APA - Austria Presse Agentur

AstraZeneca kann nur Bruchteil der Impfdosen liefern

22. Jan 2021 · Lesedauer 3 min

AstraZeneca wird im ersten Quartal weniger Impfdosen an die EU liefern als geplant. Als Grund gibt AstraZeneca reduzierte Erträge der Impfsubstanz an einem Produktionsstandort an. Weniger Impfstoff soll laut ersten Informationen auch von den anderen beiden Herstellern geliefert werden.

Der schwedisch-britische Pharmakonzern AstraZeneca wird im ersten Quartal deutlich weniger Impfstoff an die EU liefern als zunächst vorgesehen. Laut dem "Kurier" soll Österreich anteilsmäßig nur 600.000 statt der im ersten Quartal versprochenen zwei Millionen Impfdosen erhalten.

Laut Informationen der "APA" wurden der Impfkoordinator des Bundes und auch jene der Länder am heutigen Freitag in einer Videokonferenz darüber informiert. In der Videokonferenz soll laut PULS 24-Informationen auch über Lieferverzögerungen bei anderen Anbietern - also neben AstraZeneca, auch Biontech/Pfizer und Moderna - gesprochen worden sein.

Ein Sprecher von AstraZeneca teilte in einem schriftlichen Statement gegenüber PULS 24 mit, dass "die anfänglichen Volumina aufgrund reduzierter Erträge der Impfsubstanz an einem Produktionsstandort innerhalb unserer europäischen Lieferkette geringer ausfallen als ursprünglich erwartet." Im Februar und März werde das Unternehmen "mehrere zehn Millionen Dosen in die Europäische Union liefern, während wir die Produktionsmengen weiter hochfahren." Der Lieferbeginn erfolge - sollten der Impfstoff die Zulassung in Europa erhalten - ohne Verzögerung.

Damit dürfte der Impfplan der Regierung wackeln. Mit den derzeitigen Liefervereinbarungen inklusive der Zulassung des Impfstoffes von AstraZeneca hätten alle über 65-Jährigen bis Ende März geimpft werden können.

Anschober: Lieferverringerung "inakzeptabel"

In einer Aussendung  sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), dass eine Lieferungsverringerung "völlig inakzeptabel" wäre. "Zugesagte Liefermengen müssen eingehalten werden. Gleichzeitig zeigt diese mögliche Entwicklung, wie wichtig es war, dass Österreich in den vergangenen Wochen große zusätzliche Mengen an Impfstoff von BioNtech/Pfizer im Rahmen des EU-Beschaffungsprogrammes eingekauft hat“, sagt Anschober.

EMA prüft in einem "beschleunigten Zeitplan"

Den Antrag auf Zulassung hat die britisch-schwedische Firma am Dienstag vor einer Woche gestellt, seitdem prüft die EMA diese. Es ist bekannt, dass nur 12 Prozent der Studienteilnehmer über 55 Jahre alt waren und erst später in die Studie von AstraZeneca aufgenommen wurden. Das wirft bei den Experten die Frage auf, wie gut der Impfstoff ältere Menschen schützt. Für EMA-Experten reicht das Datenmaterial nicht.

Ebenfalls vor einer Woche hieß es in einem Statement der EMA, dass sie die Prüfung in einem "beschleunigten Zeitplan" durchführen wird und eine Entscheidung bis zum 29. Jänner erfolgen könne. "Vorausgesetzt, dass die eingereichten Daten bezüglich Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit hinreichend belastbar und vollständig sind." Zusätzlich müssen weitere "Informationen, die zur Vervollständigung der Bewertung erforderlich sind, zeitnah eingereicht werden", schreibt die EMA.

Kärnten fordert zugesagte Mengen ein

Als erstes Bundesland hat Kärnten auf die Meldung von möglichen Verzögerungen bei der Impfstofflieferung reagiert. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser und Gesundheitsreferentin  LHStv.in Beate Prettner fordern in einer Aussendung sowohl die EU als auch die Hersteller auf,  sich an die Abmachungen zu halten. 

„Wir haben unsere Hausaufgaben erledigt – in Kärnten sind wir bestens   vorbereitet und warten jetzt nur noch auf die Lieferung größerer Impfstoffmengen", sagte Kaiser.

NEOS: Regierung will von eigenem Versagen ablenken

Alarmiert reagierte auch NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker auf diese Medienberichte. "Hier zeigen sich die fatalen Fehler des türkis-grünen Impfplans deutlich. Die Bundesregierung hat sich zu sehr darauf verlassen, dass der AstraZeneca-Impfstoff früh zugelassen wird und mit einer früheren Lieferung gerechnet." Dass Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) jetzt die Schuld auf die Europäischen Behörden schieben, bezeichnete Loacker als "absurd". Er sieht darin "verzweifelte Versuche, vom eigenen Versagen abzulenken." 

 

Der Artikel wird laufend aktualisiert.

Quelle: Agenturen / Redaktion / hos / apb