APA - Austria Presse Agentur

Sensibles Kinoporträt über Rolling-Stones-Musiker Ron Wood

03. Juli 2020 · Lesedauer 3 min

Zum Auftakt keine lauten Gitarrenriffs, keine Konzertbilder, sondern intime Pianoklänge und Impressionen eines konzentriert zeichnenden älteren Mannes. Mike Figgis weiß schon mit dem Einstieg seiner Dokumentation "Ronnie Wood: Somebody Up There Likes Me" über den Rolling-Stones-Musiker zu überraschen. Darin porträtiert er den heute 73-jährigen Wood klischeefrei und sensibel. Ab Donnerstag im Kino.

Der Bub aus ärmlichsten Verhältnissen nahe London, der begnadete, begehrte Blues-Gitarrist, der bescheidene, oft im Streit vermittelnde Band-Musiker, der Ehemann und Vater, der Ex-Junkie: Regisseur Figgis (72), dessen größter Kinoerfolg "Leaving Las Vegas" (1995) die Alkoholsucht der von Nicolas Cage gespielten Hauptfigur mit schmerzlicher Intensität als Höllenfahrt schilderte, hat diesmal ein Happy End zu bieten. "Somebody Up There Likes Me", sagt der jetzt drogenfreie, nüchterne Wood und zeigt zum Himmel: Irgendjemand da oben mag mich wohl. Denn auch dem Krebs entkam der Musiker.

Nach diesem dankbaren Motto eines Davongekommenen ist die Figgis-Produktion auch benannt, die auf dem BFI London Film Festival 2019 Weltpremiere feierte. "Er wirkte auf mich wie jemand, der sich dem Leben mit einem Lächeln stellte, egal wie finster es sein mag", sagt der britische Regisseur über den zweiten Stones-Gitarristen neben Keith Richards.

Diese von Sympathie getragene Einschätzung wird in den mit Interviews und toller Musik gespickten 72 Filmminuten von den Bandkollegen Richards, Mick Jagger und Charlie Watts bestätigt: Ron Wood, das ist ein freundlicher, kreativer, wohl auch oft allzu sorgloser Mensch.

"In meinem Kopf bin ich nie älter als 29 geworden. 70 zu sein, das ist, als wäre ich in einem Bild von Dali - sehr surreal", sagt der zunächst bei der Jeff Beck Group und The Faces erfolgreiche Musiker. Woods Faible fürs Zeichnen und die Malerei zelebriert Figgis' Film genüsslich. Der britische Kunst-Provokateur Damien Hirst sagt über den Stones-Gitarristen: "Er malt besser als ich." Auch Blues-Sängerin Imelda May und der langjährige Kumpan Rod Stewart mögen den ewigen Pilzkopf sehr, wie sie in Interviews deutlich machen.

Das letzte Drittel dieses sehenswerten Porträts (Figgis: "Was ich auf gar keinen Fall wollte, war eine chronologische Biografie") behandelt die Sucht-Karriere des Musikers und seine Rettung. "Ich bevorzuge den echten Menschen - er ist nüchtern einfach besser", sagt Woods junge Ehefrau Sally, mit der er im fortgeschrittenen Alter noch zwei kleine Kinder aufzieht, in einer berührenden Szene. Er selbst gibt zu, dass ihm nur ein völliger Verzicht auf Alkohol habe helfen können, denn: "Ich kann es nicht bei einem (Drink) belassen."

Quelle: Agenturen