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Van der Bellen über zweite Kandidatur: "Die Grünen werden uns schon unterstützen"

23. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Alexander Van der Bellen stellt sich erneut der Wahl zum Bundespräsidenten. Es sei sinnvoll, er habe Erfahrung, Ruhe und Unabhängigkeit, sagt er. Die Grünen werden ihn unterstützen, er hofft aber auch auf andere.

"Ja, ich bewerbe mich erneut", sagte Van der Bellen bei seiner Pressekonferenz am Montag und bat erneut um Unterstützung. Er möchte "Österreich von ganzem Herzen dienen" und habe lange nachgedacht, ob ihn das Amt noch brauche. Er sei zu dem Schluss gekommen: Es sei sinnvoll. 

Liberale Demokratie beschützen

Denn er sei "alt genug", wie er selbst sagte. Und mit dem Alter komme Erfahrung, Ruhe und Unabhängigkeit, was Österreich nun brauche. Der Krieg in der Ukraine, die Klimakrise, die Folgen von Ibiza und die Corona-Pandemie würden das Land vor Herausforderungen stellen. Er mahnte: "Hüten Sie sich vor allen Menschen, die einfache Rezepte haben". Man werde Mut brauchen, um die liberale Demokratie vor Nationalisten und Putin-Freunden zu beschützen.

Bundespräsident tritt erneut zur Wahl an

Bezüglich Finanzierung des Wahlkampfs seien noch viele Fragen offen, betonte der amtierende Präsident. Es werde einen "unabhängigen Verein" geben, er wird "Gemeinsam für Van der Bellen" heißen. Er hoffe auf Spenden und sagte: "Die Grünen werden uns schon unterstützen". Man hoffe aber auch auf andere, "die an meiner Kandidatur interessiert sind".

Präsidentenwahlkampf ist kostspielig

Auf Nachfrage zeigte sich Van der Bellen auch bereit, mit anderen Kandidaten zu diskutieren - etwa in TV-Duellen. Es komme aber auf die Form an, sagte er und die Zeit müsse es zulassen. "Diskutieren tue ich ja gerne". 

Seinen Wahlkampf möchte er sparsam anlegen. Auf Plakate zu verzichten sei in Österreich aber "unüblich". Wahrscheinlich werde die Wahl im Oktober stattfinden - der intensive Wahlkampf demnach im September beginnen.

Teurer Wahlkampf

Schon 2016 hat Van der Bellen einen großen Teil seines Wahlbudgets aus Spenden lukriert - darunter neben vielen kleineren auch Großspender wie der Bauindustrielle Hans Peter Haselsteiner. Der Großteil der Mittel kam aber von den Grünen, die ihren früheren Parteichef mit 4,8 Millionen Euro unterstützten. FPÖ-Konkurrent Norbert Hofer finanzierte seinen Wahlkampf gänzlich aus der Parteikassa.

Kaltenbrunner: Van der Bellens Kandidatur erwartbar

Wen auch immer die FPÖ gegen Van der Bellen ins Rennen schicken wird: für beide Kandidaten wird der Wahlkampf heuer wohl deutlich günstiger werden als die Wahlschlacht des Jahres 2016. Diese zog sich - inklusive der aufgehobenen Stichwahl und der Wahlwiederholung - fast über ein ganzes Jahr. Entsprechend hoch waren die Kosten mit 8 Millionen Euro für Hofer und 7,9 Millionen für den schließlich siegreichen Kandidaten Van der Bellen.

Während beide Kandidaten ähnlich viel Geld investierten, gab es bei der Finanzierung der beiden Wahlkämpfe deutliche Unterschiede. Hofer gab in seinen Finanzberichten für das Wahljahr an, dass sämtliche Kosten durch die Partei gedeckt wurden. Demnach steuerte die Bundespartei 6,3 Millionen Euro bei, die Landesparteien weitere 1,7 Millionen Euro.

Großspender für Van der Bellen

Van der Bellen erhielt dagegen nur 4,8 Millionen Euro von den Grünen sowie knapp 40.000 Euro von der SPÖ, deren Kandidat Rudolf Hundstorfer im ersten Wahlgang ausgeschieden war. Den Rest finanzierten Spendeneinnahmen von insgesamt knapp über drei Millionen Euro. Ein guter Teil der Spenden kam zwar von Großspendern wie dem Industriellen Hans Peter Haselsteiner und dem Unternehmen SLE Schuh, die jeweils 150.000 Euro beisteuerten. Knapp 1,9 Millionen Euro lukrierte Van der Bellen aber auch durch über 20.000 kleineren Spenden bis 2.500 Euro, wie aus den im Internet veröffentlichten Spendenlisten hervorgeht.

Quelle: Redaktion / koa