Burgenland-SP kontert Zeiler: "Für solche Schwachsinnigkeiten" keine Zeit

07. Dez. 2022 · Lesedauer 4 min

Schlammschlacht in der SPÖ: Medienmanager Gerhard Zeiler will lieber aus der SPÖ austreten, als einen Kanzlerkandidaten Hans Peter Doskozil zu sehen. Seine Aussage auf PULS 24 lässt im Burgenland die Wogen hochgehen. "Inhaltsleeres Blabla" sieht Burgenlands Landesgeschäftsführer Roland Fürst in den Aussagen und rät Wiens Bürgermeister und den U-Ausschuss-Fraktionsvorsitzenden, ihre Kritik an Doskozil nicht öffentlich zu äußern.

Der Ex-ORF-Generalintendant und nunmehrige President International bei Warner Bros. Discovery Gerhard Zeiler war selbst als SPÖ-Chef im Gespräch. Er steht voll hinter Parteichefin Rendi-Wagner und sagte im PULS 24 Interview, Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bewege sich immer mehr in Richtung FPÖ. Doskozil als Parteichef oder Kanzlerkandidat sei einer der wenigen Gründe, die ihn zu einem Parteiaustritt bringen könnten. 

"Der Herr Zeiler ist da ein bissl eine Ausnahme, weil die meisten treten wegen Hans Peter Doskozil in die Partei ein." Burgenland habe die mit Abstand stärkste Landesorganisation der Sozialdemokratie, reagiert Burgenlands SPÖ-Landesgeschäftsführer Roland Fürst verschnupft auf die Aussage und legt kräftig nach.

"Grotesk"

Es sei "bemerkenswert, dass ein Medienmanager sowas über die Medien ausrichtet". Zeiler sei "offensichtlich nicht bewusst, dass er hier einen der erfolgreichsten sozialdemokratischen Politiker, einem Landeshauptmann, in Abrede stellt, ein Sozialdemokrat zu sein". Das sei "grotesk und zeigt, in welcher Welt der Herr Zeiler lebt".  "Das ist nicht mehr die Welt der Sozialdemokratie, der Menschen da draußen, die wirklich ums Leben kämpfen." Die Menschen hätten "für solche Schwachsinnigkeiten" keine Zeit.

Zeiler "mit seinen Freundin in Wien oder wo auch immer in den Zigarrenclubs" sei weit weg von der Sozialdemokratie und gebe nur "inhaltsleere Plattitüden" von sich. Seine Meinung sei "zusammengezimmert" und habe mit der Lebensrealität der Menschen "draußen" nichts zu tun.

Ludwig und Krainer "tun genau das, was sie uns vorwerfen"

Der SPÖ-Fraktionsvorsitzende im U-Ausschuss Kai Jan Krainer sagte auf PULS 24, Doskozils Querschüsse "gehen jedem in der SPÖ total am Nerv", Wiens Bürgermeister Michael Ludwig riet dem Landeshauptmann, seine Kritik im Parteipräsidium, statt in der Öffentlichkeit zu äußern.

Diese Kritik lässt Fürst nicht gelten, im Gegenteil. Richtung Krainer und Ludwig meinte er: "Die tun genau das, was sie uns vorwerfen." Im Burgenland richte man nichts über die Medien aus, sagte er im Interview.

"Dosko schießt quer" - Erfindung der Türkisen

Das Narrativ "Dosko schießt quer" sei von den Türkisen erfunden worden, werde von Medien zu oft verwendet und von Parteikollegen "nachgeplappert". Das zeige Fürst, dass die Sozialdemokratie "in einem schwierigen Zustand" sei, sonst würde die Umfrage der burgenländischen SPÖ, die Doskozil vor Parteichefin Pamela Rendi-Wagner sieht "nicht zu so einem Medienwirbel führen. 

Kanzlerkandidatur: Burgenlands SPÖ steht hinter Mehrheit

Laut Fürst sei es nicht in Stein gemeißelt, dass der SPÖ-Chef auch Kanzlerkandidat werde. Wir sind der Meinung – viele andere auch – dass, wenn der Tag X feststeht, dann soll man sich überlegen, wer hier ins Rennen geht." Die Mehrheitsmeinung sei für Rendi-Wagner. Das müsse man akzeptieren, aber "es gibt auch viele Meinungen, die anderer Meinung sind. Und auch das muss akzeptiert werden." Wie auch immer es ausgehe, die burgenländische Sozialdemokratie werde hinter der Mehrheitsmeinung stehen.

Das ganze Interview sehen sie ab 15.30 Uhr auf PULS 24

Lercher kritisiert Zeiler

Auch SPÖ-Nationalratsabgeordneter Max Lercher kritisiert die Aussagen von Zeiler via Twitter. Er sei für "harte inhaltliche Diskussionen", aber "dass sich da jemand hinstellt und meint, er kann entscheiden, wer Sozialdemokrat ist und wer nicht, geht zu weit". Es sei "faszinierend, wie oft wir Sozialdemokrat:innen bereit sind, immer wieder dieselben Fehler zu wiederholen. Sozialdemokratische Parteien waren noch nie gut beraten, sich innerhalb der Bewegung auszurichten wer mehr, weniger oder kein:e Sozialdemokrat:in ist."

 

Fußi: Herumtaumelei der SPÖ

Für Kommunikationsberater Rudi Fußi ist Zeilers Kritik hingegen "Ausdruck der inhaltlichen Herumtaumelei der SPÖ. Es gibt laut PRW EINEN Kurs in der Migrationspolitik, nämlich das unter Kern beschlossene Kaiser-Doskozil-Papier". Zeiler folge dem Gedanken, "dass man unter 3 Linken 5 Meinungen hat. Und dazu noch den sympathisch totalitären Zugang wählt, entscheiden zu wollen, wer Sozialdemokrat ist und wer nicht. Für Außenstehende lustig, den politischen Gegner herrlich, für die SPÖ nur dumm."

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam