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Nehammer sieht in Ablösegerüchten "mediale Sommerlochdebatte"

01. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Laut mehrerer Medienberichte wird ÖVP-intern über die Ablöse von Bundeskanzler Karl Nehammer debattiert. Grund sind unter anderem schlechte Umfragewerte. Der Bundeskanzler sieht in den Diskussionen über seine Ablöse eine "offensichtliche mediale Sommerlochdebatte".

Schlechte Umfragewerte, schlechte Witze, Unzufriedenheit in Sachen Energiekrise und Teuerung, Korruptionsvorwürfe und ein überhastetes Ende der Quarantäne - die Regierung steckt tief in der Krise. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) sagte seinen Sommerurlaub mit der Familie ab und versucht, sein Image mit einer Bundesländer-Tour zu retten. 

Spekulationen über Ablöse

Währenddessen tauchen in diversen Medien Spekulationen über eine mögliche Ablöse Nehammers auf. Das spannende daran: Die Gerüchte dürften aus der ÖVP selbst kommen. "Aber die Hinweise auch aus der ÖVP verdichten sich: Nehammer kämpft um sein Amt", berichtete etwa der "Standard" am Wochenende. In der Analyse wird der jetzige Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) als möglicher Nachfolger Nehammers gehandelt. 

"Deutliche" Warnzeichen

"Standard"-Journalist Hans Rauscher sieht im PULS 24 Interview "deutliche" Warnzeichen für Nehammer, auch wenn er nicht davon ausgeht, dass dessen Ablöse unmittelbar bevorstehe. In der ÖVP rumore es, Granden und Funktionäre schauen auf die Umfragen, so der Polit-Kenner. Dort liegt die ÖVP momentan bei 22 Prozent, der Kanzler selbst bei 19. Deshalb würde man Diskutieren, jedoch ohne eine Lösung oder einen Kandidaten zu haben. Ein ganz wichtiges Indiz, dass Nehammer längst nicht sicher im Kanzler-Sessel sitz sei, dass seine Stütze, Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vom Kanzleramt Führungskraft einforderte. Wenn WK-Präsident Mahrer dann noch einen Kurswechsel verlange, dann seien das "deutliche" Warnzeichen.

Rauscher sieht "deutliche" Warnzeichen für Nehammer

Am Montag legte auch die Boulevardzeitung "Heute" nach. "Zu seinem engsten Kreis zählen mittlerweile nur noch Pressesprecher Daniel Kosak, seine Gattin Katharina (...) Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und Daniela Fazekas", wird dort über den Kanzler geschrieben. Es wird ein "hochrangiger ÖVP-Funktionär" zitiert, der sich darüber echauffiert, dass Nehammer für sonst kaum jemanden aus der Partei zugänglich sei. 

Vor allem in Tirol, wo im Herbst gewählt wird, aber auch in Niederösterreich, Kärnten und Salzburg, wo im kommenden Jahr Wahlen anstehen, sollen die Landesparteien ob der schlechten Umfragewerte nervös werden. 

Edtstadler als Kandidatin?

Die Gratiszeitung nennt neben Magnus Brunner auch Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) als mögliche Nachfolgerin. Auch Martin Kocher könnte ein Kandidat sein, heißt es in dem Artikel. Kocher ist aber kein ÖVP-Parteimitglied. Eine weitere Möglichkeit soll die ÖVP im Wirtschaftskammerpräsidenten Harald Mahrer sehen. 

Als fraglich gilt jedoch, ob die türkis-grüne Regierung einen weiteren Kanzler-Wechsel - nach Sebastian Kurz, Alexander Schallenberg und Nehammer - ohne Neuwahlen überhaupt politisch überstehen kann.

Nehammer zu Ablösegerüchten: "Offensichtliche mediale Sommerlochdebatte"

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) sieht in mehreren Medienberichten über angebliche parteiinterne Diskussionen über seine Ablöse eine "offensichtliche mediale Sommerlochdebatte". Die Regierung arbeite mit der Energiekrise und der Teuerung an ernsthaften Problemen. "Dem widme ich zu 100 Prozent meine Energie", so Nehammer bei einer Pressekonferenz nach dem Energie-Krisenkabinett am Montagabend.

Quelle: Redaktion / koa