Geistlicher Oberhaupt
Mojtaba Khamenei neuer Oberster Führer des Iran
Der 56-Jährige sei am Sonntag "nach sorgfältigen und umfassenden" Beratungen zum geistlichen Oberhaupt der Islamischen Republik gewählt worden, teilte der Expertenrat mit.
Die iranischen Revolutionsgarden sagten dem neuen Anführer umgehend ihre Gefolgschaft zu. US-Präsident Donald Trump hatte sich gegen Mojtaba Khamenei ausgesprochen.
"Der Name Khamenei wird weiterbestehen"
Israel hatte damit gedroht, jeden künftigen Anführer des Iran zu töten. Der Expertenrat erklärte, er habe trotz "der brutalen Aggression" der USA und Israels "keine Minute gezögert", einen neuen Anführer des Iran zu bestimmen.
Schon Stunden vorher hatte sich die Entwicklung abgezeichnet. Hosseinali Eshkevari, ein Mitglied des Geistlichen Rates, der mit der Wahl beauftragt war, hatte in einem in iranischen Medien veröffentlichten Video gesagt, die Wahl sei abgeschlossen.
"Der Name Khamenei wird weiterbestehen", hatte er hinzugefügt, ohne aber Mojtaba beim Namen zu nennen. Dieser war zuvor bereits als wahrscheinlichster Nachfolger bezeichnet worden.
Bisher gab es nur einen Wechsel an Irans Spitze: Als Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini 1989 nach längeren gesundheitlichen Problemen starb, wurde Khamenei zu seinem Nachfolger bestimmt.
Mojtaba Khamenei gilt wie sein Vater, der die Geschicke des Iran mit harter Hand geführt hatte, als konservativer Hardliner. Er hat kein offizielles Regierungsamt inne, doch die Frage nach dem tatsächlichen Einfluss des Khamenei-Sohns sorgte seit Jahren für Spekulationen.
US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag bekräftigt, die USA sollten bei der Auswahl ein Mitspracherecht haben. "Wenn er nicht unsere Zustimmung erhält, wird er nicht lange im Amt bleiben", sagte Trump dem Sender ABC News. Der Iran hatte die Forderung zurückgewiesen. Am Donnerstag hatte Trump Mojtaba als "inakzeptabel" bezeichnet.
Revolutionsgarden auf der Seite Khameneis
Die iranischen Revolutionsgarden sicherten Mojtaba Khamenei inzwischen ihre bedingungslose Unterstützung zu und erklärten, sie seien bereit, ihm "mit vollständigem Gehorsam und Selbstaufopferung zu folgen".
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Die Revolutionsgarden hatten zuvor ungeachtet neuer massiver Luftangriffe Israels ihren Kampfeswillen betont. Sie seien in der Lage, "einen intensiven Krieg mit dem derzeitigen Tempo mindestens sechs Monate lang fortzusetzen". Nachdem bisher Raketen der "ersten und zweiten Generation" eingesetzt worden seien, würden in Kürze modernere Geschosse und Raketen mit großer Reichweite verwendet, drohte ein Sprecher.
Das geistliche Oberhaupt, oft auch "Revolutionsführer" genannt, gilt als wichtigster Mann im Iran. Unter Ali Khamenei und seinem Vorgänger, dem Staatsgründer Ayatollah Ruhollah Khomeini, hatte der Revolutionsführer das letzte Wort in allen Staatsangelegenheiten - von der Außenpolitik bis hin zu gesellschaftlichen Fragen.
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Zusammenfassung
- Acht Tage nach dem Tod von Ali Khamenei wurde sein 56-jähriger Sohn Mojtaba Khamenei vom Expertenrat nach umfassenden Beratungen zum neuen Obersten Führer des Iran gewählt.
- Die iranischen Revolutionsgarden sicherten Mojtaba Khamenei sofort ihre Gefolgschaft zu und kündigten an, künftig modernere Raketen einzusetzen und mindestens sechs Monate Krieg führen zu können.
- US-Präsident Donald Trump bezeichnete Mojtaba Khamenei als "inakzeptabel" und forderte ein Mitspracherecht der USA bei der Ernennung, während Israel drohte, jeden künftigen Anführer des Iran zu töten.
