch dürfte es nicht zuletzt um das Thema Transit am Brenner gehen.

Van der Bellen beim italienischen Amtskollegen

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat sich bei einem Rom-Besuch "optimistisch" bezüglich eines Endes von Corona gezeigt. "Die Pandemie, wie wir sie erlebt haben, kann als überwunden gelten", sagte er am Montag nach einem Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella. "Aber wir müssen mit Mutationen rechnen, gegen die es noch keine Impfstoffe gibt." Doch würden jüngste Erfahrungen Hoffnung machen, dass auch dagegen rasch Vakzine rasch gefunden würden.

Van der Bellen bezog sich dabei auf die Effizienz und Schnelligkeit, mit denen in den vergangenen Monaten Covid-19-Impfstoffe entwickelt worden sein. Mit seinem italienischen Kollegen habe er daher auch besprochen, wie es nach der Pandemie etwa wirtschaftlich weitergehen solle. Italien sei von der Pandemie wirtschaftlich etwas härter getroffen worden als Österreich, analysierte Van der Bellen. Das liege auch daran, dass das südliche Nachbarland noch stärker von Tourismus abhängig sei als Österreich. Eine Erholung Italiens wäre aber auch für Österreich wichtig.

Zudem habe er mit Mattarella auch Themen wie eine gemeinsame EU-Außenpolitik besprochen. Diese lasse noch zu wünschen übrig. Etwas bei der Suche nach einer gemeinsamen Position gegenüber Russland.

Quelle: Agenturen