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Johnny Ertls EM-Tagebuch: Konstant ist bei den Deutschen nur die Inkonstanz

24. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

PULS 24 Experte Johnny Ertl analysiert täglich während der EURO 2020 exklusiv aktuelle Themen rund um die Europameisterschaft. Dieses Mal spricht der Ex-Nationalspieler über Cristiano Ronaldos Rekorde und die deutsche Inkonstanz.

Der gestrige Mittwoch sollte nichts für schwache Nerven werden. Sah man schon in den 18-Uhr-Entscheidungsspielen in der Gruppe E unglaubliche 10 Tore und eine über sich hinauswachsende schwedische Mannschaft, legte die Gruppe F um 21 Uhr mit 8 Toren nach. Noch nie in der Geschichte der Europameisterschaft konnten Fans an einem Spieltag 18 Tore bejubeln.

Cristiano Ronaldos Coca-Cola-Verräumung

Ein Eintrag mehr in die Geschichtsbücher ist auch Portugals Cristiano Ronaldo gelungen: 109 Treffer im Nationaltrikot schaffte nur ein Iraner namens Ali Daei. Dass Ronaldo bald alleiniger Rekordhalter wird, ist nur eine Frage der Zeit. Seine Aktie steigt nach wie vor, ist er der erste portugiesische Nationalteamspieler der in allen drei Vorrundenspielen trifft.

Aber vielmehr faszinierte mich die Tatsache, dass er vor der Pressekonferenz gegen Ungarn zwei Coca-Cola Flaschen vom Tisch wegräumte und stattdessen eine Wasserflasche hinstellte. Damit trug er ein großes Zeichen an Verantwortung in die Welt hinaus. Er, der Inbegriff für sportliche Höchstleistungen im Fußball und das konstant über zwei Jahrzehnte, setzte ein Zeichen für Selbstbewusstsein und Ernährung. Am Tag danach sackte die Coca-Cola Aktie um mehr als 2,5 Milliarden Dollar ein, ob ein direkter Zusammenhang besteht wird diskutiert. Für mich egal, die Vorbildrolle eines Spitzenathleten bleibt bestehen.

Der amtierende Europameister Portugal schaffte es, sich mit einem Unentschieden gegen den amtierenden Weltmeister sich für das Achtelfinale zu qualifizieren. Und da wartet schon das nächste Brett, nämlich Belgien!

Deutschland, der Inbegriff der Inkonstanz

Spitzenleistungen wurden von unseren deutschen Nachbarn gegen die Ungarn verlangt, lag die Erwartungshaltung nach einem fulminanten 4:2 Sieges-Comeback gegen Portugal hoch. Bis zur 80. Minute war dennoch Illuminationsverbot. Jogi Löw schrammte nach 15 Jahren als leitender Angestellter des DFB an einer Riesenblamage vorbei.

Er wählte die offensivere Variante mit Leroy Sané anstelle von Leon Goretzka, der den angeschlagenen Thomas Müller ersetzen sollte. Es war spielerische Schonkost. Den Deutschen fehlt es schlicht und weg an der Konstanz. Mit einem hohen prozentuellen Anteil an Ballbesitz verstand man es nicht die letzte Kette der Ungarn mit intelligenten Laufwegen und Seitenverlagerungen vor Probleme zu stellen. Zu dicht waren die beiden weißen Viererketten, man ließ den Deutschen keine Räume und versuchte über aggressiven Druck auf den Flügeln den einen oder anderen Konter fertig zu spielen.

Durch die Einwechslung von Leon Goretzka folgte das 2:2 und der Befreiungsschlag der Deutschen, die sich schlussendlich mit Hängen und Würgen als Zweiter in der Hammergruppe F für das Achtelfinale qualifizierten. Und da wartet schon das nächste Brett, nämlich England!

Spanier schießen sich Frust von der Seele

Eine weitere feine Achtelfinalpartie bekamen wir zwischen Spanien und Kroatien zu sehen. Die Spanier schossen sich gegen die Slowaken den Frust von zwei Vorrunden-Unentschieden vom Leib. Spaniens Trainer Luis Enrique brachte gleich drei Vollblutstürmer von Beginn an. Die Rückkehr von Kapitän Sergio Busquets war Balsam auf die spielerische Seele der Spanier, auch bei großen Teams sieht man welche tragende Rollen Führungspersonen auf dem Feld haben.

Heute ist mal Verschnaufpause und ich geh mit meinen Kindern schwimmen. Ab morgen steigt dann wieder das Vorbereitungsfieber, was wohl Franco Foda und das Team gegen Italien vorhat. Noch sind es mehr als 48 Stunden bis zum Showdown im englischen Mekka des Fußballs – Wembley.

Johnny ErtlQuelle: Redaktion