APA - Austria Presse Agentur

Vermuteter Terror vor "Charlie-Hebdo"-Gebäude erschüttert Paris

25. Sept 2020 · Lesedauer 3 min

Mehrere Menschen sind Berichten zufolge im Zentrum von Paris von einem Bewaffneten mit einem Messer angegriffen worden. Ein Verdächtiger wurde nach kurzer Flucht festgenommen. Anti-Terror-Ermittlungen wurden aufgenommen.

Sirenen, abgesperrte Straßen, laute Rufe von Polizisten: In Paris geht nach monatelanger Pause wieder die Angst vor dem Terror um. Vor dem Gebäude, in dem das Satiremagazin "Charlie Hebdo" einst seine Redaktionsräume hatte, sind am Freitag zwei Journalisten bei einer Messerattacke verletzt worden. Die Anti-Terror-Fahnder haben die Ermittlungen übernommen. Die Polizei nahm zwei Verdächtige fest.

Bei einem der Verdächtigen soll es sich laut Polizeiquellen um einen 18-jährigen Pakistani handeln, berichtete der Radiosender Europe 1. Im Bereich der Metrostation Richard Lenoir wurde ein Hackbeil sichergestellt, bei dem es sich offenbar um die Tatwaffe handelt.

Zwei Menschen verletzt, Verdächtiger festgenommen

Entgegen ersten Berichten wurden nicht vier, sondern zwei Menschen schwer verletzt, berichteten französische Medien am Freitag.

Die Opfer sind Mitarbeiter einer TV-Produktionsfirma, deren Räumlichkeiten sich im Gebäude befinden, wo früher "Charlie Hebdo" saß. Der Bereich im elften Arrondissement der Hauptstadt war komplett abgesperrt. Frankreichs Premierminister Jean Castex erklärte, dass eine Krisensitzung einberufen worden sei.

Zwei Verdächtige konnten kurze Zeit später in der Nähe des Tatorts festgenommen werden. Bei einem von ihnen soll es sich der Staatsanwaltschaft zufolge um den Haupttäter handeln. Die Opfer sind nach Angaben von Premierminister Jean Castex nicht in Lebensgefahr. Die Redaktion von "Charlie Hebdo" ist mittlerweile umgezogen - in den damaligen Redaktionsräumen wurden im Jänner 2015 elf Menschen brutal ermordet.

Prozessbeginn im Fall "Charlie Hebdo"

Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert - dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. 

Seit Anfang des Monats läuft im Justizpalast der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Terrorserie im Jänner 2015, bei der insgesamt 17 Menschen getötet wurden. Nur unter hohen Sicherheitsbedingen kann man den Glaspalast überhaupt betreten. Als der Prozess begann, veröffentlichte "Charlie Hebdo" erneut Mohammed-Karikaturen - und die Redaktion wurde wieder bedroht. In einem offenen Brief stellten sich rund hundert französische Medien hinter das Satiremagazin - und forderten die Menschen im Land auf, sich für Meinungsfreiheit stark zu machen.

Castex ist entschlossen den Terrorismus zu bekämpfen

Premierminister Castex eilte am Freitagnachmittag zum Tatort im elften Pariser Arrondissement. Er sprach von einem "symbolischen Ort". "Ich möchte meine Solidarität mit den Familien der Opfer und allen Kollegen dieser beiden Journalisten zum Ausdruck bringen", sagte er. Er bekräftigte seine "feste Entschlossenheit", den Terrorismus mit allen Mitteln zu bekämpfen. Auch die Redaktion von "Charlie Hebdo" reagierte: "Das gesamte Team von Charlie unterstützt seine ehemaligen Nachbarn und Kollegen und ist solidarisch mit ihnen."

Tausende Schülerinnen und Schüler mussten nach dem Angriff am Freitag über Stunden als Vorsichtsmaßnahme in den Schulen ausharren. Eltern konnte ihre Kleinsten nicht aus der Krippe abholen. Wieder einmal war in Paris ein ganzes Viertel Sperrgebiet - schwer bewaffnete Sicherheitskräfte riegelten das gesamte Gebiet im Pariser Osten rund um den Tatort ab, in den Straßen standen zahlreiche Einsatzfahrzeuge. 

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe