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Wiener Pride Month beginnt: Die wichtigsten Infos

31. Mai 2022 · Lesedauer 5 min

Juni ist Pride Month. Der Höhepunkt ist in Wien auch heuer wieder die Regenbogenparade um den Ring. Sie findet am 11. Juni statt. Es gibt aber zahlreiche weitere Veranstaltungen - die wichtigsten Infos auf einen Blick.

Um die 200.000 Besucher:innen werden am 11. Juni 2022 am Wiener Ring erwartet. Ergänzend findet ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Führungen im Kunsthistorischen Museum und in der Albertina, einem Special Screening im Filmmuseum, Beach Days oder auch medizinischen Vorträgen statt. Seit Beginn der Pandemie läuft die Regenbogenparade heuer erstmals wieder in vollem Umfang, auch wenn einige Events noch virtuell abgehalten werden.

Erstmals ist diesmal auch der Klimaschutz explizit Thema bei der Regenbogenparade: In Kooperation mit "Fridays For Future" gibt es am Tag des "Pride Run" eine gemeinsame Demo. Einzig das Pride Village, die LGBTIQ-Zeltstadt auf dem Rathausplatz, legt 2022 noch eine Corona-Pause ein. 

Zum Abbau von Diskriminierung muss laut Ann-Sophie Otte, der Obfrau der Homosexuellen Initiative Wien (HOSI), noch einiges getan werden.

Solidarität mit der Ukraine

Die Regenbogenparade selbst soll im Zeichen des Ukraine-Kriegs stehen: "Die Vienna Pride stellt sich kompromisslos an die Seite der Ukrainer:innen", betonte Organisatorin Katharina Kacerovsky-Strobl.  In der Ukraine gehe es um Menschenleben, um Europas Werte und unser aller Zukunft. 2022 sei das Motto klar: "Pride against hate – make love, not war!" Die größte Demonstration Österreichs stehe für alles, was Russlands Machthaber Wladimir Putin hasse: Vielfalt, Respekt und Menschenrechte, betonte Ann-Sophie Otte. 

Die Rückkehr nach der Corona-Pause sei für die LGBTIQ-Bewegung wichtig. "Die letzten beiden Jahre waren schwer." Man könne bereits Rückschritte bezüglich Übergriffen und Hass im Netz beobachten", erklärte Veranstalterin Kacerovsky-Strobl. 

Noch viel zu tun

Die NEOS nahmen den Start des Pride Months zum Anlass, um auf einige noch bestehende Missstände aufmerksam zu machen. Es sei "eine Schande", dass viele Errungenschaften nur durch Höchstgerichte durchgesetzt werden konnten - etwa das Ende des Verbots von gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten vor 51 Jahren, die letzte verfassungswidrige Strafnorm im Jahr 2002, das Adoptionsrecht 2014 und die gleichgeschlechtliche Ehe 2019, zählte der NEOS -Abgeordnete Nikolaus Scherak am Dienstag in einer Pressekonferenz auf. Der jüngste Erfolg sei die Aufhebung des diskriminierenden Blutspendeverbots. 

Rechtlich fordern die NEOS zudem ein Verbot von sogenannten Konversionstherapien, die in Österreich immer noch erlaubt sind und vor allem im klerikalen Bereich durchgeführt werden, wie der Abgeordnete Yannick Shetty kritisierte. Aber auch auf gesellschaftlicher Ebene sei noch viel zu tun. Viele Schüler würden in der Schule nie über LGBTIQ-Angelegenheiten hören, viele machen nach wie vor Diskriminierungserfahrungen - in der Schule, in der Familie und in der Arbeit. Shetty fordert auch Maßnahmen bei Polizei und Bundesheer.

Der Politiker erinnerte an den Fall eines Geflohenen, dem von der Asylbehörde ein "zu wenig schwuler Gang" attestiert wurde. Es brauche endlich bessere Qualitätssicherung, denn "Österreich soll ein sicherer Hafen für LGBTIG-Geflüchtete werden", sagte Shetty. Im Auge behalten solle man außerdem bedenkliche Entwicklungen in Ungarn und Polen.

Veranstaltungen im Pride Month:

  • 01.-10.06.2022 Gratistestungen bei der AIDS Hilfe Wien
  • 01.-12-06.2022 Pride-Führungen im mumok, in der Albertina und in der Albertina modern
  • 01.-30.06.2022 "Vienna Pride Special"-Führungen in den Museen der Vielfalt
  • 05.06.2022 "Vienna Pool Day" im Schönbrunner Bad
  • 05.06.2022 Klub Q-Wir: "Show Your Pride" in der Roten Bar im Volkstheater
  • 06.06.2022 "Vienna Pride Beach Day" im Vienna City Beach Club
  • 07.06.2022 "Dragqueen Bingo" im Student Hotel
  • 07.06.2022 "Pride Special" im 25hours Hotel
  • 08.06.2022 "Cinema Night" im Kino am Dach
  • 08.06.2022 "Vienna Pride DJ Night" in der Albertina Passage
  • 09.06.2022 Dramarama im mumok
  • 09.06.2022 Queering-Führung im Volkskundemuseum
  • 10.06.2022 - "Pride Run Vienna" auf der Prater Hauptallee
  • 11.06.2022 - Regenbogenparade, Abschlusskundgebung um 17.30 Uhr am Rathausplatz
  • 11-06.2022 Afterpartys: Pratersauna, Grelle Forelle, Camera Club und PRST Club

Mehr Veranstaltungen finden Sie hier.

Wie alles begann

Begonnen hat alles im Juni 1969 mit einer Razzia in der Schwulenbar "Stonewall Inn" in der Christopher Street in New York City. Homosexualität war damals in den USA verboten. Doch die Homosexuellen, Drag Queens und Transpersonen, die sich in der Nacht von 27. auf 28. Juni in der Bar aufhielten, ließen sich die Diskriminierung nicht mehr gefallen. Die Razzia endete in einem Aufstand. 

Seither finden im Juni jährlich Demonstrationen, Proteste und Kundgebungen der LGBTIQ-Bewegung (die Bewegung der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, intergeschlechtlichen und queeren Personen) statt, um auf Diskriminierung und Missstände aufmerksam zu machen und um das eigene Selbstwertgefühl zu feiern. Heute gibt es die Paraden, die mancherorts als Christopher Street Day, Regenbogenparaden oder als Pride-Märsche bekannt sind, weltweit. Die größten finden etwa in Madrid, London, Berlin, Köln, Paris, Wien, Amsterdam, Toronto, San Francisco, New York, Sao Paulo und in Tel Aviv statt.

Die erste Regenbogenparade in Wien gab es 1996, seit 2007 fungiert die Vienna Pride als Klammer für alle Veranstaltungen, die rund um die Parade durchgeführt werden. Seit 2012 wird fast jedes Jahr auch ein mehrtägiges Pride Village, meist auf dem Rathausplatz, organisiert. 

Konstantin AuerQuelle: Redaktion / koa