Brandstätter: "Russen beginnen für Trump zu werben"

12. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Helmut Brandstätter, außenpolitischer Sprecher der NEOS und ehemaliger Chefredakteur vom "Kurier", erklärt im Newsroom LIVE, ob Donald Trump nach der Razzia erneut zur US-Präsidentenwahl antreten wird. Außerdem analysiert er die Rolle Russlands bei einer erneuten Kandidatur.

Nachdem das Anwesen des Ex-US-Präsidenten Donald Trump, Mar-a-Lago in Florida, vom FBI nach Dokumenten durchsucht wurde, stellt sich immer öfter die Frage, ob es zu rechtlichen Konsequenzen für Trump kommt . Vor allem bleibt es spannend, ob Trump weiterhin vorhat bei der Präsidentenwahl 2024 zu kandidieren. Der außenpolitische Sprecher der NEOS Helmut Brandstätter sagt im Interview, er glaubt Trump würde lediglich aus persönlicher Kränkung nochmal antreten. 

Russland auf Trumps Seite 

Bei einer Amerikareise im März hat Brandstätter Kongressmitgliedern und Personen an Universität gefragt, ob diese glauben, dass Trump nochmal antreten würde und gewinnen könnte. Diese Fragen wurde einheitlich verneint. Laut dem Politiker dürfe man jedoch nicht vergessen, dass Trump von den republikanischen Kandidat:innen, derzeit der mit den besten Chancen wäre.

Trump hat jedoch indirekt ein "Ass" im Ärmel. Brandstätter erzählt er habe in einer russischen Fernsehsendung gehört, dass Russland sich darauf vorbereite im Falle eines Bürgerkrieges in den USA "eine Seite mit Waffen zu beliefern" und sie wüssten bereits welche Seite. Die Russen würden in ihrer Propaganda also bereits beginnen  für Trump zu werben, so Brandstätter.

Dass Russland im Jahr 2016 Trump zum Wahlsieg verholfen hat ist bewiesen und auch, dass Russland Material über Trump besitzt, zeigt sich Brandstätter überzeugt.

"Ich bin euer Anwalt" 

Nach der Razzia reagierte Trump wütend und verbreitete Verschwörungstheorien. Diese würden laut Brandstätter weiterhin bei seinen Anhänger:innen Anklang finden, obwohl man wisse, dass Trump "lügen und betrügen" würde. Er hat es jedoch geschafft "sich auf die Seite der Ärmeren, der Benachteiligten zu stellen und ihnen zu sagen, ich bin euer Anwalt". Brandstätter befürchtet, dass dieser Trick erneut funktionieren könnte. Auch Trumps parteiinterner Gegner Ron DeSantis (Gouverneur Floridas) würde seine Taktik anwenden. 

Der Abgeordnete sieht Trumps Angriffe auf die Polizeibehörden als "gefährlich" an. Er sieht darin das "nächste Level" an Propaganda. Er glaubt zwar nicht, dass die Leute bereit wären "aktiv zu werden", doch bei einer schlechter wirtschaftlicher Lage könnte es schwieriger werden. 

Biden und Harris eine "Enttäuschung" 

Derzeit stehen die Karten für die Republikaner nicht schlecht. Die Umfragewerte der Demokraten lassen zu wünschen übrig. Das liege laut dem ehemaligen Kurie-Chefredakteur daran, dass Amerika von Joe Biden und Kamala Harris "zutiefst enttäuscht" wäre. Die beiden wären nicht das "großartige Team", welches sich ein Großteil der Bevölkerung erhofft hatten. Leider würde derzeit auch eine "dritte Person" fehlen von der man überzeugt sei, dass sie eine Wahl gewinnen könnte.

Dokumente "heißes Material" 

Was die Razzia angeht glaubt Brandstätter, dass es sich um "heißes Material" handeln muss. Um die Hausdurchsuchung zu genehmigen, müsste dies ein "unabhängiger Richter" zulassen. Dieser musste mit Beweisen von der Rechtmäßigkeit der Razzia überzeugt werden.

Trump habe angeblich zehn bis 13 Boxen an "streng geheimen" Dokumenten nach seiner Amtszeit nicht zurückgegeben. Bei diesen könnte es sich um "Nuklear- oder Waffengeheimnisse" handeln, aber auch um Namen von Personen mit denen Trump gearbeitet hat. Sollten diese Infos bekannt werden, würde das nicht nur dem Ex-Präsidenten schaden, sondern auch den beteiligten Personen. 

Zu den gefunden Dokumenten würde man "möglicherweise den Buchdeckel erfahren, aber nicht den Inhalt des Buches". Was in den Unterlagen stehe, würde nicht veröffentlicht werden, da dies streng geheim seien, so Brandstätter.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz