APA - Austria Presse Agentur

Zwölf Jahre Haft für Mordversuch an Schwester im Burgenland

07. Apr 2021 · Lesedauer 4 min

Ein 56-jähriger Burgenländer ist am Mittwoch am Landesgericht Eisenstadt wegen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Haft verurteilt und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden. Der Mann soll im vergangenen Herbst in Halbturn (Bezirk Neusiedl am See) mit dem Stiel eines Vorschlaghammers auf seine Schwester eingeschlagen haben, die dabei unter anderem am Kopf verletzt wurde. Der Angeklagte bekannte sich zum Tötungsvorsatz nicht schuldig.

Das Geschworenengericht sprach den Mann mit sechs zu zwei Stimmen schuldig. Als mildernd wurden unter anderem sein bisher ordentlicher Lebenswandel und seine herabgesetzte Steuerungsfähigkeit aufgrund einer Persönlichkeitsstörung gewertet, erläuterte Richterin Karin Lückl. Erschwerend sei aber "die Tatbegehung gegenüber der eigenen Schwester". Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Angeklagte, er ist nach einem Schlaganfall leicht beeinträchtigt, hatte mit seinen beiden Schwestern laut Anklage schon lange ein schwieriges Verhältnis. Als er beobachtete, dass die Frauen am Nationalfeiertag des Vorjahres (26. Oktober) ein vom Onkel an sie beide geschenktes Haus entrümpelten, sei er in Rage geraten. Der Mann fuhr zu dem Haus, schlug dort mit dem 80 cm langen Stiel eines Vorschlaghammers auf das Opfer ein und soll dabei "Ich erschlage Dich, ich hau so lange hin, bis Du hin bist" gerufen haben.

Der Angriff auf der Straße wurde von mehreren Zeugen beobachtet, die der Frau zur Hilfe eilten. Die Verteidigung zeichnete das Bild eines Sonderlings, der früher von seinem Vater unterdrückt worden sei. Der Angeklagte habe bei den Schlägen keine Tötungsabsicht gehabt, so der Verteidiger. Jene auf den Kopf seien dem Mann "passiert" und außerdem: Wollte er jemanden töten, hätte er anstelle des Holzstocks ein Messer mitgenommen.

Der 56-Jährige bekannte sich vor Gericht nicht schuldig zur Tötungsabsicht. Am Tag der Tat befand sich der Onkel im Krankenhaus, er sei ein Messie gewesen, erklärte der Angeklagte. Als er sah, dass jemand das Haus ausräumte, ging er nachschauen und entdeckte die Schwester. Sie habe ihn ausgelacht und daraufhin habe er die Tatwaffe genommen und sie damit auf ihr Gesäß, Rücken und Hände geschlagen – als "Abreibung", wie er sagte. Den Stock habe er in dem Haus gefunden, auf den Kopf habe er sie nicht geschlagen, meinte der Beschuldigte.

Die Frau habe die Mutter schlecht behandelt und ihn nur ausgenutzt. Das Opfer hingegen erklärte laut Anklage, der Bruder habe sie vor dem Haus überrascht. Auch soll er den Stock bereits zum späteren Tatort mitgenommen haben.

Die 59-Jährige gab an, dass sie sich bei der Tonne vor dem Haus befand und ihren Bruder nicht kommen sah. Dieser sei nicht im Haus gewesen. Sie flüchtete nach dem ersten Schlag, fiel dabei auf den Boden und versuchte, sich zu schützen, als er weiter auf sie einschlug: "Ich hab geglaubt, ich stirb, das Blut ist geronnen. Ich habe mir gedacht, ich muss auf die Straße, sonst hilft mir keiner." Dreimal habe ihr Bruder ihr auf den Kopf geschlagen. "Ich hatte Angst, dass ich den vierten Schlag nicht überlebe", sagte die 59-Jährige.

Laut ihren Angaben habe sich ihr Bruder in der Familie immer benachteiligt gefühlt und sie als "Erbschleicher" bezeichnet. Er sei aggressiv gewesen. "Er war als Kind schon so und hat immer auf uns hingehaut", erzählte die Frau. Noch heute leide sie körperlich und psychisch unter dem Angriff.

Ein Zeuge, der zufällig mit dem Auto am Tatort vorbeigefahren und der Frau zu Hilfe geeilt war, berichtete von vielen, "sehr starken" Schlägen. Auf die Frage, ob er um das Leben der Frau gefürchtet habe, sagte er: "Absolut." Der Angeklagte habe erst aufgehört, auf die 59-Jährige einzuschlagen, als er dazwischen ging, den Stock, der dem 56-Jährigen hinuntergefallen war, mit dem Fuß wegkickte und den Mann zu Boden warf. Auch ein zweiter Zeuge, der half, den Angeklagten am Boden zu fixieren, sprach von sehr wuchtigen Schlägen.

Ein psychiatrischer Gutachter stellte bei dem 56-Jährigen eine Persönlichkeitsstörung fest, die vor allem durch emotionale Instabilität und paranoide Ideen geprägt sei. Zum Tatzeitpunkt sei der Mann nicht völlig unzurechnungsfähig gewesen. "Er war immer in der Lage, zu erkennen, dass etwas unrecht ist. Er hätte auch anders entscheiden können", betonte der Sachverständige. Es bestehe aber durchaus die Gefahr, dass der Angeklagte wieder etwas Ähnliches mache, weshalb die Voraussetzungen für eine Einweisung erfüllt seien.

Quelle: Agenturen