APA - Austria Presse Agentur

Vorjahr und Beginn 2020 ungewöhnlich warm und sehr trocken

26. Mai 2020 · Lesedauer 5 min

Sehr warm und sehr trocken - letzteres zumindest in vielen Regionen im Norden und Südosten Österreichs - so lässt sich 2019 und das laufende Jahr wettermäßig zusammenfassen. Der neue Klimastatusbericht für 2019 weist einige Wetterrekorde aus, wie Studienleiter Herbert Formayer am Dienstag bei dessen Präsentation erklärte. Auch für 2020 stehen die Zeichen auf Extremwetter vielerorts.

Sehr warm und sehr trocken - letzteres zumindest in vielen Regionen im Norden und Südosten Österreichs - so lässt sich 2019 und das laufende Jahr wettermäßig zusammenfassen. Der neue Klimastatusbericht für 2019 weist einige Wetterrekorde aus, wie Studienleiter Herbert Formayer am Dienstag bei dessen Präsentation erklärte. Auch für 2020 stehen die Zeichen auf Extremwetter vielerorts.

Der Regen der vergangenen Tage sind vor allem im Nordosten Österreichs die ersten nennenswerten Niederschläge seit vielen Wochen. Die warmen Temperaturen von Mitte Jänner bis in den April hinein haben Pflanzen extrem früh sprießen lassen. Das reduzierte den Wassergehalt des Bodens vor allem in Niederösterreich und dem Nordburgenland noch zusätzlich, wo bis Mitte Mai oft nur rund 30 Prozent der üblichen Regenmenge fielen. Insgesamt präsentiert sich 2020 bisher im bundesweiten Schnitt rund zwei Grad wärmer als die langjährige mittlere Temperatur, erklärte Formayer der am Institut für Meteorologie und Klimatologie an der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien forscht.

Der Blick ins vergangene Jahr durch eine Vielzahl an Klimaforschern im Rahmen des "Klimastatusbericht 2019" offenbart ein ähnliches Bild: 2019 war das drittwärmste Jahr der Messgeschichte - und die reicht über 250 Jahre zurück. Die Durchschnittstemperatur lag 2,3 Grad Celsius über jener der Jahre 1961 bis 1990. Insgesamt gab es in Österreich in den vergangenen Jahren einen "markanten Anstieg" der Temperaturen, der im Gegensatz zu den Erwärmungen etwa in den 1990er Jahren vielfach schon deutlich spürbare Auswirkungen mit sich bringt, so Formayer.

Am krassesten war dies im vergangenen Jahr südlich der Donau zwischen Ybbs und dem Tullnerfeld (NÖ) zu spüren, wo die Temperaturen im Mittel 2,7 Grad Celsius über dem Vergleichszeitraum lagen. Am wenigsten zugelegt hat der Jahresdurchschnitt in den Alpen Tirols südlich des Inns mit einem Plus von "nur" 1,25 Grad Celsius.

Insgesamt war 2019 durch einige markante Extremwetterereignisse geprägt. So war etwa der Juni mit einem Temperatur-Plus von 5,5 Grad Celsius im Vergleich zum langjährigen Mittelwert der wärmste seit Messbeginn. Die Anzahl der Hitzetage und Tropennächte lag weit über den Vergleichswerten. Die Extreme des vergangenen Jahres erscheinen mit Hitze, großen Schneemengen, Trockenheit und Starkregen zwar sehr unterschiedlich, haben aber laut Formayer einen gemeinsamen Nenner.

Verursacht werden sie größtenteils durch ungewöhnlich lange anhaltende Großwetterlagen. Auf dieses Phänomen, das zunimmt, weil im Zuge des Klimawandels die Temperaturunterschiede zwischen der Arktis und den Subtropen abnehmen, gehen die Wissenschafter vom Climate Change Centre Austria (CCCA) in ihrem vom Klima- und Energiefonds beauftragten Bericht auch ein. An dem für Gesamt-Österreich, sowie für alle Bundesländer extra vorliegenden Papier haben auch Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) federführend mitgearbeitet.

Demnach steckten im Vorjahr beispielsweise auch im Jänner, dem kühlsten Mai seit 28 Jahren und im November größere Wettersysteme ungewöhnlich lange fest und brachten vielen Regionen übergroße Niederschlagsmengen, mit entsprechenden Schäden vor allem im Alpenraum. Im November fiel etwa im Kärntner Lavanttal in nur wenigen Tagen so viel Regen wie in Wien im üblichen Jahresschnitt. Dahingegen präsentierten sich 2019 und der Beginn dieses Jahres in vielen wichtigen Ackerbauregionen des Landes niederschlagsmäßig ziemlich defizitär.

Nach nun fünf sehr heißen Sommern in Folge sei vielerorts mittlerweile angekommen, dass "der Klimawandel Österreich fest im Griff hat", sagte Klima- und Energiefonds-Geschäftsführer Ingmar Höbarth. Musste man früher eher "Bewusstseinsarbeit" leisten, gehe es nun vielfach auf regionaler Ebene an die "Umsetzungsarbeit" zur Anpassung an die Veränderungen.

Angesichts der Herausforderungen seien die im Budget geplanten zusätzlichen 160 Millionen Euro zusätzlich für Klimaschutz natürlich erstmal "zu wenig". In der Coronakrise und den budgetären Verwerfungen dadurch sei dies aber natürlich eine Frage der Abwägung, der "'Green Deal' sollte aber nicht vergessen werden", sagte Formayer.

Sehe man sich die Klimaentwicklung im Alpenraum insgesamt an, könne man davon ausgehen, dass sich der weltweite mittlere Temperaturanstieg hier um das 1,25- bis 1,5-Fache verstärkt. Ein weiterer globaler Anstieg um 0,5 Grad erhöhe sich also hierzulande eher auf ein Plus von 0,7 Grad, erklärte Formayer. Hier werde umso klarer: "Wenn wir nichts tun, dann sind wir wirklich bald in einer ganz anderen Welt."

Die Weltwetterorganisation (WMO) warnt indes vor einem Hitzesommer in der nördlichen Hemisphäre, der Rekorde brechen könnte. Schon in den Anfangsmonaten des Jahres deute alles darauf hin, dass 2020 eines der heißesten Jahre seit Beginn der Messungen werde, sagte WMO-Sprecherin Clare Nullis am Dienstag in Genf.

Städte und Gemeinden müssten sich jetzt vorbereiten, um Menschen zu schützen - auch, wenn die Coronavirus-Pandemie dies komplizierter mache. In anderen Jahren sei Menschen in überhitzten Wohnungen empfohlen worden, zum Beispiel gekühlte Einkaufszentren aufzusuchen. Nachbarn wurden aufgefordert, Alleinlebende und möglicherweise Gefährdete regelmäßig zu besuchen. Dagegen sprächen nun viele Corona-Ratschläge, etwa der, möglichst zu Hause zu bleiben. Zudem könnten sich Krankenhäuser weniger gut auf Patienten mit Hitzschlag einstellen, weil sie Corona-Patienten behandeln müssen.

Quelle: Agenturen