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Bregenzer Festspiele sind mit den Proben voll im Zeitplan

07. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Zwei Wochen vor Start proben die Mitwirkenden der Bregenzer Festspiele auf Hochtouren. Am Donnerstag gaben die Verantwortlichen beim alljährlichen Pressetag Einblicke in die Probenarbeit zum Spiel auf dem See "Madame Butterfly", die am 20. Juli Premiere feiert, und zur Hausoper "Sibirien". "Beide Produktionen liegen im Zeitplan", so Intendantin Elisabeth Sobotka. Zufrieden zeigte sich auch der kaufmännische Direktor Michael Diem. 90 Prozent der Tickets am See seien verkauft.

Damit ist der Großteil der 189.000 Tickets für die 26 Abende weg. Die Auslastung liege also dort, wo man sie sich erträumt habe, sagte Diem. Insgesamt sind 220.000 Karten für das heurige Festival aufgelegt. Corona-Maßnahmen gebe es noch für den Probenbetrieb, nicht mehr für die Besucher. "Aber wir empfehlen, eigenverantwortlich das Tragen der Maske", erklärte Diem. In den nächsten Tagen wird laut Intendantin Sobotka alles zusammenkommen: Orchester, Solisten, Maske und Kostüm, Ton- und Lichteffekte.

Auf der Seebühne proben derzeit zweimal täglich 80 Tänzer, Sänger, Statisten und Solisten unter Regisseur Andreas Homoki das in Japan spielende Stück um die tragische Liebe der Cio-Cio-San. Für ihn verkörpert das Bühnenbild die brüchige Seelenlandschaft der Madame Butterfly. "Etwas unglaublich Delikates, Zartes, einfach zusammengeknüllt, wird aufs Wasser geworfen", so Homoki. Man nutze die Möglichkeit der großen Bühne, um damit die Einsamkeit der Hauptfigur darzustellen, erklärte Sobotka.

Die Größe der Bühne erfordere sehr genaue Vorbereitungen, betonte der Regisseur, der dafür an einem Modell alles durchinszenierte und nun nach der Corona-Verschiebung wieder hervorholte. "Wie eine Mutter, die für eine Woche wegfährt, und vorkocht und einfriert", so Homoki, für den das Stück einen stark emanzipatorischen Charakter hat. Für ihn ist Cio-Cio-San eine junge Frau, die radikal ihr Ziel verfolge, aus einer Welt auszubrechen, in der sie sich nicht verwirklichen könne.

Bei der Vorstellung wird das bis auf zarte Bemalungen weiße Papierbühnenbild von Michael Levine mit Licht und Videos zum Leben erwachen. Man schaffe eine ganz neue Bühnenbeleuchtung, "ein magisches Beseelen des Papiers", verriet Homoki. "Wir haben eine neue Art zu leuchten gefunden", versprach auch Sobotka ein spezielles ästhetisches Erlebnis. Barno Ismatullaeva, Premierenbesetzung der Cio-Cio-San, zeigte sich sehr bewegt, eine ihrer Lieblingspartien unter offenen Himmel, umgeben von Wasser und Natur, singen zu dürfen. Sie sei sich ihrer Verantwortung bewusst und werde sich bemühen, die Gefühle ihrer Rolle bis in die letzte Reihe zu tragen.

Enrique Mazzola, musikalischer Leiter der "Butterfly", berichtete von gut verlaufenen Proben mit den Wiener Symphonikern und den "supertalentierten" Solisten. Man werde alles in den nächsten Wochen zur "Magie" zusammenführen. Das Orchester ist ab Sonntag in Bregenz. Als fit in den Regieanweisungen erwies sich auch der sechsjährige Riku Seewald, der das Kind der Cio-Cio-San spielt.

Am 21. Juli feiert dann die Hausoper, Umberto Giordanos "Sibirien", Premiere. Regisseur Vasily Barkhatov hat in die Geschichte, in deren Zentrum die Kurtisane Stephana steht, eine vierte Figur eingeführt. Eine ältere Frau, als Kind von Russland nach Italien ausgewandert, beginnt in den 1990er-Jahren eine Reise in ihr Geburtsland, auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und dem Grab ihrer Eltern. Sie rekonstruiere dabei die Geschehnisse, die sie bis in ein früheres Gefangenenlager führen, wie eine Archäologin, so Barkhatov.

Für Barkhatov zeichnete Giordano ein sehr persönliches, künstlerisch-naives Bild von Russland. Eine Zeitebene werde über Filmeinspielungen erzählt, die vergangenen Ereignisse über das Bühnengeschehen. Sie sei fasziniert gewesen, von der Art, wie Barkhatov das erzählen wollte, bekannte Intendantin Sobotka. "Es scheint alles auf künstlerisch sinnvolle Art zusammenzukommen. Das macht mich hoffnungsfroh für die Premiere", erklärte sie. "Das Spannungsfeld zwischen dieser naiven Musik und dem eigentlich krassen Text - derf ist ja schon fast Dostojewski -, das in besonderer Weise aufgelöst wird, das macht die Wirkung aus", so Sobotka über das Stück.

Für den musikalischen Leiter Valentin Uryupin ist "Sibirien" trotz des Handlungsortes eine "sehr italienische Oper, vielleicht die italienischste Oper, die ich kenne", auch wenn viele russische Andeutungen und Elemente vorkämen. Er sprach von einer faszinierenden Reise, die dem Orchester, auch hier die Wiener Symphoniker, viel abverlange. Die beiden Hauptproduktionen der Bregenzer Festspiele drehen sich übrigens nicht nur beide um Kurtisanen, sie stehen auch historisch in Verbindung: 1903 zeigte die Mailänder Scala Giordanos dreiaktiges Werk statt der verschobenen Uraufführung von "Madame Butterfly".

(S E R V I C E - 76. Bregenzer Festspiele von 20. Juli bis 21. August. "Madame Butterfly" von Giacomo Puccini als Spiel auf dem See (Premiere: 20. Juli, 21.15 Uhr), "Sibirien" von Umberto Giordano als Hausoper (Premiere: 21. Juli, 19.30 Uhr). www.bregenzer-festspiele.com)

Quelle: Agenturen