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Begräbnis der Queen: Milliarden-Event mit Königs-Tränen und Hoppalas

19. Sept. 2022 · Lesedauer 9 min

Milliarden Menschen weltweit verfolgten am Montag die Beerdigung von Queen Elizabeth II., Hunderte Staatschefs und Royals waren in London. Die Monarchin wurde am Nachmittag in Windsor Castle neben ihrem Ehemann zur Ruhe gebettet, Tausende Soldaten und Polizisten nahmen an der Parade teil. Trotz generalstabsmäßiger Planung passierte das eine oder andere Missgeschick. Aufsehen erregten auch die emotionale Königsfamilie.

Der ganze Montag stand in vielen Ländern - allen voran Großbritannien selbst, im Zeichen der Queen-Trauer: Die zehntägige Staatstrauer ging mit einer Parade zu Ende - erst vor Hunderttausenden Zuschauern in London und vor Milliarden im TV, dann einer weiteren, kleineren in Windsor Castle. Hunderte Staatschefs und Royals nahmen in der Westminster Abbey Abschied. Ein kleinerer Kreis mit Belegschaft, nochmals der Familie und gekrönten Häuptern bettete die Königin dann im Schloss außerhalb von London in der Gruft zur endgültigen Ruhe. 

Queen Elizabeth II. verstarb in ihrem schottischen Lieblingsschloss Balmoral im Kreise ihrer Familie. Der Sarg der Queen wurde von Balmoral nach Edinburgh gebracht und schließlich nach London. In der Westminster Hall des britischen Parlaments aufgebahrt, hatten die Brit:innen vier Tage lang die Chance, sich von ihrer Königin zu verabschieden - und warteten bis zu 20 Stunden auf wenige Sekunden am Sarg. Blumen wurden vor die Eingangstore des Buckingham Palace und im Green Park abgelegt

Staatsbegräbnis in noch nie dagewesener Größe

Am Montag fand das größte Staatsbegräbnis der Geschichte statt. 500 Staatschefs, hochrangige Politiker:innen und Monarch:innen kamen nach London, um der 96-jährigen Königin die letzte Ehre zu erweisen. Auch der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Frau Doris Schmidauer zählten zu den Trauergästen. 

Das Begräbnis der Queen zum Nachlesen: 

Tränen des Königs

Nicht nur die Zuschauer trauerten, auch die royale Familie selbst zeigte Nerven. König Charles III. sahen Milliarden Menschen vor den Bildschirmen weinen, auch Prinz William kämpfte mit seinen Emotionen und Queen-Enkelin Prinzessin Beatrice hatte nach dem Aussegnungsgottesdienst ihrer Großmutter unter Tränen die Kirche verlassen. Auch Prinz Harrys Frau Meghan weinte während der Messe. Die Kinder von William und Kate, George und Charlotte, waren ebenfalls von dem Begräbnis ihrer Großmutter berührt. 

Glockenschläge, Salutschüsse

Beim Staatsbegräbnisses schlug die Glocke 96 Minuten lang einmal pro Minute. Damit sollte jedes Lebensjahres der vor eineinhalb Wochen gestorbenen Königin gedacht werden. "Die Tenorglocke ist die größte der zehn Glocken der Abbey und wird traditionell nach dem Tod eines Mitglieds der königlichen Familie geläutet", hieß es auf dem Twitter-Account der Westminster Abbey. 

Sarg vor 30 Jahren angefertigt

Als die Königin aus der Westminster Hall gebracht wurde, lagen auf dem Sarg weiterhin die Staatsinsignien, Szepter, Krone und Reichsapfel. Der Sarg wurde bereits vor 30 Jahren angefertigt. Er besteht aus englischer Eiche und ist ausgelegt mit Blei. Getragen wurde die Königin von Grenadier Guards. Neben den Soldaten, gingen hinter dem Sarg die enge royale Familie. Angeführt von den vier Kindern der Königin - König Charles III., Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward.

In der Westminister Abby, wo die Messe zur Verabschiedung der Queen stattfand, befanden sich 2.200 Anwesende. Als der Queen in die Kirche getragen wurde, erhoben sich alle. Vom Chor zu hören war: "Ich bin die Auferstehung und das Leben". Diesen Satz hört man bei jedem Staatsbegräbnis in Großbritannien seit dem 18. Jahrhundert. 

Familie geleitet Sarg in Westminister Abbey

Acht Uniformierte trugen bei der Prozession den Sarg der Queen. Dahinter folgten König Charles III. und Königsgemahlin Camilla, danach Charles Geschwister Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward. Anne und Edward wurden von ihren Partnern begleitet.

Dann folgten Prinz William und Prinzessin Kate und deren älteren Kinder Prinz George (9) und Prinzessin Charlotte (7). Ihnen folgten Prinz Harry und seine Frau Herzogin Meghan sowie weitere Mitglieder der Royals und des königlichen Haushalts.

Trauerkranz enthielt Hochzeitsblumen

Auf Wunsch der Königin enthielt der Kranz auf dem Sarg Rosmarin, Stieleiche und Myrte aus einer Pflanze, die bereits Teil des Hochzeitsstraußes der Queen war. Weiters waren Blumen in gold, rosa und tiefem burgunderrot sowie weiß aus den Gärten der königlichen Residenzen Teil des Sargschmucks.

Die Blumen auf dem Sarg, die Eheringe und auch die Lieder, waren alles Referenzen auf die Hochzeit der Queen. Für "Der Herr ist mein Hirte" erhoben sich alle in der Abbey. Schon bei der Hochzeit der damaligen Kronprinzessin mit Lieutenant Philip Mountbatten 1947 war dieses Kirchenlied Teil der Zeremonie. 

Prozession durch London

Nach der Messe in der Westminster Abbey begann die Prozession durch London. Am Wellington Arch wurde die Queen in einen Leichenwagen umgebettet. Von dort wurde der Sarg der Queen mit dem Auto zur St. George's Kapelle bei Schloss Windsor gefahren. Dort liegen sowohl ihr Mann Philip, als auch ihre Schwester Margaret und ihre Eltern.

Bei der Prozession des Sargs Richtung Wellington Arch war jedes Regiment vertreten. Die Prozession umfasste um die Tausende Soldaten, die ihre oberste Befehlshaberin begleiteten. Mit dabei war zum Beispiel auch eine Delegation der Royal Canadian Mounted Police - der berittenen Polizei Kanadas.

Kleine Hoppalas

Das stundenlange Event war von langer Hand geplant, die ersten Pläne waren schon vor Jahrzehnten in Angriff genommen worden. Es waren aber die kleine Ausrutscher, die das Milliardenpublikum vor den TV-Geraten und Handys beschäftigten und auch bei all der Trauer auch erheiterten. In Minuten ging ein Foto eines Polizisten um die Welt, der beim Dienst vor der Westminster Abbey zusammenklappte. Matrosen, ebenfalls vor Ort im Einsatz, eilten zur Hilfe und transportierten den Beamten ab. 

Vor dem Schloss Windsor sah man nach der Trauerfeier Könige und Königinnen warten - die Royals wurden in Shuttelbussen transportiert - und die gekrönten Häupter passten nicht alle hinein. 

Später vor dem Schloss Windsor sorgte ein Pferd für eine ungewöhnliche Szene. Das nervöse Ross tänzelte aus der Reihe, schlug mit dem Schwanz und traf den daneben stehenden Soldaten, der Spalier stand, genau im Gesicht. 

Auch im TV verlief nicht alles glatt. In Australien erkannte ein Moderationsteam die neue britische Premierministern Liz Truss zunächst nicht. Das Duo vermutete, dass es sich bei Truss und ihren Mann um "minor Royals" - also weniger wichtige Mitglieder der Königsfamilie oder lokale Würdenträger handeln könnte. Sekunden später korrigierten sie den peinlichen Fehler. 

Auf Londons Straßen entlang der Route herrschte Stille. Man hört die Soldaten und deren Kommandos, doch die Zuschauer schwiegen. Neben Blasmusik und dem Gleichschritt der Regimenter begleiteten auch Big Ben den Trauerzug. Jede Minute schlug die große Glocke einmal.

Persönlicher Brief von König Charles

Im Blumenkranz auf dem Sarg steckte ein persönlicher Brief von König Charles III. an seine gestorbene Mutter. Charles ist begeistertet Gärtner und hat selbst die Blumenauswahl für den Kranz getroffen. In seiner letzten Botschaft an seine Mutter schrieb er: "In liebevoller und treuer Erinnerung. Charles R." Das "R." steht für Rex, das lateinische Wort für "König". 

Jeder Angestellte des Buckingham Palastes, egal wie alt, egal wie lang im Dienst, kannte bisher nur eine einzige Chefin. Als der Trauerzug den Palast passierte, standen die Angestellten noch einmal für sie Spalier. Über 100 Angestellte bezogen vor dem Arbeitsplatz der verstorbenen Königin Stellung. 

Prinzessin Anne stets an der Seite der Queen

Am Wellington Arch wurde noch einmal "God Save the King" für die Königin angestimmt. Der Leichenwagen fuhr anschließend zum Schloss Windsor. Wieder wurde sie von Princess Royal, Anne, die Tochter der Queen begleitet. Schon von Schloss Balmoral, wo die Queen verstarb in die schottische Hauptstadt Edinburgh, von Edinburg nach London und auch jetzt, von der Hauptstadt nach Windsor Castle ist Anne an der Seite der Queen. 

Kinder und Enkelkinder gehen hinter dem Sarg

Jene Royals, die in der Parade mitgingen, haben in der Regel einen militärischen Background - auch Prinzessin Anne, die Ehren-Admiralin ist. Hinter der Prozession fuhren die Kinder und Frauen der königlichen Familie. Königin-Gemahlin Camilla, Kate, die Prinzessin von Wales und ihre Kinder George und Charlotte teilten sich ein Auto. 

Ein weiteres Auto teilten sich Prinz Harrys Frau Meghan und Sophie, die Countess of Wessex, Frau von Prinz Edward. Auch die Prinzessinnen Eugenie und Beatrice saßen gemeinsam in einem Wagen. Sie sind die Töchter von Prinz Andrew. 

Corgies und Pony erwarteten die Queen

Der Leichenwagen mit dem Sarg der Queen fuhr zur Gemeinde Windsor. Dort standen die Vertreter verschiedener Regimenter am "Long Walk", der langen, geraden Promenade zum Schloss, Spalier. Die Angestellten der Queen und selbst ihr Pony, das sie im hohen Alter noch ritt, standen am Rand des Weges. Die Queen - ihr Leben lang Pferdenärrin -  verbrachte viel Zeit in den Ställen. Auch die beiden Corgis Muick und Sandy wurden Zeuge der Prozession. Sie sollen nach dem Tod der Königin an Prinz Andrew gehen, der sich weiter um die Hunde kümmern wird. 

Krone, Szepter und Reichsapfel kommen in den Tower of London

Die königliche Familie folgt dem Sarg der Queen in die St.-Georges-Kapelle. Bei der Messe in der Kapelle sind die gekrönten Häupter Europas vertreten. Während der Messe wurden die Krone, das Szepter und der Reichsapfel vom Sarg der Queen entfernt - sie werden anschließend in den Tower of London gebracht, wo sie erst zur Parlamentseröffnung und zur Krönung von König Charles III. wieder herausgenommen werden.

Lord Chamberlain, Baron Parker, brach symbolisch den Amtsstab und legt ihn auf den Sarg der Queen, mit dem sie begraben wird. Der Stab wurde historisch gesehen dazu benützt, Fehlverhalten der Angestellten zu sanktionieren. Der Sarg der Queen wurde in die königliche Gruft hinabgefahren. Damit wird er für die Öffentlichkeit nicht mehr sichtbar sein, da die St. George's Chapel in Schloss Windsor nicht öffentlich zugänglich ist. 

Die Hymne "God save the King" beendete den Gottesdienst für Queen Elizabeth II.

Privater Familiengottesdienst

Am Abend fand ein privater Familiengottesdienst statt, bei dem die Queen mit ihrem früheren Ehemann, Prinz Philip, Duke of Edinburgh, in der King George VI Gedächtniskirche, die sich in der St. George's Kapelle befindet, begraben wird. Auf einer Marmorplatte wird "ELIZABETH II 1926-2022" eingraviert.

Quelle: Redaktion / lam / poz