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Vor 30 Jahren besuchte Vranitzky als erster Kanzler Israel

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Vor 30 Jahren besuchte Altbundeskanzler Franz Vranitzky als erster österreichischer Bundeskanzler Israel. Israels Botschafter Mordechai Rodgold sagte gegenüber der APA, der Besuch, der am 8. Juni 1993 begann, sei "nicht nur ein bedeutender Meilenstein für die Beziehungen zwischen Österreich und Israel". Die Visite "markierte auch das Ende jenes Tiefpunkts in diesen Beziehungen, der mit der Wahl von Dr. Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten begonnen hatte".

Vranitzky hatte bei einer Rede im österreichischen Parlament im Jahr 1991 erstmals die Mitschuld Österreichs an der Shoah öffentlich eingeräumt. "Wir bekennen uns zu allen Daten unserer Geschichte und zu den Taten aller Teile unseres Volkes, zu den guten wie zu den bösen; und so wie wir die guten für uns in Anspruch nehmen, haben wir uns für die bösen zu entschuldigen - bei den Überlebenden und bei den Nachkommen der Toten", hatte Vranitzky damals erklärt.

Für diese Worte erhielt er am 9. Juni 1993 die Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität in Jerusalem. In seiner Rede bei der Entgegennahme der Ehrendoktorwürde in Israel erklärte Vranitzky, dass sich Österreich "der Katastrophe, die die Nazidiktatur über mein Land gebracht hat, ganz klar stellen" müsse. Österreich dürfe nicht Kollektivschuld auferlegt werden, "aber wir anerkennen kollektive Verantwortung, Verantwortung für jeden von uns, sich zu erinnern und nach Gerechtigkeit zu suchen".

Voraussetzung für den Besuch war das Ende der Amtszeit von Waldheim. Bereits im Wahlkampf war die Wehrstammkarte des am 8. Juni 1986 gewählten Bundespräsidenten aufgetaucht. Eine Diskussion über seinen Wehrmachtseinsatz auf dem Balkan während des Zweiten Weltkrieges folgte. Der ÖVP-Kandidat für die Hofburg rechtfertigte sich mit der Aussage: "Ich habe nur meine Pflicht getan." Israel stufte die diplomatischen Beziehungen 1986 herab, die Botschaft wurde von einem Geschäftsträger geleitet. Ab 1990 gab es auch keinen österreichischen Botschafter in Israel.

1990 bedauerte Waldheim im Interview mit der israelischen Tageszeitung "Haaretz", Israel und seine Bewohner in Bezug auf seine Wehrdienstzeit im Zweiten Weltkrieg "irregeführt" zu haben. Er gab zu, mit der Auslassung von Dienstleistungen in der Wehrmacht in seiner Biographie "Fehler begangen" zu haben, betonte jedoch, dass es sich dabei "um Auslassungen und nicht um Lügen gehandelt" habe. Waldheim betonte immer wieder, keine Befehlsgewalt in der Wehrmacht gehabt und lediglich Berichte registriert zu haben. Über Vorfälle in NS-Zwangslagern und Deportationen von Juden habe er nicht gewusst.

Doch erst nach der Wahl von Thomas Klestil zum Bundespräsidenten war Israel bereit, die Beziehungen zu Österreich wieder zu normalisieren. Mitte Juli 1992 übernahm wieder ein Botschafter die diplomatische Vertretung in Wien.

"Es gab danach noch einige schwierige Zeiten in den Beziehungen, aber heute sind sie so gut und freundschaftlich wie nie zuvor", betonte Botschafter Rodgold in einer Stellungnahme nun. Dies zeige sich auch an den hochrangigen Besuchen von Politikern in dem jeweils anderen Land, verwies er etwa auf den jüngsten Besuch des israelischen Außenministers Eli Cohen in der Vorwoche in Wien.

"Die israelisch-österreichische strategische Partnerschaft, die unter Bundeskanzler Sebastian Kurz vorbereitet und beim Besuch von Bundeskanzler Karl Nehammer in Jerusalem im Juli 2022 unterzeichnet wurde, sowie die Zusammenarbeit in Wissenschaft, Wirtschaft, beim Jugendaustausch und vielen anderen Bereichen wird beide Länder noch näher zusammen bringen", erklärte Rodgold weiter. Sie werde zum Wohle aller Österreicher und Österreicherinnen sowie der Israelis und Israelinnen beitragen, so der Botschafter.

Im September 2019 beschloss der Nationalrat, dass Verfolgte des Nationalsozialismus und ihre direkten Nachkommen die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten können. Dies ist seit September 2020 möglich. Bisher haben 16.700 NS-Opfer und ihre Nachfahren die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten. 33.000 Anträge seien bisher gestellt, teilte das Bundeskanzleramt der APA mit.

ribbon Zusammenfassung
  • Israels Botschafter Mordechai Rodgold sagte gegenüber der APA, der Besuch, der am 8. Juni 1993 begann, sei "nicht nur ein bedeutender Meilenstein für die Beziehungen zwischen Österreich und Israel".
  • Die Visite "markierte auch das Ende jenes Tiefpunkts in diesen Beziehungen, der mit der Wahl von Dr. Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten begonnen hatte".