Karner über Gräueltaten: Mariupoler wissen genau, was ihnen droht

20. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Die Ukrainer führen laut Militärexperte Karner einen "aussichtslosen Abwehrkampf" in Mariupol, wenn nicht Hilfe von außen kommt. Zusicherungen der Russen trauen die Ostukrainer nach vergangenen Gräueltaten nicht. Darauf deutet auch der Beschuss von Krankenwägen, der eingesetzt werden könnte, um weiter "Angst und Schrecken" zu verbreiten.

70.000 bis 80.000 russische Truppen seien auf ukrainischem Territorium, erklärt PULS 24 Militärexperte Gerald Karner, es dürfte allerdings versucht werden, noch zusätzliche Kräfte in die Ukraine zu bekommen. "Da dürfte bereits im Aufmarsch einiges nicht so verlaufen sein, wie Russland sich das vorgestellt hat."

Es könnte auch sein, dass die Ukraine bereits den Aufmarsch in den selbsterklärten Volksrepubliken Donezk und Luhansk "durch Nadelstiche und örtliche Gegenangriffe" störten. "Auch diese Offensive scheint aus russischer Sicht nicht so zu verlaufen, wie man sich das vorgestellt hat."

Aussichtsloser Abwehrkampf

Karner befürchtet, dass die Lage in Mariupol, das kurz vor dem Fall zu stehen scheint, schlimmer wird als die Gräueltaten in Butscha. Es sei "ein Muster" der Russen, auch zivile Ziele anzugreifen. Man werde laut seiner Einschätzung ähnliche Szenen sehen, die zunächst nicht veröffentlicht werden, weil Mariupol dann unter russischer Besetzung sein wird.

Die Lage in Mariupol sei "offensichtlich verzweifelt". Die Reste der Truppen seien laut Berichten mit 1.000 Zivilpersonen im Stahlwerk verschanzt. Dort würde ein aussichtsloser Abwehrkampf geführt, wenn die Befreiung nicht von außen kommt.

"Menschen wissen genau, was ihnen droht"

Für Mittwoch sei ein humanitärer Korridor angekündigt. "Die Lage ist ganz sicherlich für die ukrainische Seite sehr verzweifelt." Die russischen Streitkräfte in Mariupol verkündeten eine einseitige Feuerpause und forderten die ukrainischen Kämpfer zur Kapitulation auf. Gemessen an Beispielen der Vergangenheit, gibt Karner zu bedenken, haben sich laut vertrauenswürdigen Quellen die Russen meist nicht an solche Zusagen gehalten.

Die Ukrainer in Mariupol trauen deshalb den Russen nicht. Man kenne die Gräueltaten aus u.a. Butscha. "Ich denke, dass auch die Menschen in Mariupol ganz genau wissen, was ihnen unter Umständen droht."

"Angst und Schrecken erzeugen"

Berichte, dass auch klar gekennzeichnete Sanitätsbereiche und Krankenwägen beschossen wurden, seien "nicht zu begreifen und gemäß Kriegsvölkerrecht strengstens verboten". Das könne an mangelnder Kenntnis liegen "was auch schon schlimm genug wäre". Es könnte sich aber auch um ganz bewusstes Verhalten handeln, "um Angst und Schrecken zu erzeugen". Niemand sei vor russischem Beschuss sicher, könnte die Message lauten.

"Russland hat natürlich die militärischen Fähigkeiten und die Kraft, die Regionen Luhansk und Donezk abzusichern", zeichnet der Experte ein dunkles Bild für die Ukrainer. Es komme aber darauf an, inwieweit die Ukrainer durch westliche Waffenlieferungen nach- und aufrüsten können. Das deute darauf hin, dass die Situation in der Ostukraine länger andauert. Das sei weder im Interesse der Russen noch der Ukrainer, aber vor allem nicht in dem der Zivilbevölkerung.

"Ich habe den Eindruck, dass manche westliche Staaten Mittel und Wege gefunden haben, um auch schwereres Kriegsgerät (…) in Teilen an die Ukraine geliefert zu haben und liefern zu können." Noch seien die Daten "etwas kryptisch". Hier müsse man auf nähere Angabe warten. Das würde der Ukraine natürlich helfen.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam