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Partygate: Erste Front gegen weitere Ermittlungen

30. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

Nach erneuten Medienberichten über weitere illegale Lockdown-Vorfälle ("Partygate") am britischen Regierungssitz hat ein Regierungsmitglied Ermittlungen abgelehnt.

Sowohl die Polizei als auch die interne Ermittlerin Sue Gray hätten monatelang Material gesichtet und etliche Zeugen befragt, sagte der konservative Politiker Chris Philp am Montag dem Sender Sky News.

"Angesichts von zwei eigenständigen Ermittlungen (...) erschließt es sich mir nicht, warum wir weitere Ermittlungen benötigen, wenn dies doch ohnehin und zu Recht die am gründlichsten untersuchte Reihe von Vorfällen in jüngster Zeit war."

Weitere private Treffen?

Zuvor hatten die Zeitungen "Sunday Times" und "Telegraph" berichtet, dass es am Abend des 19. Juni 2020 ein privates Treffen in der Amtswohnung von Premierminister Boris Johnson zu Ehren von dessen 56. Geburtstag gegeben habe. An der von Johnsons heutiger Ehefrau Carrie organisierten Veranstaltung in der Downing Street hätten mindestens zwei Freunde des Paars teilgenommen, berichtete der "Telegraph" am Montag. Treffen von mehr als zwei Menschen waren wegen der Corona-Pandemie damals verboten. Sowohl Boris als auch Carrie Johnson mussten eine Strafe zahlen, weil sie am Nachmittag desselben Tages im Kabinettsraum an einer kurzen Geburtstagsfeier für den Premier teilgenommen hatten.

Warten auf Parlamentsausschuss 

Es wird erwartet, dass der Parlamentsausschuss, der den Skandal um Lockdown-Partys aufklären soll, sich mit der Feier beschäftigen wird. Dies könnte den Premier weiter unter Druck setzen. Bisher haben nach Zählung von Sky News 24 Tory-Abgeordnete sich öffentlich gegen Johnson ausgesprochen. Allerdings wird erwartet, dass es mehr sind. Für ein parteiinternes Misstrauensvotum sind 54 Stimmen nötig.

Kritik aus den eigenen Reihen 

Der konservative Johnson-Gegner Tobias Ellwood kritisierte seine eigene Partei scharf. Die Tories würden die Probleme leugnen, sagte Ellwood bei Sky News. "Es ist an der Zeit, dieses parteistrategische Stockholm-Syndrom abzuschütteln. Die Marke unserer Partei leidet. Mit dem aktuellen Kurs werden wir die nächste Wahl verlieren."

Quelle: Agenturen / Redaktion