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Porzellangasse

Vier Tote bei Bauarbeiten in Wien: Beton erschwerte Bergung

Heute, 09:48 · Lesedauer 3 min

Nach einem der verheerendsten Arbeitsunfälle der vergangenen Jahre in Wien hat die Berufsfeuerwehr weitere Details zur Bergung der Verunglückten bekannt gegeben.

Bei dem mehr als vierstündigen Einsatz mit vier Toten und einem schwer Verletzten am Dienstag in einem Innenhof in der Porzellangasse im Alsergrund waren demnach 120 Einsatzkräfte beteiligt. Flüssiger Beton sorgte dafür, dass die dritte und vierte Person erst nach zweieinhalb Stunden gefunden werden konnte.

Wie bereits bekannt, ereignete sich der Unfall gegen 14.30 Uhr bei einem Dachgeschossausbau, für den Verschalungen und ein Gerüst aufgestellt worden waren. Bei gerade laufenden Betonierarbeiten stürzte dann die gesamte Konstruktion zusammen und begrub mehrere Bauarbeiter unter den Trümmern und dem flüssigen Beton.

Katastrophenhilfsdienst im Einsatz

Während einer der Bauarbeiter, ein 45-Jähriger, kurz nach Eintreffen der ersten Einsatzkräfte gemeinsam mit der Wiener Berufsrettung verletzt gerettet werden konnte, gestaltete sich die Suche nach weiteren Opfern äußerst aufwendig, berichtete die Berufsfeuerwehr. 

Aufgrund der Situation wurde umgehend auf Alarmstufe 2 erhöht, Spezialgeräte und spezialisierte Einsatzkräfte wurden alarmiert. Vom Katastrophenhilfsdienst Wien wurden die Schallortungsgruppe und die Rettungshundestaffel entsendet, auch eine Drohne kam für rund eine halbe Stunde zur weiteren Abklärung zum Einsatz.

In weiterer Folge mussten Zugänge zum Innenhof geöffnet und dafür Zäune und Türen entfernt werden. Schalungs- und Gerüstteile sowie Eisenarmierungen mussten händisch, mit Seilwinden und mit Hilfe des Kranfahrers, der bis ca. 17.30 Uhr in seinem Fahrzeug ausharren musste, entfernt werden. 

Erschwert wurde das Ganze, da die Teile von flüssigem Beton bedeckt waren - die ersten zwei Toten konnten schließlich geborgen werden. Die Bergung der weiteren Arbeiter gestaltete sich durch den langsam fester werdenden Beton dann entsprechend schwieriger. Danach wurde der gesamte Trümmerkegel nochmals von einem der Rettungshunde abgesucht, um sicherzustellen, dass keine weiteren Personen verschüttet waren, so die Feuerwehr.

Zum Stand der Ermittlungen hieß es von der Landespolizeidirektion Wien am Mittwoch, dass die Erhebungen zum Unfallhergang laufen und insbesondere das Arbeitsinspektorat in diese involviert seien. 

Nach der polizeilichen Leichenbeschau der verstorbenen Bauarbeiter wurde der festgestellte Sachverhalt und Unfallhergang in einem Anlassbericht an die Staatsanwaltschaft Wien übermittelt. Auch Obduktionen dürften bereits angeordnet worden sein. Inwieweit möglicherweise ein fahrlässiges oder strafbares Verhalten zu dem Arbeitsunfall geführt haben könnte, obliege dem Urteil der Staatsanwaltschaft.

Keine Beanstandungen durch Baupolizei

An der Baustelle selbst gab es jedenfalls nichts zu beanstanden, hieß es von der Wiener Baupolizei (MA 37) gegenüber der APA. Es wurde der Dachgeschossausbau wie auch jener von Balkonen korrekt eingebracht und so bewilligt. Auch Kontrollen vor Ort hätten keinen Anlass für etwaige Beschwerden ergeben.

Die Gewerkschaft Bau Holz (GBH) forderte am Mittwoch in einer Stellungnahme eine lückenlose Aufklärung, wie es zu dem Unglück kommen konnte. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und den Kolleginnen und Kollegen auf der Baustelle", sagte der GBH-Bundesvorsitzende Josef Muchitsch. "Vom Auftraggeber über die Auftragnehmer bis zu den handelnden Menschen auf der Baustelle tragen alle Verantwortung. Es geht um Menschenleben. Es muss alles getan werden, damit jeder Bauarbeiter am Abend gesund nach Hause kommt."

Video: Vier Tote bei Unfall auf Baustelle

Zusammenfassung
  • 120 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren über vier Stunden im Einsatz, wobei die Bergung durch flüssigen Beton erheblich erschwert wurde und zwei der Opfer erst nach zweieinhalb Stunden gefunden werden konnten.
  • Die Polizei und das Arbeitsinspektorat ermitteln zum Unfallhergang, während die Baupolizei keine Mängel an der Baustelle feststellte und die Gewerkschaft Bau Holz eine lückenlose Aufklärung fordert.