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Großbritannien erwägt Kampfpanzer-Lieferung für Ukraine

09. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Großbritannien erwägt Medienberichten zufolge die Lieferung von Kampfpanzern an die Ukraine.

Bis zu zehn Fahrzeuge vom Typ Challenger 2 könnten zur Abwehr der russischen Angriffe an das Land gehen, hieß es in Sky News am Montag unter Berufung auf eigene Informationen. Zuvor hatte Polen in der Debatte über eine Lieferung westlicher Kampfpanzer an die Ukraine den Druck erhöht und ermutigte andere Länder dazu, eine breite Koalition zur Übergabe modernerer Panzer zu bilden. Demnach liefen entsprechende Diskussionen mit Großbritannien bereits seit Wochen. Ein solcher Schritt würde auch andere Staaten ermutigen, Kampfpanzer zu liefern, zitierte Sky News eine "ukrainische Quelle".

Ebenfalls unter Berufung auf eigene Informationen schrieb der "Spiegel", im Kreis der westlichen Ukraine-Unterstützer habe London die mögliche Lieferung von gut einem Dutzend Systemen vom Typ Challenger 2 bereits "unverbindlich angekündigt". Offiziell aber werde die Entscheidung wohl erst bei einem weiteren Treffen der sogenannten Ramstein-Gruppe am 20. Jänner auf der gleichnamigen US-Militärbasis in Rheinland-Pfalz präsentiert werden.

Das britische Verteidigungsministerium äußerte sich zunächst nicht zu den Berichten. Großbritannien habe bisher mehr als 200 gepanzerte Fahrzeuge an die Ukraine geliefert, darunter Flugabwehrsysteme vom Typ Stormer, hieß es.

Polen will "Koalition" zur Übergabe von Panzern

Warschau ermutige andere Länder, eine breite Koalition zur Übergabe modernerer Panzer wie etwa des Leopard-Panzers zu bilden, hatte Vize-Außenminister Pawel Jablonski dem polnischen öffentlich-rechtlichen Radio mitgeteilt. Polen könne Teil einer solchen Koalition sein, sagte Jakub Kumoch, Sicherheitsberater von Präsident Andrzej Duda, dem Sender Radio Zet. "Die Sache ist im Fluss. Zuerst muss man einmal herausfinden, was unsere Verbündeten in den westlichen Ländern tun werden." Allein werde das NATO-Land aber nichts in dieser Richtung unternehmen, weil es dazu gar nicht in der Lage sei.

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Hebestreit teilte indes mit, ihm seinen keine Anfragen von NATO-Partnern bekannt, Leopard-2-Panzer an die Ukraine zu liefern. Diese will die deutsche Bundesregierung der Ukraine derzeit nicht zur Verfügung stellen. Der Regierungssprecher schloss nationale Alleingänge erneut aus und verwies auf Absprachen mit Partnern wie den USA und Frankreich.

Russland verurteilt Waffenlieferungen

Russland verurteilte die westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine. Diese würden "das Leiden des ukrainischen Volkes vertiefen" und den Verlauf des Konflikts nicht ändern, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. "Prinzipiell können diese Lieferungen nichts in der Ukraine verändern und werden nichts verändern können", sagte Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Es gehe dabei nicht nur um die französischen leichten Panzer AMX-10RC, nach denen er gefragt wurde, sondern um alle westlichen Waffenlieferungen, so Peskow.

Die Ukraine zeigte sich dankbar für die bisherigen und angekündigten westlichen Waffenlieferungen - ausreichend sind sie aus Sicht des von Russland angegriffenen Landes aber noch nicht. "Niemand hat genug getan, solange russische Stiefel auf ukrainischem Boden stehen", schrieb Außenminister Dmytro Kuleba auf Twitter. Die Bewaffnung der ukrainischen Armee sei der kürzeste Weg, um Frieden und Sicherheit in Europa wiederherzustellen.

US-Hilfen für Ukraine "gesichert"

Die US-Regierung hält die finanzielle Unterstützung für die Ukraine trotz veränderter Mehrheitsverhältnisse im Kongress für gesichert. Mit dem neuen Haushalt seien die finanziellen Hilfen für Kiew "felsenfest" sicher, fast für das gesamte Jahr 2023, sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, am Montag am Rande eines Besuches von Biden in Mexiko. Im neuen Haushalt seien 45 Milliarden US-Dollar (42 Milliarden Euro) für Ukraine-Hilfen vorgesehen, obwohl die Regierung lediglich 37 Milliarden beantragt habe. "Das ist Geld, das bereits bewilligt wurde", betonte er. "Ich sehe nicht, dass uns dieses Geld weggenommen werden könnte."

Ukraine meldet schwere Angriffe

Die Ukraine meldete unterdessen anhaltend schwere Angriffe der russischen Streitkräfte auf die Stadt Soledar im Osten des Landes. "Nach einem erfolglosen Versuch, Soledar im Gebiet Donezk zu erobern, hat der Feind sich umgruppiert, seine Taktik geändert und einen neuen, heftigen Angriff gestartet", schrieb die stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin Hanna Maljar am Montag auf Telegram. Im Einsatz seien auf russischer Seite vor allem Mitglieder der berüchtigten Söldner-Gruppe Wagner.

Quelle: Agenturen