Angola: Oppositionskandidat erkennt Wahlergebnis nicht an

27. Aug. 2022 · Lesedauer 2 min

Nach der Wahl in Angola will der Oppositionskandidat Adalberto Costa Júnior das vorläufige Wahlergebnis anfechten. Seine Partei Unita erkenne das von der Wahlkommission veröffentliche Teilergebnis nicht an, so der Chef und Spitzenkandidat der größten Oppositionspartei am Freitag vor Journalisten in Luanda. Die Partei MPLA des amtierenden Präsidenten João Lourenço "hat die Wahl nicht gewonnen", sagte Costa Júnior und forderte die Einrichtung einer Überprüfungskommission.

Laut den von der angolanischen Wahlkommission zuletzt am Donnerstagabend veröffentlichten Teilergebnissen kam Lourenços Partei MPLA nach Auszählung von mehr als 97 Prozent der Stimmen auf einen Stimmenanteil von 51,07 Prozent. Die von Costa Júnior angeführte Unita kam demnach auf 44,05 Prozent.

In dem südwestafrikanischen Land stellt die bei der Parlamentswahl siegreiche Partei automatisch auch den Staatschef. Die MPLA regiert das Land bereits seit fast 50 Jahren. Allerdings verlief noch keine Wahl in Angola so eng wie diese. Die Unita gewann im Vergleich zur vorherigen Wahl 2017 deutlich hinzu. Damals war sie auf 26,7 Prozent gekommen. Bei früheren Wahlen waren die Ergebnisse oft lange umstritten gewesen.

Die Unita und Teile der Bevölkerung hatten bei dem Urnengang am Mittwoch angesichts der umfassenden Kontrolle der MPLA über den Wahlprozess und die Medien Wahlbetrug befürchtet. Wahlbeobachter der Afrikanischen Union (AU) und der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika (SADC) äußerten am Freitag ihre "Besorgnis", insbesondere mit Blick auf die Wahllisten.

Die ehemalige portugiesische Kolonie Angola war nach der Unabhängigkeit 1975 zu einem Schlachtfeld im Kalten Krieg geworden. Die von der Sowjetunion und Kuba unterstützte Unabhängigkeitsbewegung MPLA wurde zur Regierungspartei und kämpfte gegen die von den USA und dem Apartheid-Regime in Südafrika unterstützte Unita. Mindestens eine halbe Million Menschen starben in dem Bürgerkrieg, der erst mit dem Tod von Unita-Führer Jonas Savimbi im Jahr 2002 endete.

Ein großer Teil der rund 33 Millionen Einwohner des an Erdöl- und Diamantenvorkommen reichen Landes, davon etwa ein Drittel im Alter zwischen zehn und 24 Jahren, lebt auch heute noch unterhalb der Armutsgrenze.

Quelle: Agenturen