Zeiler: Wie unabhängig der ORF ist, "hängt vom Chef ab"

07. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Bei Infochefin Corinna Milborn sprechen Alexander Wrabetz und Gerhard Zeiler, beide ehemalige ORF-Chefs, über die Zukunft der GIS und politische Einflussnahme auf den ORF.

Der Idee der Grünen, den ORF nicht über die GIS, sondern über das Budget direkt zu finanzieren, können weder Gerhard Zeiler noch Alexander Wrabetz, beide ehemals Chefs des ORF, bei "Milborn" etwas abgewinnen. "Ich glaube, dass es keinen Weg vorbei geben wird an einer Haushaltsabgabe", die sicherstelle, dass jeder für den ORF zahle, jedoch auch die Unabhängigkeit bewahrt würde, sagt Zeiler. Budgetfinanzierung "funktioniert nirgendwo", stimmt auch Wrabetz dem Vorgänger zu "100 Prozent" zu. 

Regierung bringt nicht einmal Maklergebühr zustande

Diese Haushaltsabgabe - wie auch immer man sie nennt - könne man nicht kurzfristig umsetzen und "diese Regierung, die ja nicht einmal einfache Gesetze zum Thema Maklergebühr zustande bringt, wird auch so ein komplexes Ding in den nächsten vier Monaten nicht zustande bringen", ist sich Zeiler sicher. Die einzige Alternative sei laut Wrabetz "eine Reparatur der GIS".  Streaming-Empfang auch GIS-pflichtig zu machen löse zwar nicht alle Probleme, würde den ORF aber zumindest in die Jahre 2024/2025 führen. Dann könne man ein stabiles Zukunftsmodell entwickeln.

"Gut so", dass Schrom nach Chats ging

Dass ORF2-TV-Chefredakteur Matthias Schrom, nachdem Chats mit Heinz-Christian Strache auftauchten, abtrat, findet Zeiler richtig. "Alle, mit denen ich geredet habe, haben mir gesagt, dass er eigentlich ein guter Chefredakteur war", aber es sei ihm klar gewesen, das Schrom gehen müsse. "Das ist auch richtig so. Es war halt leider eine wirklich dumme Geschichte von ihm." Man müsse "auch die Konsequenzen ziehen, wenn das passiert."

Strache-Chats bei Wrabetz? "Sicher keine freundlichen"

Ob es auch Chats von ihm gebe, fragte PULS 24 Infochefin Corinna Milborn Alexander Wrabetz. "Wenn es welche gegeben hätte", so Wrabetz, wären das aber sicher keine freundlichen gewesen, wenn man bedenke, wie Strache zur Zeit der Chats gegen den ORF schoss. Außerdem hätte er "eigentlich nie" per Chat kommuniziert, vielleicht höchstens "eine SMS oder so irgendwas" geschrieben. 

Unabhängigkeit ist Chef-Sache 

Die Abhängigkeiten der Öffentlich-Rechlichen in Europa unterliegen laut Zeiler einem Nord-Süd-Gefälle. "Je unabhängiger, desto nördlicher, je abhängiger, desto südlicher. Österreich ist ein bisschen südlicher als es der geografischen Lage entspricht", sagt der inzwischen in den USA tätige Zeiler. Wie unabhängig der ORF von der Politik sei, "hängt vom Chef ab. Die Unabhängigkeit muss von oben gelebt werden." Das sei nicht immer einfach. Das war auch zu meiner Zeit nicht immer einfach." Freunde von ihm, so der Sozialdemokrat, hätten schon mal den Telefonhörer aufgelegt, um dann für einige Zeit nicht mehr mit ihm zu sprechen. "Das muss man durchstehen, das ist das Anforderungsprofil jedes Chefs im ORF und je besser man das macht, umso unabhängiger werden auch die Mitarbeiter. Das Schlimmste ist vorauseilender Gehorsam." 

Wrabetz: FPÖ wollte mich wegbekommen

"Viele, die mich unterstützt haben bei meiner ersten Wahl", erinnert sich Wrabetz, "haben sehr bald danach alles getan, um mich wieder loszuwerden". Die schwarz-blaue Regierung, allen voran die FPÖ, habe sich massiv bemüht, "rasch ein Gesetz zu bekommen, dass primär darin bestand, mich wegzubekommen".

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam