APA - Austria Presse Agentur

Das steckt hinter Kurz‘ Strategie mit der Angst

Apr 27, 2020 · Lesedauer 2 min

Ein Gesprächsprotokoll, das dem Radiosender Ö1 vorliegt, zeigt, dass Angst in der Bevölkerung durchaus gewollt sein könnte. Eine Strategie, die aus Sicht der Regierung Sinn macht.

"Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz vor knapp einem Monat. Eine Wortwahl die nicht sehr beruhigend wirkt.

Hinter Kurz Tonfall könnte eine nicht ganz unbekannte Strategie stecken. Das zeigt ein Gesprächsprotokoll der "Taskforce Corona" vom 12.März, das dem Radiosender Ö1 vorliegt. Kurz habe demnach gesagt, die Menschen sollen sich aber vor einer Ansteckung fürchten. Tropenmediziner Herwig Kollaritsch habe die Krisenkommunikation in Großbritannien während der Masernepidemie als "Positivbeispiel" erwähnt. Die britische Regierung habe damals mit der Angst der Bevölkerung gespielt, heißt es im Beitrag von Ö1.

 

Angst als Motivator?

Angstforscher und Professor an der Meduni Wien Siegfried Kasper sieht auch etwas Positives in der Furcht. Sie schütze uns vor Gefahren. Im Interview mit PULS 24 sagt er: „Eine gesunde Furcht vor dem Virus zu haben ist eine gute Sache." Kasper glaubt, die österreichische Regierung habe mit ihrer Strategie richtig gehandelt, im Gegensatz zu Ländern wie Großbritannien und den USA, wo die Infektionszahlen sehr viel höher sind. "Staatsmänner, die meinen es sei nicht so schlimm, haben diese Angstsignale ignoriert und bekommen jetzt die Rechnung präsentiert", sagt er. 

Siegfried Kasper, Angstforscher und Professor an der Meduni Wien, im Interview.

Aus sozialwissenschaftlicher Sicht macht das durchaus Sinn. Ängstliche Menschen neigen eher dazu, rigorose Maßnahmen zu akzeptieren. Das zeigt auch eine Befragung der Uni Wien während der Corona-Krise.

Demnach waren zu Beginn der Krise 57 Prozent der Bevölkerung zeitweise ängstlich oder nervös. Die Zustimmung zu einschneidenden Maßnahmen ist in dieser Personengruppe höher als unter jenen, die angaben, keine Angst zu haben. Vor allem Maßnahmen, die in die Privatsphäre eingreifen (z.B. Videoüberwachung und Handyortung) werden von ängstlichen Menschen eher akzeptiert.

Das liegt laut den Forschern der Universität Wien daran, dass Furcht die Menschen dazu motiviere, die Krise effektiv bewältigen zu wollen.

 

Angst führt zu stärkerem Informationsbedürfnis

Menschen, die sich fürchten, suchen auch verstärkt nach Informationen. Ihr Medienkonsum steigt gegenüber jenen, die keine Angst haben. Allerdings suchen sie dabei nicht immer nach objektiven Informationen. Eher im Gegenteil. Laut den Studienautoren gibt es Anzeichen dafür, dass ängstliche Menschen dazu neigen, beunruhigende und negative Informationen zu bevorzugen. 

Abgesehen von den Auswirkungen auf unser Handeln, führt Angst zu Stress und psychischen Belastungen. 

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe