APA - Austria Presse Agentur

Welterschöpfungstag: Österreich konsumiert jährlich den Ertrag von 3,5 Erden

28. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Mit Donnerstag ist die Menge natürlicher Ressourcen verbraucht, die Planet im gesamten Jahr regenerieren kann. Die Weltbevölkerung verbraucht im Schnitt Ressourcen von 1,4 Erden.

Nach dem Corona-bedingten leichten Rückgang im Vorjahr ist der Welterschöpfungstag (Earth Overshoot Day) wieder auf das Niveau von 2019 gerückt. "Statt eines grünen Neustarts nach der Krise ist nun wieder grenzenlose Ausbeutung an der Tagesordnung", warnt Michael Schwingshackl von der Plattform Footprint gemeinsam mit dem WWF Österreich und Global 2000.

Der Erdüberlastungstag gibt an, ab wann die Menschheit durch alle ihre ökonomischen Aktivitäten mehr Ressourcen in Anspruch nimmt, als die ökologischen Kreisläufe binnen eines Jahres auf natürliche Weise erneuern. Dabei berechnen Experten in einem komplizierten Verfahren, wann der durchschnittliche theoretische Flächenbedarf der Menschheit etwa für Urbanisierung, Nahrungsmittelanbau und industrielle Produktion die Pufferkapazitäten der Erde übersteigt.

WWF fordert Naturschutzpakt

Der WWF Österreich forderte einen weltweiten Naturschutzpakt und eine massive Reduktion der Verschwendung von Energie und Ressourcen. "In Österreich wurden jeden Tag durchschnittlich 11,5 Hektar wertvollen Bodens verbaut, weltweit stieg die Zerstörung artenreicher Tropenwälder an, und die Überfischung der Meere ging weiter. Die Politik ist auf allen Ebenen gefordert, diese Ausbeutung zu beenden, Ressourcen effizient statt verschwenderisch zu nutzen und das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur wiederherzustellen", fordert WWF-Artenschutzexperte Georg Scattolin in einer Aussendung.

"Gerade Österreich hat einen absurd hohen Rohstoffverbrauch, so haben wir unser Kontingent bereits im April aufgebraucht", hebt Lena Steger, Ressourcenexpertin bei Global 2000, hervor. "Wir müssen endlich die vorhandenen planetarischen Grenzen respektieren und unseren Ressourcenverbrauch drastisch reduzieren." Die derzeit in Bearbeitung befindliche Österreichische Rohstoffstrategie 2030 sowie die Kreislaufwirtschaftsstrategie würden eine gute Möglichkeiten bieten, Reduktionsziele politisch zu verankern. Auch Unternehmen sollten Arbeits- und Umweltstandards in ihren Lieferketten gewährleisten.

"Hemmungslose Ausbeutung unseres Planeten"

WWF, Global 2000 und das Footprint Network fordern gemeinsam die Bundesregierung auf, längst bekannte Methoden zur Schonung von Ressourcen umzusetzen. Eine Rückkehr zur alten Normalität nach Covid-19 sei für die Menschheit "klar ein Rückschritt in eine Umweltkrise".

Für Greenpeace war die derzeit laufende Diskussion über den Bau neuer Autobahnen und Schnellstraßen "ein gutes Beispiel für den respektlosen Umgang und die hemmungslose Ausbeutung unseres Planeten": "Österreich hat bereits eines der dichtesten Straßennetze der Welt. Geht es nach der Straßenbaulobby, soll noch weiter kostbarer Boden zubetoniert werden. Dadurch wird nicht nur der Verkehr erhöht und die Klimakrise befeuert. Indem der Boden versiegelt wird, kann auch bei Starkregen das Wasser nicht abfließen und gefährdet somit Menschenleben. Dieser Zubetonierer-Wahn muss ein für alle Mal ein Ende haben", so Volker Plass, Programm-Manager von Greenpeace.

Der VCÖ kritisierte den hohen Treibhausgasausstoß in Österreich. Mit 8.280 Kilogramm pro Kopf war dieser im Vorjahr fast doppelt so hoch wie im Schnitt der Weltbevölkerung. "Die tatsächlichen Emissionen unseres Konsums sind noch höher, weil viele Produkte im Ausland, beispielsweise in China, produziert werden und damit in der heimischen Treibhausgasbilanz nicht aufscheinen. Die Welt verbraucht heuer wieder die Ressourcen von 1,5 Planeten, nach österreichischer Lebensweise wären es sogar etwa 3,5 Planeten", so der VCÖ.

Quelle: Agenturen