APA - Austria Presse Agentur

Noch immer im Probelauf: Kritik an heimischen Impfstart

05. Jan 2021 · Lesedauer 3 min

Über 60.000 Impfdosen hat Österreich bereits erhalten - Ende der Woche werden es 126.000 Dosen sein. Flächendeckende Impfungen gibt es aber noch keine. Nun wird Kritik am Impfplan der Regierung laut.

Derzeit sind bisher rund 63.000 Dosen des Pfizer/Biontech-Impfstoffs in Österreich angekommen, 63.000 weitere sollen bis Ende dieser Woche hinzukommen. Ausgeliefert wurden davon laut Gesundheitsministerium mit Stand heute, Dienstag, aber erst 8.360.

Diese sollen zum Großteil bereits verimpft worden sein. Genaue Zahlen hat das Ministerium derzeit nicht. Am 30. Dezember waren es 6.000 geimpfte Personen in Österreich. Im Vergleich dazu hat Israel - mit einer vergleichbaren Bevölkerungszahl wie Österreich - bisher über 1,2 Millionen Menschen geimpft.

Einige Bundesländer gehen nun ihren eigenen Weg. Wien, Niederösterreich, Kärnten und auch Salzburg starteten diese Woche mit den Impfungen.

Regierung verteidigt Vorgehen

Die Regierung begründet das Vorgehen damit, dass Impfungen aufgrund der geringen Zahl an Impfdosen bis Anfang Februar gezielt erfolgen müssten. Der Sonderbeauftragte des Ministeriums, Clemens Martin Auer, sagte am Montag im "Ö1"-Mittagsjournal, dass "eine kritische Größe von Dosen" für flächendeckende Impfungen notwendig seien. Diese sei erst bei über 100.000 Impfdosen erreicht. Deshalb werde nächste Woche mit den Impfungen in "über 900 Pflegeheimen und Covid-Stationen" gestartet.

Kritik an "Schneckentempo"

Gegen Kritik an dem Vorgehen verwehrte sich Auer in dem Interview. Doch diese wird immer lauter - aus der Politik und der Medizin.

So stößt SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wanger das Schneckentempo der Regierung sauer auf. "Dass 63.000 Impfstoffe gebunkert werden und nicht verimpft werden, ist grob fahrlässig", sagte die SPÖ-Vorsitzende. Die SPÖ habe zur Impfstrategie eine parlamentarische Anfrage einbracht.

Die NEOS haben dazu eine Anfrage an das Gesundheitsministerium und die Bundesländer gestellt. Für NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker ist "dieses Schneckentempo unverantwortlich und lebensgefährlich". Die Regierung würde sich mit "kruden Ideen wie Freitesten" befassen, "während der Rest der Welt längst freigeimpft ist".

Kein transparenter Impfplan

Auch die Ärztekammer reagiert auf den langsamen Impfstart in Österreich mit Unverständnis. Der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Harald Mayer, sprach sich für eine schnellstmögliche Impfung der Bevölkerung aus. Die Impfung sei "die große Chance, die Pandemie wirkungsvoll zu bekämpfen", sagte Mayer am Montag. 

Verwundert zeigt er sich, dass bisher noch kein konkreter, transparenter Impfplan vorliegt. "Jetzt erst darüber zu diskutieren, wer wann geimpft wird und wie die Risikogruppen definiert werden, ist reichlich spät", merkte Mayer an. Das sieht auch die Kärntner Ärztekammer-Präsidentin Petra Preiss so: "Wir haben keinen adäquaten Pandemieplan, keinen Plan für Massenimpfungen, das ist alles in den letzten Wochen frisch erfunden worden, und das ist das Jämmerliche", sagte Preiss. 

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb