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"Operation Speer": Russisches Spion-Ehepaar in Schweden gefasst

28. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Schweden scheint bei russischen Spionen offenbar beliebt zu sein, wie die jüngste Festnahme in zeigt. Auch ein Spionage-Prozess sorgt derzeit für Aufsehen.

Zwei Black-Hawk-Hubschrauber weckten die Bewohner:innen von Stockholm am Montagmorgen aus dem Schlaf geweckt. Spezialeinheiten der Polizei seilten sich aus den Helikoptern ab und drangen in ein Haus auf der beschaulichen Insel Värmdö ein. Nach einer Minute war die "Operation Speer" wieder vorbei.

Schwere Spionage

Im Fokus der Ermittler:innen steht ein um die 60 Jahre altes Ehepaar mit russischen Wurzeln. Der Mann wird verdächtigt, 10 Jahre lang schwere Spionage betrieben zu haben - seine Frau soll ihm dabei geholfen haben. Beide bestreiten die Vorwürfe.

Die kriminellen Handlungen sollen sich während "Treffen mit Geschäftskontakten" abgespielt haben. Und zwar in Zusammenhang mit jenen Unternehmen, die das Ehepaar während ihrer Zeit betrieben hatte.

Verbindung zu russischem Ex-Militär

Eines dieser Unternehmen wurde bereits 2020 liquidiert - es handelte mit Transistoren und anderer technischer Ausrüstung, berichtet der schwedische Sender "SVT". Mit dem Verkauf sämtlicher Aktien an ein Unternehmen auf Zypern änderten sich auch die Eigentümerverhältnisse. Neuer Eigentümer wurde ein 75-jähriger Russe, der ein Ex-Militär sein soll. "SVT"-Recherchen zufolge war der Russe auch in den 1980er-Jahren beim sowjetischen Geheimdienst GRU tätig. Ob der 75-Jährige mit der "Operation Speer" bzw. dem russischen Ehepaar zusammenhängt, ist unklar.

Skripal-Angreifer als Nachbar

Dem Investigativ-Netzwerk Bellingcat zufolge soll das Ehepaar eine Wohnung in Moskau in der Zorgestraße 36 besitzen. Eine Adresse, die in Verbindung mit dem russischen Geheimdienst steht. Auf der gleichen Adresse war nämlich auch GRU-Offizier Dennis Sergeev registriert. Sergeev war einer der zentralen Agenten beim Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter. Sie wurden 2018 in Salisbury in England mit Nowitschok vergiftet.

Bereits 2016 war das Ehepaar im Fokus der Steuerbehörde - damals ging es um den Verdacht wegen Mehrwertsteuer-Betrugs. Die Geschäfte des Paares handelten zum großen Teil von Handel mit Russland. In einem Rechenschaftsbericht hieß es, dass die russische Invasion der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland eine "beträchtliche Unsicherheit für die Zukunft beinhaltet".

Ungewöhnliche Rekrutierung

Nachrichtendienstexperte Tony Ingesson sieht gegenüber "SVT" einen ungewöhnlichen Fall. Denn dass Zivilist:innen mit russischem Hintergrund rekrutiert werden, sei unüblich, meint der Experte. Die Verdächtigen hätten keine diplomatische Immunität als Schutzmantel. Vielmehr würde man schwedische Staatsbürger:innen ohne Verbindung zu Russland rekrutieren. Zwar stehe noch nicht "mit Sicherheit" fest, dass Russland dahinterstehe, es sei jedoch "das wahrscheinlichste".

Bei Sicherheitspolizei spioniert

In Schweden sorgt derzeit ein weiterer Fall für Aufsehen. Zwei Brüder stehen im schwersten Spionage-Fall in der schwedischen Geschichte vor Gericht. Der ältere Bruder soll im Rahmen seiner Arbeit bei der Sicherheitspolizei und dem Sicherheitsdienst der Armee für Russland spioniert und damit die Landessicherheit bedroht haben. Der jüngere Bruder soll die Planung übernommen und die Kontakte mit Russland und dem russischen Geheimdienst gepflegt haben. Beide bestreiten die Tat.

Für Daniel Stenling, Chef der Spionageabteilung in der Sicherheitspolizei, haben vor allem Russland, China und der Iran ihre Spionageaktivitäten hochgefahren, wie er gegenüber "SVT" erklärt. Für Russland sei Schweden deshalb interessant, weil es in der Ostseeregion und in der Nähe der Arktis liege - zwei für Russland sehr interessante Gebiete. Zudem sei Schweden eine Hightech-Nation und gerade Hightech sei bei Russland und China sehr nachgefragt. Damit wolle man die eigene militärische Macht stärken.

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp