Ab 2027
Bundesregierung einigt sich auf Industriestrompreis
Die Kosten von rund 250 Mio. Euro jährlich sollen durch einen zusätzlichen Budgetbeitrag der Energiewirtschaft getragen werden. Zudem definiert die Regierung neun Schlüsseltechnologien, in die gezielt investiert werden soll.
Dazu zählen etwa Künstliche Intelligenz, Quanten-, Energie- und Umwelttechnologien.
Ziel: Planungssicherheit für Unternehmen gewährleisten
Mittels Industriestrategie und gefördertem Strompreis soll Planungssicherheit für Unternehmen gewährleistet werden. Damit entlaste man die "heimische Industrie massiv", sagte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) beim Pressefoyer nach dem Ministerrat.
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Es gehe dabei um den Wirtschaftsstandort und Wettbewerbsfähigkeit. Das Wirtschaftsministerium präzisierte die Informationen aus dem Kanzleramt, war doch erst von einem Industriestrompreis in Höhe von 5 Cent pro kWh die Rede.
Dieser Betrag sei lediglich die maximal förderbare Summe und keinesfalls ein Gesamtpreis, hieß es aus dem ÖVP-geführten Ressort. Laut EU-Beihilfenrecht könnten 50 Prozent des energieintensiven Stromverbrauchs eines Unternehmens gefördert werden. Dieser Teil kann wiederum zur Hälfte übernommen und bis auf die besagten 5 Cent gedrückt werden.
So ergibt sich ein variabler Preis, der deutlich über 5 Cent liegen kann. Die Regierung schöpfe jedenfalls den größtmöglichen rechtlichen Spielraum aus.
Neue Ausbildungsberufe geplant
Für die Investitionen in Schlüsseltechnologien sind bis 2029 2,6 Mrd. Euro aus dem Forschungs-, Innovations- und Technologiepakt (FTI-Pakt) vorgesehen. Außerdem soll es vereinfachte Genehmigungsverfahren geben.
Auch neue Ausbildungsberufe sind geplant, Lehrpläne werden angepasst. Investitionen in die zentralen Technologien sollen durch Garantien und Haftungen unterstützt werden.
Die Parteispitzen von ÖVP, SPÖ und NEOS hatten sich am Dienstag zu einer Arbeitsklausur in Mauerbach getroffen. "Diese Bundesregierung startet kraftvoll in das Jahr 2026", betonte Stocker, man sei zu mehreren Einigungen gekommen.
Ähnlich positiv äußerte sich Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ): "Wir bringen Punkte auf den Boden." Die Industriestrategie sei eine "gute Nachricht für alle jungen Menschen in diesem Land". Durch Probleme der Industrie sei schließlich auch die Zukunft der österreichischen Arbeitsplätze gefährdet. Nun gebe es die Chance, Jobs im eigenen Land zu halten.
"Ein wirklich Riesenpaket", sah Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS). Die Verhandlungen seien nicht einfach gewesen, die Regierung habe viel gerungen. Die Industriestrategie sei "wie ein Reiseführer in die Zukunft". Vor allem an Wirtschaftsstandort, Arbeitsplätzen und Ausbildung solle weiter gearbeitet werden. Bei den Energiekosten gebe es einen "massiven Schritt nach vorne".
Video: Regierungsklausur: Maurer kritisiert fehlende Gegenfinanzierung
Grüne und FPÖ befürchten fehlende Umsetzung
Immerhin "ein paar sinnvolle Ansätze" sah die stellvertretende Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer, "aber die Regierung bleibt vieles schuldig". Ankündigungen seien eine Sache, es komme aber darauf an, was am Ende wirklich umgesetzt werde.
Dass die Einführung des Industriestrompreises noch ein Jahr brauche, "ist völlig unverständlich", kritisierte Maurer.
Bei den präsentierten Maßnahmen handle es sich "einmal mehr um eine Ansammlung von Ankündigungen, deren konkrete Umsetzung, Dauer und Wirksamkeit völlig offenbleiben", monierte auch die FPÖ.
Eine "zukunftsfitte industrie- und energiepolitische Strategie" ließe die Regierung vermissen, die Finanzierung werfe noch Fragen auf.
Industriellenvereinigung (IV), Wirtschaftskammer (WKÖ) und Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) nahmen die Ankündigungen durchwegs positiv auf. So auch die Landeshauptleute von Oberösterreich, Thomas Stelzer, und Tirol, Anton Mattle (beide ÖVP), die aber Tempo einforderten. Es müsse alles unternommen werden, "um die Inflation zu senken, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die illegale Migration zu unterbinden", sagte Mattle gegenüber der APA.
Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) begrüßte zwar die Einführung des Industriestrompreises, kritisierte aber die beabsichtigte Gegenfinanzierung über eine Belastung der Energiewirtschaft.
"Es darf nicht passieren, dass jene Energieunternehmen belastet werden, die in große und langfristige Investitionen in Wasserkraft, Netze, Speicher und andere erneuerbare Energien gehen", forderte er von der Bundesregierung ein Modell, das "Standortentlastung und Energiewende zusammen denkt".
Vorhaben für E-Wirtschaft "kurzsichtig"
Eindeutige Ablehnung gab es von Österreichs Energie, der Interessenvertretung der E-Wirtschaft. "Man sollte die Kuh nicht schlachten, die man melken will", bemerkte Generalsekretärin Barbara Schmidt via Aussendung.
Die Energiewirtschaft dürfe nicht erneut als Finanzierungsquelle für Maßnahmen in anderen Bereichen herhalten müssen: "Das ist kurzsichtig und gefährdet den zarten Aufschwung, der sich derzeit abzeichnet."
Zusammenfassung
- Die Bundesregierung hat beschlossen, ab 1.1.2027 einen vergünstigten Industriestrompreis einzuführen, der jährlich rund 250 Mio. Euro kosten und durch zusätzliche Beiträge der Energiewirtschaft finanziert werden soll.
- Bis 2029 werden 2,6 Mrd. Euro aus dem Forschungs-, Innovations- und Technologiepakt (FTI-Pakt) gezielt in neun Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz und Umwelttechnologien investiert.
- Während ÖVP, SPÖ und NEOS das Maßnahmenpaket als wichtigen Schritt für Standort und Arbeitsplätze loben, kritisieren Grüne, FPÖ und die Energiewirtschaft die Finanzierung und die bislang fehlende konkrete Umsetzung.
