Elling: Haslauer "hat nach 20 Monaten Pandemie immer noch viel zu wenig verstanden"

10. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) erteilte Lockdowns am Mittwoch eine Absage und unterstellt Virologen, Menschen einsperren zu wollen. Ulrich Elling, Molekularbiologe vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), kontert: Die Politik hätte zu spät reagiert.

"Das Ganze ist ein Symptom der Hilflosigkeit", beurteilt Ulrich Elling, Molekularbiologe vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), die Aussagen von Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer nach dem Corona-Krisengipfel, bei dem keine Entscheidung getroffen wurde. Der Wissenschaftler wirft dem Politiker vor, Fake-News zu verbreiten und Virologen zu demotivieren.

Doch zunächst kurz die Vorgeschichte: Angesichts der drastischen Corona-Lage in Salzburg und Oberösterreich hatte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) den Landeshauptmännern Haslauer und Thomas Stelzer (beide ÖVP) vorgeschlagen, regional Lockdowns für Ungeimpfte zu verhängen. Die Landeshauptleute lehnten ab - sehen die Maßnahme "skeptisch" und wollen zunächst bis Freitag beraten.

Am Rande der Pressekonferenz teilte Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer dann gegen Virologen aus: Diese würden die Menschen einsperren wollen, sagte er mit dem Hinweis "ein bisschen zu übertreiben". Haslauer meinte, als Politiker könne er nicht nur "die virologische Wahrheit" umsetzen. 

Das sei "diffamierend und motivationszerstörend für Wissenschaftler", kontert Molekularbiologe Ulrich Elling. "Es entbehrt jeglicher Wahrheit. Das sind komplette Fake-News, die Behauptungen, dass wir Leute einsperren wollen", sagt er. Im Gegenteil, die Aussagen des Landeshauptmannes seien ein Ausdruck der Hilflosigkeit und würden zeigen, dass Haslauer "auch nach 20 Monaten Pandemie immer noch viel zu wenig verstanden" hätte. 

Experten haben gewarnt

Die Experten würden wissenschaftliche Daten aufarbeiten und beratend tätig sein, die Maßnahmen müssten die Politiker ergreifen. Die Experten würden "intelligente" Maßnahmen "rechtzeitig" vorschlagen, damit eben Lockdowns verhindert werden können, so Elling. Nur die Politik hätte nicht gehört.

Auch Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) sagte am Montag, als er die 2G-Regel verkündete, dass man die Corona-Dynamik nicht vorhergesehen hätte. Die Experten hätten das "sehr wohl vorhergesehen", sagt der Molekularbiologe. Die Situation sei nicht erst seit Oktober dynamisch, schon im August habe das Prognose-Konsortium gesagt, dass es in den Spitälern eng werden wird.

Dass die Impfeffizienz wegen Delta abnehme, sei auch bekannt gewesen. Israel habe im August bekanntgegeben, dass Auffrischungsimpfungen helfen. Der Stufenplan sei dann nicht auf die Pandemie zugeschnitten gewesen, sondern auf den Wahlkampf in Oberösterreich, sagt Elling. 

 

Die 2G-Maßnahme habe nun einen geringen Effekt. Selbst wenn sich deswegen jetzt Menschen impfen lassen, zeige das erst in zwei Monaten Wirkung. Menschen die jetzt im Spital sind, hätten sich vor drei Wochen angesteckt. Erst langfristig würden die jetzt durchgeführten Erstimpfung wirken. "Ich sehe keinen Masterplan", urteilt der Wissenschaftler.

Weil man zu lange gewartet hätte, brauche man nun "Akutmaßnahmen", sagt Elling. Kurzfristig hätte man nun nur noch die Wahl zwischen "einer Vollbremsung oder Augen zu und durch". Ein strikter Lockdown würde Wirkung zeigen. Es könnte auch klappen, wenn dieser nur Ungeimpfte betreffen würde, so der Experte. Ob das aber machbar sei, ist fraglich. Es müsste strikt kontrolliert werden. 

"Der politische Wille fehlt"

Das eigentlich Problem sei aber, dass dafür der politische Wille fehle, sagt Elling. "Wenn das Volk nicht will, hilft es eh nicht", sei die Ausrede der Politik. In Oberösterreich und Salzburg hätte man "sein eigenes Volk nicht im Griff".

Quelle: Redaktion / koa