Virales Video: Kein "Heldentod" - Ukrainische Soldaten auf Insel ergaben sich

01. März 2022 · Lesedauer 3 min

Vor Tagen ging ein Video aus der Ukraine viral. Ukrainische Soldaten antworteten einem russischen Kriegsschiff, es solle "sich f*****". Laut ukrainischer Regierung leisteten die Soldaten bis zuletzt Widerstand und wurden dabei allesamt getötet. Das stellte sich nun als falsch heraus.

Zu Beginn des Ukraine-Kriegs ging ein Video vom angeblichen Funkverkehr zwischen einem russischen Kriegsschiff und der ukrainischen Besatzung der songenannten "Schlangeninsel" im Schwarzen Meer viral. Darin werden die laut verschiedenen Angaben 13 ukrainischen Grenzsoldatenauf der kleinen Insel aufgerufen, sich zu ergeben. Diese antworteten offenbar: "Russisches Kriegsschiff, f*** dich!"

Ein ukrainischer Regierungsvertreter hatte den Audiomitschnitt veröffentlicht, die ukrainische "Pravda" verbreitete den Clip anschließend auf sozialen Medien.

Laut der ukrainischen Regierung leisteten die 13 ukrainischen Soldaten "bis zum letzten Mann" Widerstand und wurden allesamt durch russischen Beschuss getötet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj selbst verkündete den "Heldentod" der Soldaten und verlieh ihnen posthum den Orden als "Held der Ukraine", die höchste Ehre der Ukraine.

Kapitulation statt Heldentod

Russland dementierte dies und teilte mit, dass die gesamte Besatzung der Insel sich ergeben habe und wohlauf sei. Am Montag gab die ukrainische Marine in einem Facebook-Posting bekannt, dass alle Grenzsoldaten auf der Insel tatsächlich am Leben und in russischer Gefangenschaft seien. Das russische Militär hatte zuvor mehrere Videos der Soldaten gezeigt. Darin hatte sich einer der Gefangenen zynisch darüber geäußert, dass die ukrainische Regierung ihn und seine Kameraden bildlich gesprochen "noch lebend begraben" habe.

Die ukrainische Seite behauptete allerdings, die Soldaten hätten sich sehr wohl gewehrt, den Widerstand aber aus Mangel an Material aufgeben müssen. Zudem habe das russische Militär die gesamte Infrastruktur der Insel zerstört.

Propaganda-Krieg im Netz

Seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine tobt parallel dazu ein Propagandakrieg in sozialen Netzwerken und Medien. Beide Seiten verbreiten darin Falschbehauptungen und Manipulationen. Besonders spektakuläre Berichte, Videos oder Bilder seien stets mit größter Skepsis zu betrachten, warnte etwa Fakenews-Expertin Ingrid Brodnig im PULS 24 Interview.

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Ein weiteres Beispiel von Kriegspropaganda war inden vergangenen Tagen ein Video, das vermeintlich russische Kriegsverbrechen zeigen sollte. Darin war zu sehen wie ein Panzerfahrzeug mit einem zivilen Auto in Kiew zusammenstößt. Hundertfach wurde in sozialen Netzwerken behauptet, dass ein russischer Panzer absichtlich das Auto überfahren und die Insassen getötet habe.

Tatsächlich handelte es sich um einen Verkehrsunfall zwischen einem ukrainischen Luftabwehrfahrzeug und einem Auto in Kiew. Der Insasse des Autos konnte verletzt aber lebend geborgen werden.

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Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos