APA - Austria Presse Agentur

Harter Lockdown: Handel und Schulen sollen schließen

14. Nov 2020 · Lesedauer 4 min

Am Samstag wird die Regierung um 16:30 Uhr neue Verschärfungen bekannt geben. Es steht ein harter Lockdown bevor, der laut Medienberichten mehrere Wochen dauern wird.

Auf den weichen folgt nun der harte "Lockdown", wie PULS 24 aus Regierungskreisen erfuhr. Am Samstagnachmittag wird die Regierung neue Verschärfungen bekannt geben. Die bereits bekannten Informationen im Überblick:

  • Der Handel wird zusätzlich zur Gastronomie geschlossen. Analog zum ersten Lockdown im Frühling sollen alle Geschäfte, die nicht für den täglichen Gebrauch notwendig sind, zusperren. Dazu zählen zum Beispiel Kosmetiksalons und Friseure.
  • Schulen und Kindergärten werden vermutlich geschlossen, das gilt auch für Unterstufen und Volkschulen. Eine Notbetreuung soll aber weiterhin möglich sein.
  • Die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen werden laut APA auf den ganzen Tag ausgedehnt. Das heißt, man darf das Zuhause nur verlassen, wenn es dafür einen guten Grund gibt, etwa den Weg zur Arbeit, den Besuch der Familie, einen Spaziergang oder einen Einkauf. 
  • Weiterhin offen bleiben sollen hingegen Lebensmittel, Drogerien, Banken, Postfilialen und Apotheken.

Die Verschärfungen kommen zu den bereits geltenden Maßnahmen dazu und dürften zeitnah in Kraft treten, um zumindest ein wenig Vorbereitung zu ermöglichen, werden sie aber wohl nicht schon ab Montag gelten. 

Der Lockdown wird bis kurz vor dem Marienfeiertag am 8. Dezember in Kraft sein. Verkündet werden die Maßnahmen Samstagnachmittag vom üblichen Quartett um Kanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

PULS 24 Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner analysiert im Gespräch mit PULS 24 Anchorwoman Alina Marzi die Lage in Österreichs Spitälern und welche neuen Corona-Maßnahmen wir wahrscheinlich bekommen.

Der Fahrplan:

13.00 Uhr Pressegespräch mit Experten zur aktuellen Corona-Lage in Österreich mit Klaus Markstaller, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), und Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich (GÖG).

16.30 Uhr Pressekonferenz mit Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Werner Kogler, Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Innenminister Karl Nehammer.

18.00 Uhr Pressekonferenz mit Arbeits- und Familienministerin Christine Aschbacher, Finanzminister Gernot Blümel und Bildungsminister Heinz Faßmann zu weiteren Details aus ihren Bereichen

PULS 24 überträgt alle Termine und analysiert die neuen Maßnahmen mit Experten und Expertinnen. 

Die Corona-Ampelkommission hat dazu geraten "möglichst zeitnah" zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu verhindern. Konkreter wurden die Empfehlungen nicht, die Kommission verwies aber auf die Ausgangsregeln und Betretungsverbote im Covid-Maßnahmengesetz.

Diskussion um Schulschließung

Die Opposition, Elternvertreter und Vertreter der Wirtschaft stemmen sich gegen eine komplette Schulschließung. Auch die Corona-Ampelkommission hat sich am Donnerstagabend für offene Schulen für unter 14-Jährige ausgesprochen. Sie fordert aber Präventionsmaßnahmen: Antigen-Schnelltests sollen zum Einsatz kommen, die Maskenpflicht für Schüler und Lehrer auch im Unterricht, eine Staffelung der Schul-Öffnungszeiten, die Nutzung größerer Räume und Sport nur noch im Freien.

"Da kann man durchaus noch kreativ sein, bevor man die Schulen sperrt", sagt Virologe Norbert Nowotny im Interview mit PULS 24 Anchorwoman Alina Marzi.

Ehemalige Direktorin: "Es ist hier so viel versäumt worden"

Das Kanzleramt hat dem Vernehmen nach eine Schließung der Schulen durchgesetzt. Die Grünen sollen dagegen gewesen sein. 

Neuer Rekord mit 9.586 Corona-Neuinfektionen 

Am Freitag wurde mit 9.568 Neuinfektionen in Österreich abermals ein neuer Rekord gemeldet. Die Datenbank für Corona-Fälle ist vielfach überlastet. Statistikprofessor Erich Neuwirth bemängelt im Gespräch mit PULS 24 die unübersichtliche Datenlage.

77 Prozent der gemeldeten Fälle sind derzeit nicht mehr nachverfolgbar, heißt es. Die Kontrolle über die Pandemie ist den Gesundheitsbehörden damit de facto entglitten, die Intensivbetten in den Krankenhäusern werden knapp, das Pflegepersonal sowieso. Im Bundesland Oberösterreich, wo die Lage in den Spitälern besonders prekär ist, wartet man unterdessen nicht auf die Regierungsmaßnahmen und erlässt bereits jetzt strengere Regeln für Einkaufszentren. In Tirol werden in Spitälern bereits nicht notwendige Operationen verschoben.

Quelle: Redaktion / moe/hos