"Schlammlandschaft" Ostukraine: Russen könnten "leichte Beute" werden

19. Apr. 2022 · Lesedauer 2 min

Militärexperte Gerald Karner erklärt im Interview, dass die Sanktionen des Westens den russischen Nachschub behindern und warum die heftigen Regenfälle der letzten Tage russische Streitkräfte zu leichter Beute für die Ukrainer machen könnten.

Die lange angekündigte Offensive der russischen Streitkräfte im Osten der Ukraine hat begonnen. "Wir erkennen in den letzten Tagen, vor allem letzten Stunden, das übliche Muster, dass einerseits eine starke Vorbereitungsoffensive mit Artilleriefeuer, aber auch aus der Luft erfolgt", analysiert Militärexperte und Offizier Gerald Karner im Interview mit PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros. In den nächsten Tagen sei mehr Druck von den russischen Landstreitkräften zu erwarten, die versuchen werden die Ukrainer einzukesseln, um dann weiter Richtung Westen vorzustoßen. Aus russischen Quellen höre man, dass elf neue Bataillonskampfgruppen zugeführt worden sein sollen.

Für die ukrainische Seite sei von Bedeutung, wie die Versorgung mit Nachschub aus der Westukraine erfolgen kann. "Es ist im Prinzip ein Wettlauf um Zeit", so Karner.

Russen könne komplexe Waffen nicht ersetzen

Auf russischer Seite sei bedeutsam, dass "die russische Rüstungsindustrie aufgrund der Sanktionen nicht mehr in der Lage ist, komplexere Waffensysteme 1:1 zu ersetzen". Bestimmte elektronische Bauteile seien nicht lieferbar. Dadurch habe Russland nur eine begrenzte Anzahl von vor allem Lenkwaffen und präzessionsgelenkter Munition zur Verfügung. "Ist diese Zahl dann erschöpft, gibt es keinen Nachschub mehr." Deshalb sei Russland gezwungen, in diesem Zeitraum Erfolg zu erzielen.

Russen "leichte Beute" durch Schlamm

Auch das Wetter "spielt eine große Rolle". Das Gelände abseits der Straßen sei in Teilen der Ostukraine selbst durch gepanzerte Fahrzeuge nur noch begrenzt benutzbar. Durch diese "Schlammlandschaft" könnten die Russen gezwungen sein, sich auf Straßen zu konzentrieren. Das behindere die russische Offensive. Dadurch könnten die Russen "leichte Beute" für die ukrainische Panzerabwehr werden.

Der Druck auf die Russen sei auch hausgemacht. Bis 9. Mai wolle Wladimir Putin Erfolge sehen, denn dann werde die Siegesparade zum Jahrestag des großen vaterländischen Kriegs stattfinden. "Das könnte theoretisch auch dazu führen, dass Kräfte nicht konzentriert (…) sondern scheibchenweise" eingesetzt werden. Karner nimmt an, dass das der Ukraine helfen könne, diese zu vernichten.

"Gräuelszenen" befürchtet

Weiterhin besonders wichtig sei ein Waffenstillstand, sonst "werden wir weiterhin Gräuelszenen und furchtbare humanitäre Situationen vorfinden, so wie bereits jetzt in Mariupol".

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam