APA - Austria Presse Agentur

Leak: Wollte Kurz mit der Angst der Menschen spielen?

Apr 27, 2020 · Lesedauer 2 min

Laut Ö1 wurde in einer Sitzung der "Taskforce Corona" darüber diskutiert, mit der Angst der Bevölkerung zu spielen – es soll ein "Gedankenaustausch" gewesen sein.

Laut einem internen Protokoll, über das das "Ö1-Morgenjournal" berichtet, soll Bundeskanzler Sebastian Kurz am 12. März in einer Sitzung der "Taskforce Corona" dafür plädiert haben, die Vorsicht der Menschen in Österreich mit drastischen Aussagen zu verstärken. Anwesend sollen Vizekanzler Werner Kogler, Gesundheitsminister Rudolf Anschober, Innenminister Karl Nehammer und weitere Beamte und Gesundheitsexperten gewesen sein.

Laut Ö1 habe Kurz bedauert, dass er noch keine Sorge in der Bevölkerung spüre. Woraufhin der Tropenmediziner Herwig Kollaritsch meinte, man müsse der Bevölkerung klar machen, dass es sich um eine potenziell tödliche Krankheit handle und nicht um eine einfache Grippe. Als Beispiel nannte Kollaritsch dem Protokoll zufolge die Kommunikation rund um die britische Masernepidemie der 1990er-Jahre. Dort habe man mit der Angst der Bevölkerung gespielt. Dann soll von Kurz laut dem Protokoll folgende Vorschläge gekommen sein:

  • Die Menschen sollen vor einer Ansteckung oder davor, dass Eltern oder Großeltern sterben, Angst haben.
  • Die Angst vor einer Lebensmittelknappheit soll der Bevölkerung genommen werden.

Via Ö1 vermutete ein Sprecher von Kurz anfänglich, das Protokoll sei womöglich eine Fälschung, dann relativierte er die Aussagen von Kurz. Demnach habe der Kanzler lediglich gemeint, dass er Verständnis für die Angst einer Ansteckung habe, nicht aber vor Lebensmittelknappheit.

Das Gesundheitsministerium will nun die eigenen Protokolle anonymisiert veröffentlichen. Laut einer Sprecherin wollte Kurz wohl nur seine berechtigte Sorge zum Ausdruck bringen. Bei der Sitzung ging es um einen Gedankenaustausch und nicht darum, Strategien zu beschließen, so die Sprecherin. Laut Ö1 wollten sich einige angefragte Sitzungsteilnehmer nicht an die protokollierten Aussagen erinnern, andere bestätigten diese sinngemäß.

Quelle: Redaktion / moe