EU-Negativrekord: Zahl der Frauenmorde in Österreich verdoppelt

08. März 2021 · Lesedauer 2 min

Die Zahl der Femizide in Österreich hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Damit liegt Österreich im EU-Vergleich an der Spitze. Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin der autonomen österreichischen Frauenhäuser, kritisiert die Nachlässigkeit der Behörden.

Am Freitag wurde gegen eine Trafikantin ein Brandanschlag verübt. Ihr Ex-Partner habe sie angegriffen und angezündet, danach habe er die Tür des Geschäfts versperrt und sei davongelaufen. Dieser Mordversuch an einer Frau ist kein Einzelfall in Österreich. Das bestätigt auch Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin der autonomen österreichischen Frauenhäuser, im Interview mit PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros.

Zahl der Femizide verdoppelt

Bei Femiziden und Gewalttaten an Frauen liegt Österreich im EU-Vergleich an der Spitze. Das ist eine "traurige Tatsache", bestätigt Maria Rösslhumer im Interview. Von 2014 auf 2018 sollen sich die Zahlen laut Rösslhumer verdoppelt haben. So gab es 2019 39 Morde an Frauen. Über die Tat am Freitag sagte Rösslhumer: "Das ist ein sehr brutaler Mordversuch und wir sind entsetzt über die schwere der Gewalt und die Brutalität." 

"Frauenfeindlichkeit ist spürbar"

Laut Rösselhumer gibt es mehrere Gründe dafür, dass die Zahl der Femizide in Österreich im EU-Vergleich so hoch ist. Zum einen führe die Wirtschafts- und Finanzkrise zu finanziellen Ängsten und Verunsicherung innerhalb von Familien und Beziehungen. Zum anderen benennt die Geschäftsführerin der autonomen österreichischen Frauenhäuser die politische Situation als Ursache, "diesen Rechtsruck, den wir erleben, diese Verrohung und auch die verbale Gewalt gegen Frauen, die ja permanent zu spüren ist".

Behörden "zu lasch"

Als weiteren Kritikpunkt benennt sie die Nachlässigkeit der Behörden. "Die meisten Mörder, die wir haben, die sind bereits in irgendeiner Form bekannt. Bekannt dadurch, dass sie bereits vermehrt Anzeigen hatten oder sogar Vorstrafen auf Grund von Gewaltdelikten oder mehrmals weggewiesen worden sind. Also das sind besonders gefährliche Täter und hier wird oft viel zu wenig gemacht", sagte Rösselhumer. 60 Prozent der Anzeigen sollen eingestellt worden sein und nur zehn Prozent verurteilt. Dies sei laut Rösselhumer ein Zeichen dafür, dass die Gewalt an Frauen von Seiten der Justiz und der Polizei nicht ernst genug genommen wird.

"Offensichtlich muss etwas passieren "

Täter sind laut Rösselhumer zumeist Männer, die ein patriarchales Denkmuster und Besitzansprüche gegenüber ihren Frauen aufweisen. Diese Männer verspüren nach einer Trennung einen Kontroll- und Machtverlust. Um diese Situation zu verbessern, fordert Rösselhumer Personenschutz für die betroffenen Frauen. Auch fordert sie verpflichtende Präventionsmaßnahmen, die Gewalttaten an Frauen verhindern sollen.

Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea