Partygate um Boris Johnson: "Es wirkt wie ein Sumpf"

27. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

PULS 24 UK-Korrespondentin Alina Nahler berichtet über die schweren Vorwürfe gegen den britischen Premier Boris Johnson. In der Downing Street soll es Saufgelage gegeben haben. Johnson verliert Unterstützer, zurücktreten will er aber nicht.

Es wirke wie "ein Sumpf an Fehlverhalten und Vertuschung von Tatsachen", sagt PULS 24 Großbritannien-Korrespondentin Alina Nahler über die schweren Vorwürfe gegen Boris Johnson und seine Mitarbeiter. 

Der am Mittwoch veröffentlichte Untersuchungsbericht hatte aufgezeigt, dass es im Regierungssitz während des Corona-Lockdowns wiederholt zu Feiern mit exzessivem Alkoholkonsum kam. Per E-Mail gab es demnach regelmäßig Einladungen zu "Wine Time Fridays" ("Weinzeit-Freitagen"). Die Feiern seien von Verantwortlichen angeregt, geplant und vertuscht worden. Nahler berichtet, dass sich laut dem Bericht zumindest eine Mitarbeiterin übergeben hätte, auch Wein-Flecken an den Wänden seien in dem Bericht thematisiert worden.

66 Prozent der Briten seien laut Umfragen nun für einen Rücktritt von Boris Johnson. Dieser entschuldigte sich zwar beim Parlament und seiner Partei, einen Rücktritt schloss er aber aus. Und tatsächlich scheint Boris Johnson relativ sicher zu sein: Er verliert zwar auch die Unterstützung der eigenen Partei oder wird zumindest nicht mehr öffentlich verteidigt, wie Nahler sagt. Den Torys fehlt aber ein alternativer Kandidat. 

"Einfach nicht glaubhaft"

Nach der Veröffentlichung des Berichts über verbotene Lockdown-Partys während der Corona-Pandemie haben weitere konservative Abgeordnete dem britischen Premierminister Boris Johnson das Vertrauen entzogen. Johnsons Behauptung, er habe von den Feiern im Regierungssitz Downing Street nichts mitbekommen, sei "einfach nicht glaubhaft", erklärte der Abgeordnete John Baron. Auch der Abgeordnete David Simmonds forderte den konservativen Regierungschef zum Rücktritt auf. Zuvor hatte bereits der Abgeordnete Julian Sturdy Johnson seine Unterstützung entzogen. Die Zahl der parteiinternen Gegner stieg damit auf 18. 

Kritik an der Polizei

Johnson war von der Polizei wegen der Teilnahme an einer Feier zu seinem Geburtstag mit einer Strafe belegt worden. Er muss sich jedoch noch einer parlamentarischen Untersuchung zu der Frage stellen, ob er das Parlament belogen hat. Er hatte lange abgestritten, dass es illegale Feiern gab. Insgesamt wurden in der "Partygate"-Affäre wegen verschiedener Treffen 127 Strafbefehle erteilt. In dem Bericht der Spitzenbeamtin Sue Gray werden der Regierung deshalb schwere Vorwürfe gemacht. Die Treffen hätten "nicht zugelassen werden dürfen", heißt es dort.

Dennoch steht auch auch die Londoner Polizei in der Kritik: Bei drei Feiern während des Lockdowns wurden nur Teilnehmer bestraft. Auch Boris Johnson war dort - er bekam bei diesen Feiern aber keine Strafen. Innerhalb von 14 Tagen muss sich die Polizei nun rechtfertigen, berichtet Nahler. Es könnte sein, dass auch Polizei-Führungspersonen vor Gericht landen.

Quelle: Redaktion / koa