APA - Austria Presse Agentur

Laschet-Buch für Plagiatsjäger Weber doch Fall für Prüfung

03. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Nach einer anfänglichen Entlastung von Armin Laschets Buch, hat Stefan Weber seinen Meinung nun geändert. Es sollen doch Passagen von einem anderen ohne Kennzeichnung übernommen worden sein.

Österreichs Plagiatssucher Stefan Weber sieht beim Buch des deutschen Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet nun doch Anlass für weitere Prüfung. "Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance" erschien 2009. Weber hatte vergangene Woche zunächst erklärt, er erkenne nach einer eigenen Prüfung "keine weiteren Plagiate". Ein Leserfund habe seine erste Einschätzung aber "beträchtlich" geändert.   

Weber schrieb, Laschet habe "mutmaßlich" fast die halbe Seite 177 seines Buchs vom bekannten Münchner Politologen und früheren bayerischen Kultusminister Hans Maier (CSU) unzitiert übernommen. In Laschets Buch findet sich ein Absatz, der stark einer Passage in einem Text Maiers ähnelt.

Laschet gibt Fehler zu 

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsidenten hatte schon am vergangenen Freitag erklärt, in seinem Buch gebe es offenkundig Fehler, die er verantworte. "Mindestens ein Urheber des im Buch verwendeten Materials wird weder im Fließtext noch im Quellenverzeichnis genannt. Dafür möchte ich ausdrücklich um Entschuldigung bitten, denn sorgfältiges Arbeiten beim Verfassen von Werken und die Achtung des Urheberrechts sind für mich auch eine Frage des Respekts vor anderen Autoren."

Prüfung läuft

Um zu klären, ob es weitere Fehler gibt, habe er unverzüglich die Prüfung des Buchs veranlasst. Dazu sagte ein Sprecher am Dienstag: "Diese Prüfung dauert an."

Maiers Aufsatz wurde 2006 in der katholischen Zeitschrift Communio veröffentlicht, also rund drei Jahre bevor Laschets Buch erschien. Maier bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der Text 2006 in der Zeitschrift erschien. In dem Absatz geht es um das Zusammenleben der Religionen in Deutschland.

Passage fast wortgleich

Maier schreibt in dem Aufsatz etwa: "So kann ein Jude verlangen, dass seine Sache nicht in einem Gerichtssaal verhandelt wird, in dem ein Kreuz hängt. Jüdischen Geschäftsinhabern kann die Öffnung eines Ladens am Sonntag erlaubt werden, da sie am Samstag wegen des Sabbatgebots keine Verkäufe tätigen dürfen." In Laschets Buch heißt es: "Ein Jude kann verlangen, dass seine Sache nicht in einem Gerichtssaal verhandelt wird, in dem ein Kreuz hängt. Jüdischen Geschäftsinhabern kann die Öffnung ihres Ladens am Sonntag erlaubt werden, da sie am Samstag nicht arbeiten dürfen."

Vergangene Woche war auf Twitter eine Gegenüberstellung des Plagiatssuchers Martin Heidingsfelder veröffentlicht worden, die eine auffallende Ähnlichkeit zwischen einer Passage des Laschet-Buchs und einer anderen Publikation zeigte. Der betroffene Wissenschaftler Karsten Weitzenegger hatte sie öffentlich gemacht. Weber kritisierte Heidingsfelder auf seinem Blog: "Wenn mein Kollege Martin Heidingsfelder nicht noch mehr Fundstellen auf den Tisch legt, muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, eine Nebelkerze gezündet zu haben." 

Der österreichische Plagiatsjäger knöpft sich immer wieder Politiker vor. Er nahm schon das Buch der deutschen Grünen-Politikerin und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock zur Brust. Seine Untersuchung der Diplom- sowie der Doktorarbeit von Ex-Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) führte zu deren Rücktritt. Mehr dazu: 

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam