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Ukrainische und russische Kriegsgefangene misshandelt

15. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

In der Ukraine sind Kriegsgefangene nach Erkenntnissen von UN-Menschenrechtsexperten sowohl auf russischer als auch auf ukrainischer Seite misshandelt und gefoltert worden.

Das berichtete die Leiterin der UN-Menschenrechtsdelegation in der Ukraine, Matilda Bogner, am Dienstag via Videolink aus Kiew nach Genf.

Ein ukrainischer Gefangener, der von mit Russland verbündeten Konfliktparteien festgehalten wurde, habe berichtet, er sei mit Elektroschocks an Nase und Genitalien gefoltert worden. Auf der anderen Seite habe es glaubhafte Berichte über die Tötung von Menschen gegeben, die zu der Zeit nicht in Kampfhandlungen waren, ebenso wie Misshandlungen bei der Gefangennahme und dem Transport.

Wie viele Kriegsgefangene beide Seiten genommen haben, wusste Bogner nicht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bemüht sich seit Monaten um ungehinderten Zugang zu den Menschen. Das IKRK soll über die Einhaltung Genfer Konventionen wachen, die unter anderem die humane Behandlung von Kriegsgefangenen vorschreiben.

Bogner sagte, nur die ukrainische Seite habe den Expertinnen und Experten gemäß internationalem Recht Zugang zu gefangen genommenen Soldaten gewährt. Mit ukrainischen Gefangenen hätten die Experten nach ihrer Freilassung aus russischem Gewahrsam gesprochen. Die Delegation habe in den vergangenen Monaten insgesamt 159 Kriegsgefangene gesprochen, die von Russland oder mit Russland verbundenen Konfliktparteien festgehalten wurden, unter ihnen 20 Frauen. In ukrainischer Kriegsgefangenschaft sprach das Expertenteam mit 175 Männern.

Ukrainer geschlagen bei Festnahme

Viele Ukrainer berichteten, dass sie bei der Festnahme geschlagen wurden. Sie seien in Lastwagen gepfercht und teils mehr als einen Tag ohne Wasser oder Zugang zu Toiletten transportiert worden. Einige sagten, sie seien in Lagern geschlagen, bedroht, eingeschüchtert, erniedrigt, sexuell misshandelt oder von Hunden attackiert worden. Dies sei vor allem in Gefangenenlagern in Russland passiert, sagte Bogner. In einem Lager sollen im April acht Menschen gestorben sein. Einige Frauen berichteten von Stromschlägen und Schlägen oder wurden gezwungen, nackt von Raum zu Raum zu laufen.

Russen wurden in ukrainischer Gefangenschaft nach eigenen Angaben geschlagen und mit Elektroschocks gefoltert. Viele sagten, sie seien teils nackt auf Lastwagen transportiert worden, mit ihren Händen hinter dem Rücken gefesselt. Die Misshandlungen passierten nach Angaben von Bogner vor allem bei der Festnahme und im Transport. In Gefangenenlagern seien die Menschen angemessen behandelt worden.

Deutschland will mit Ausbildung ukrainischer Soldaten beginnen

Unterdessen will Deutschland mit der von der Europäischen Union beschlossenen Ausbildung ukrainischer Soldaten beginnen. "Es geht jetzt sehr, sehr schnell los", sagte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht vor Beratungen der EU-Ressortchefs am Dienstag in Brüssel. Geplant sei, bis Juni nächsten Jahres 5.000 Soldaten in unterschiedlichen Fähigkeiten zu trainieren. Wo die Ausbildung stattfinden werde, wollte die Ministerin mit Verweis auf die Sicherheit nicht sagen. Die EU-Außenminister hatten die gemeinsame Initiative am Montag auf den Weg gebracht.

Instandsetzungszentrum in Slowakei einrichten

Lambrecht kündigte zugleich an, dass Deutschland in der Slowakei ein Instandsetzungszentrum einrichten werde, um an die Ukraine gelieferte Waffen schnell reparieren zu können. Darauf habe sie sich mit ihrem slowakischen Kollegen verständigt. Der Fokus liege hierbei etwa auf der Panzerhaubitze 2.000 und Mehrfachraketenwerfern. Auch dieses Projekt könne "sofort losgehen", sagte Lambrecht.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz