London nimmt Abschied: Teddys und Sandwiches für die "Mutter der Nation"

18. Sept. 2022 · Lesedauer 4 min

Die ganze Welt blickt aktuell auf die wohl berühmteste Warteschlange aller Zeiten mit ihrem Ende in der Westminster Hall – teils bis über 20 Stunden warteten und warten die Menschen, um am Sarg der Queen derselben noch einmal Respekt zollen zu können. Nicht weit entfernt davon spielen sich aber mindestens genauso emotionale Szenen ab: Im königlichen Green Park nahe des Buckingham Palace.

LONDON/ÖSTERREICH. Schon aus großer Ferne riecht man den Duft der mittlerweile vielen Millionen Blumen, die im spontan eigens dafür abgesperrten Bereich des Green Parks niedergelegt wurden. Schon Minuten, nachdem die BBC den Tod der Queen verlautbarte, kamen erste Trauernde mit Blumen zum Buckingham Palace und legten sie dort im sAndenken an Elizabeth II. hin - rasch erkannten die Behörden aber, welch Ausmaße die Trauer annehmen werde. Im nahegelegenen Green Park schuf man einen einen Platz, wohin, die bis zu diesem Zeitpunkt, gebrachten Blumen kamen, aber auch alle weiteren sollten ihren Weg hierher finden.

Sandwiches für die Queen

Doch nicht nur Blumen werden im Andenken an die Queen niedergelegt, auch persönliche Briefe und Gegenstände werden in großer Zahl hierher gebracht. Hunderte Mal zu sehen: Paddington Bär. Nach dem großen Bahnhof in London benannt, erlebte er vor wenigen Wochen einen weltweiten Boom. Anlässlich des 70-jährigen Thron-Jubiläums der Queen vor wenigen Wochen nahm diese ein Video auf, in das Paddington später hineingeschnitten wurde: Der Bär war zu Gast bei der Regentin und bot ihr ein Sandwich an. Elizabeth II. zog selbst eines aus ihrer Handtasche: „Für später“, grinste sie. Die Menge jubelte über die Aktion der Regentin.

Das Video hat die Menschen so bewegt, dass sie in Anspielung daran nun sogar Sandwiches in den Green Park bringen. In durchsichtige Plastikfolie verpackte Sandwiches mit der Aufschrift „Für später“, oft verbunden mit einem kleinen Paddington, rühren die Menschen hier nicht selten zu Tränen. Es ist ein emotionaler Abschied von einer Regentin, von der man das Ende hätte altersbedingt kommen sehen müssen, es aber irgendwie nicht wahrhaben wollte.

„Bitte bring´ mich zu meinem Ehemann“

Oft wendet sich „die Queen“ auf Grafiken und Bildern hier im Green Park auch direkt an den flauschigen Liebling: „Ich habe meine Pflichten erfüllt, Paddington. Bitte bring´ mich jetzt zu meinem Ehemann“, liest man unzählige Male. Neben dem Bären ist auch insbesondere der im vergangenen Jahr verstorbene Gemahl Elizabeths, Prinz Philip, allgegenwärtig: „Wieder vereint“, kann man auf hunderten Fotos und selbst gemachten Bildern lesen. Immer wieder finden sich auf diesen Motiven auch die von der Queen so geliebten Corgis, sie soll in ihrem langen Leben mehr als 40 von ihnen gehalten haben.

Es sind aber insbesondere die persönlichen Momente, die hier emotionalisieren: Eine vierköpfige Familie bringt einen kleinen Teddy mit Blumen und persönlichem Brief in den Park. Als der Paddington Bär neben Rosen und Tulpen gebettet wird, fängt das Kleinkind bitterlich zu weinen an. Die Mutter erklärt in einfachen Worten: „Aber der ist doch für unsere Queen“. Der Bub versteht, hört auf zu weinen und legt seine selbst gemalte Karte mit einem Portrait der Verstorbenen daneben hin.

„Du hast es uns ermöglicht, stolze Briten zu sein“

Überraschend viele Trauernde legen persönliche Fotos von ihnen und der Queen hin - mit teils herzerweichenden letzten Grüßen. Andere, die nicht die Ehre hatten, Elizabeth II. getroffen zu haben, legen trotzdem Fotos nieder: So auch eine traurig wirkende Britin, die eine Collage von ihrer offenkundig kurz zuvor verstorbenen Mutter und der Queen anfertigte. „Auf dass Ihr im Himmel einen Tee mit meiner geliebten Mutter trinken möget“, steht darauf zu lesen. „Danke, dass du es uns ermöglicht hast, stolze Briten zu sein“ - die Worte, ausgesprochen von einem sichtlich hochdekorierten britischen Ex-Soldaten über 80, gehen ans Herz.

„Goodbye England´s Rose“

Viele sprechen hier davon, dass die Welt solch kollektive Trauerbekundungen wohl nur bei Princess Diana jemals gesehen habe: „Doch so groß war das nicht einmal damals“, ist sich ein extra aus Coventry angereister Mann sicher. Auch wenn Vergleiche hier nicht angebracht sind: Jene Bezeichnungen, die damals für Lady Di Verwendung fanden, sind auch hier zu lesen. Elizabeth sei die wahre „Rose Englands“ gewesen, die „Mutter der Nation“, eine „Instanz des Friedens“ oder, wie manche Kinder schrieben, einfach nur die „geliebte Granny im Palast“.

Quelle: Redaktion / Lukas Moser