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Skandal-Schal: Orbán provoziert mit "Großungarn"

22. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán sorgt mit einer erneuten Anspielung auf das "Großungarn", wie es vor dem ersten Weltkrieg existierte, für große Empörung.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán präsentiert sich nach einem Fußball-Freundschaftsspiel  zwischen Ungarn und Griechenland mit einem ganz besonderen Schal und sorgt damit für Aufregung und Empörung. Denn auf dem Fußballschal, den Orbán trug, war eine Karte "Großungarns" zu sehen, dass es in dieser Form seit 1918 nicht mehr gibt.

Die Karte umfasst nicht nur das heutige territoriale Gebiet Ungarns, sondern auch Staatsgebiete der Länder Österreich, Slowakei, Rumänien, Kroatien, Serbien und der Ukraine.

Nicht die erste Provokation

Es ist nicht das erste Mal, dass der ungarische Ministerpräsident mit einer Anspielung auf "Großungarn" die Öffentlichkeit empört. 2020 veröffentlichte er ein Foto einer Weltkugel, auf der die Grenzen Ungarns vor dem ersten Weltkrieg zu sehen waren.

Ukraine fordert "Entschuldigung"

Umgehend Protest gegen Orbáns Schal kam aus Rumänien, wo heute die größte ungarische Minderheit lebt. Das Außenministerium in Bukarest bezeichnete das Tragen des Schals durch den Regierungschef als "revisionistische Äußerung".

Das ukrainische Außenministerium forderte umgehend eine "Entschuldigung" und eine Klarstellung, wonach es keinerlei ungarische Ansprüche auf ukrainisches Staatsgebiet gebe. "Die Förderung von revisionistischen Ansichten in Ungarn trägt nicht zur Entwicklung der ukrainisch-ungarischen Beziehungen bei und entspricht nicht den Grundsätzen der europäischen Politik", sagte Außenamtssprecher Oleg Nikolenko am Dienstag. Die Beziehungen zwischen Kiew und Budapest sind gespannt, weil Orbán schon seit längerem die westliche Unterstützung für die Ukraine hinterfragt.

Kroatien lacht

Der kroatische Regierungschef Andrej Plenković betonte am Montag, die Aufnahmen nicht gesehen zu haben. "Ich komme nicht dazu, mich mit den Schals anderer Leute zu befassen", sagte er laut kroatischer Nachrichtenagentur HINA. "Was die territorialen Ansprüche auf Kroatien durch irgendjemanden, einschließlich Ungarn, angeht, sind sie absolut inakzeptabel, für uns ist das keine Option", stellte der konservative Politiker klar.

Staatspräsident Zoran Milanović riet von einer offiziellen Reaktion Zagrebs ab. "Ich muss darüber lachen. Seine Ambitionen auf Kroatien beschränken sich darauf, dass er im August einen Monat lang an der Adria herumkreuzt und wir uns zum Abendessen treffen", sagte Milanović mit Blick auf Orbán. Man dürfe keine besondere Aufmerksamkeit darauf verwenden. "Wenn man sich anschaut, welche Nachbarn wir haben, ist dieser noch der beste", meinte der Präsident.

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj