IDF-Sprecher Shalicar: "Fehler passieren im Krieg"

0

Der Terror-Angriff der Hamas ist mittlerweile ein halbes Jahr her. Noch immer sind israelische Geiseln in den Händen der Hamas, die Verhandlungen kommen nicht voran. Über einen "bedauerlichen Fehler" und Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung spricht IDF-Sprecher Arye Sharuz Shalicar im PULS 24 Interview des Tages.

Seit Wochen stehen die Verhandlungen zwischen Israel und der islamistischen Hamas um die Freilassung von israelischen Geiseln still. Am Montag berichtete zunächst ein ägyptischer Nachrichtensender von "leichten Fortschritten", das wurde sowohl aus Hamas-Kreisen als auch von israelischer Seite aber umgehend dementiert.

Israel gehe es um die "133 Geiseln, die sich immer noch in den Händen der Terroristen befinden", sagte Arye Sharuz Shalicar, Sprecher der israelischen Streitkräfte IDF im PULS 24 Interview bei Anchor Thomas Mohr. "Solange sich die Geiseln in Geiselhaft befinden, fühlen wir uns in der Pflicht und im Recht, weiter im Einsatz zu sein". 

Die Geiseln wurden nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober verschleppt. Im Laufe einer einwöchigen Feuerpause Ende November vergangenen Jahres ließ die Hamas 105 Geiseln im Austausch gegen 240 palästinensische Häftlinge frei. Laut Shalicar hoffe Israel darauf, die Hamas am Verhandlungstisch zu einer Lösung zu bringen. Bis dahin werde man "weiterhin nadelstichartige Operationen vornehmen". 

Tote Zivilisten: Sicherheit sei Israel wichtig

Einer der größten Kritikpunkte am Vorgehen der israelischen Armee ist die enorme Zahl an zivilen Opfer im Gazastreifen. Nach jüngsten Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden bisher mehr als 33.100 Menschen getötet. An dieser Zahl gibt es von israelischer Seite deutliche Zweifel.

Laut Shalicar versuche man in Gaza, zwischen Zivilisten und Terroristen zu unterscheiden. "Uns ist es wichtig, dass sich Zivilisten in Sicherheit bringen", sagte der Armeesprecher. Das geschehe etwa mit abgeworfenen Flyern, SMS oder Anrufen. 

Man müsse vor allem aber auch die "israelische Zivilbevölkerung schützen", so Shalicar. Weiterhin gebe es Raketenangriffe auf Israel, nicht nur aus dem Gazastreifen.  

Angriff auf NGO-Konvoi ein "bedauerlicher Fehler"

Für Aufregung und scharfe Kritik sorgte ein Drohnenangriff der israelischen Armee auf einen Hilfskonvoi der NGO "World Central Kitchen", bei dem sieben Helfer getötet wurden. Der Angriff wurde durch eine israelische Kommission aufgearbeitet, dabei wurde "schwerwiegendes Versagen" der israelischen Einsatzkräfte festgestellt. Der verantwortliche Kommandant sowie der Stabschef wurden aus ihren Positionen entlassen. 

Der Angriff sei ein "bedauerlicher Fehler" gewesen, sagte Shalicar eine Woche später bei PULS 24. Dafür entschuldige er sich auch persönlich. Der NGO-Chef José Andrés glaubte aber nicht an einen Unfall, sondern einen "systematischen Angriff" auf seine Mitarbeiter.

Auch die USA und weitere internationale Organisationen rügten Israel nach dem Vorfall scharf. "Dieses Muster von Angriffen ist entweder vorsätzlich oder ein Zeichen rücksichtsloser Inkompetenz", sagte Christopher Lockyear, Generalsekretär der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF).

Es hätte jedoch eine "Falschidentifizierung" dazu geführt, so Shalicar: "Man hatte den Anschein, dass man Terroristen angreift", daraus müsse man lernen. Er meinte aber auch: "Fehler passieren leider im Krieg". "Dieser Angriff hätte auch vermieden werden können, wenn wir nicht im Krieg wären", sagte er. Dazu müssten aber zuerst die Hamas-Geiseln freikommen. 

Video: Halbes Jahr Krieg in Gaza - Israel zieht Truppen ab

Hilfe für Zivilisten: Hamas würde "aus Verantwortung gezogen"

Kritik von Shalicar kommt auch an der humanitären Hilfe für die Menschen im Gazastreifen. "Sie (die Hamas, Anm.) sollten eigentlich verantwortlich sein für ihre eigenen Menschen", sagte der IDF-Sprecher. Wenn diese Aufgabe die Amerikaner oder Europäer übernehmen würden, ziehe man die Hamas "aus der Verantwortung und das ist ein Fehler".

Die US-Regierung hält Israels Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung im Gazastreifen für nicht ausreichend. "Trotz wichtiger Schritte, die Israel unternommen hat, um Hilfe im Gazastreifen zu ermöglichen, sind die Ergebnisse vor Ort völlig unzureichend und inakzeptabel", sagte US-Außenminister Antony Blinken vergangene Woche. Derzeit gebe es keine höhere Priorität als den Schutz der Zivilbevölkerung und die Ausweitung humanitärer Hilfe, betonte er.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder heftige Kritik an Israel, dass humanitäre Hilfe blockiert würde. Es gibt strenge Kontrollen, welche Hilfslieferungen in den Gazastreifen kommen, das verzögert den Ablauf enorm. Neben dem Grenzübergang Rafah von Ägypten zum Gazastreifen hat Israel vergangene Woche angekündigt, den Hafen von Aschdod und den Grenzübergang Eres für Hilfslieferungen zu öffnen. 

ribbon Zusammenfassung
  • Der Terror-Angriff der Hamas ist mittlerweile ein halbes Jahr her. Noch immer sind israelische Geiseln in den Händen der Hamas, die Verhandlungen kommen nicht voran.
  • Über einen "bedauerlichen Fehler" und Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung spricht IDF-Sprecher Arye Sharuz Shalicar im PULS 24 Interview des Tages.
  • Für Aufregung und scharfe Kritik sorgte ein Drohnenangriff der israelischen Armee auf einen Hilfskonvoi der NGO "World Central Kitchen", bei dem sieben Helfer getötet wurden. 
  • Der Angriff sei ein "bedauerlicher Fehler" gewesen, sagte Shalicar eine Woche später bei PULS 24. Dafür entschuldige er sich auch persönlich.
  • Er meinte aber auch: "Fehler passieren leider im Krieg". "Dieser Angriff hätte auch vermieden werden können, wenn wir nicht im Krieg wären", sagte er.

Mehr aus Politik