Boltz: Russisches Gas "relativ locker über bestehende Pipelines" ersetzbar

19. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Energieexperte Walter Boltz hält auf PULS 24 einen Gas-Stopp aus Russland in Österreich für machbar, Chancen wären aber verpasst worden. Hätte man schon im März reagiert, wäre ein Ersatz für den kommenden Winter schon jetzt möglich.

Österreichs Gasspeicher sind zu einem Viertel voll, für den kommenden Winter müssen diese weiter gefüllt werden. Eine schnellere Unabhängigkeit von russischem Gas in Österreichs sei deshalb nicht machbar, argumentiert Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei Pro und Contra auf PULS 24. Dem widerspricht der Energieexperte und langjährige Chef der Regulierungsbehörde E-Control Walter Boltz. Er ist der Ansicht, dass ein schnellerer Gas-Stopp notwendig und möglich ist, um den Krieg in der Ukraine möglichst rasch zu beenden.

Chance im März verpasst

Österreich hätte zwar keine eigenen Flüssiggasterminals, doch einige unserer Nachbarländer hätten hinreichend Kapazität. "Hätte man Mitte März zum Beispiel in Italien Entladezeiten an LNG-Terminals gebucht, dann hätten wir welche." Österreich habe den Vorteil, dass es ein kleiner Markt sei. Wir müssten nur sechs Milliarden Kubikmeter ersetzen, "das könnten wir relativ locker über bestehende Pipelines, die von Baumgarten nach Italien gehen. Die kann man in der Gegenrichtung betreiben." Auch in Nordeuropa gebe es einige Flüssiggasterminals. 

"Kurzfristig, wenn man etwas zügiger an die Sache herangegangen wäre im März, hätten wir sehr wohl einen guten Teil der russischen Lieferungen aus anderen Ländern substituieren können." Das würde zwar eine langfristige Energiewende nicht ersetzen, fügt Boltz an, aber es wäre eine Lösung für den kommenden Winter gewesen. 

Europäische Solidarität notwendig

Ähnlich beschrieb Anfang Mai im Newsroom LIVE auch schon Ökonom Rüdiger Bachmann von der University of Notre Dame (Indiana, USA) die Lage. Österreich sei "fiskalisch gesehen, ein relativ kleines Land". Man könnte in anderen Bereichen der EU Flüssiggasterminals bauen und Österreich so beliefern. Mit Hilfe der anderen EU-Länder sei ein Gas-Ausstieg auf für Österreich zu stemmen. "Sollte es zu einem Gas-Embargo kommen, "müsste die europäische Solidarität gelten". Fiskalische Hilfe aus Brüssel würde helfen Kurzarbeits-Geld zu bezahlen und betroffenen Firmen zu unterstützen.

Im "profil" argumentierte Boltz auch, dass ein Gas-Ausstieg von russischem Gas für Österreich zwar teuer kommen würde. Aber beim Gaspreis sei "ein großer Angstzuschlag" enthalten. De facto gebe es keine Gasknappheit in Europa. "Gäbe es den Ukraine-Krieg nicht, wären die Gaspreise wahrscheinlich bei 25 Euro pro Megawattstunde, jetzt sind sie bei 120 Euro."

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam