Eine Fotocollage zeigt einen lachenden Außenminister Alexander Schallenberg und Ungarns Premier Viktor Orban mti einer OrdensketteAPA/AFP/Fotomontage

Orbans "Großungarn"-Schal: Außenamt witzelt, Grüne empört

22. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Ungarns Premier Orban zeigte sich am Montag provokant mit einem Fußballschal, der Ungarn in den Grenzen vor 1918 zeigt. Die Ukraine reagierte bereits empört, das Außenministerium reagiert mit Schmäh. Die SPÖ will Ungarns Botschafter einbestellen, die Grünen nennen es "provokant und inakzeptabel".

Am Montag zeigte sich Ungarns Regierungschef Viktor Orban - mit dem sich die ÖVP-Kanzler seit Sebastian Kurz immer gern auf Du und Du präsentierten - mit einem Fußballschal, auf dem Ungarn in den Grenzen der Donaumonarchie eingezeichnet war.

Mehr dazu:

Damals gehörte etwa auch das heutige Burgenland zu Ungarn, ebenso wie Teile des heutigen Kroatiens, der Ukraine, der Slowakei, Polens und Rumäniens zur ungarischen Reichshälfte.

Das Außenministerium nimmt die Provokation auf PULS 24 Nachfrage gelassen. In einer Stellungnahme heißt es trocken:

Eine eilig durchgeführte Recherche im Außenministerium hat ergeben, dass Transleithanien nur in Karten von vor rund 100 Jahren gefunden wurde. Wir werden unsere ungarischen Nachbarn bei nächster Gelegenheit über diese Entwicklung informieren.

Außenministerium

Als "Transleithanien", also "Land jenseits der Leitha", bezeichnete man in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie das juristische Einflussgebiet der ungarischen Reichshälfte. Die Leitha war die administrative Grenze der beiden Reichshälften.

Grüne und SPÖ empört

Die Ukraine hingegen forderte bereits offiziell eine Entschuldigung - immerhin erhebt Russland nach wie vor Anspruch auf Teile ihres Territoriums. Der Europasprecher der Grünen, Michel Reimon, schloss sich der Forderung an: "Dass nun Orban diese Provokation in Zeiten des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine wiederholt, ist provokant und inakzeptabel".

Die SPÖ fordert, dass "der ungarische Botschafter einbestellt und Protest eingelegt" wird. Vizeklubchef Leichtfried nennt diese Art von "Geschichtsrelativismus" unerträglich. Ungarn "stelle damit auch Österreichs territoriale Souveränität in Frage". Es vor allem angesichts des Ukraine-Kriegs zu verurteilen, so Leichtfried: "Es ist ein euroapolitisches Armutszeugnis für die ÖVP, dass sich Kanzler Nehammer mit Orban einen Politiker zum Verbündeten nimmt, den sie nicht einmal mehr in der EVP (Europäische Volkspartei) wollen."

Fragwürdiger Fan-Schal

Die Karte umfasst nicht nur das heutige territoriale Gebiet Ungarns, sondern auch Staatsgebiete der Länder Österreich, Slowakei, Rumänien, Kroatien, Serbien und der Ukraine.

Rumänien empört, Kroatien gelassen

Revisionismus sieht auch das rumänische Außenministerium. In Rumänien lebt die größte ungarische Minderheit. Anders sehen die kroatischen Vertreter die Situation: Der kroatische Regierungschef Andrej Plenković findet territoriale Ansprüche auf Kroatien grundsätzlich "inakzeptabel". Aber er habe keine Zeit, um sich mit den Schals "anderer Leute zu befassen". 

Der Staatspräsident Zoran Milanović die Situation: "Ich muss darüber lachen. Seine Ambitionen auf Kroatien beschränken sich darauf, dass er im August einen Monat lang an der Adria herumkreuzt und wir uns zum Abendessen treffen", sagte Milanović mit Blick auf Orbán. Man dürfe keine besondere Aufmerksamkeit darauf verwenden. "Wenn man sich anschaut, welche Nachbarn wir haben, ist dieser noch der beste", meinte der Präsident.

Auf Facebook reagierte der ungarische Premier auf die Kritik: Fußball sei keine Politik, erklärte der rechtsnationale Politiker auf seiner Facebook-Seite und empfahl nicht hineinzuinterpretieren, was es nicht gebe. Die ungarische Nationalelf sei die Mannschaft aller Ungarn, egal wo sie leben würden.

Stephan HoferQuelle: Agenturen / Redaktion / hos, frn