UN-General: "Sind auf dem Highway zur Klimahölle"

07. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Auf der Weltklimakonferenz in Ägypten hat UN-Generalsekretär António Guterres in düsteren Worten vor den katastrophalen Folgen der Erderhitzung gewarnt.

"Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle - mit dem Fuß auf dem Gaspedal", sagte Guterres am Montag in einer Rede vor Dutzenden Staats- und Regierungschefs in Scharm El-Scheikh. "Wir kämpfen den Kampf unseres Lebens - und sind dabei zu verlieren", warnte er mit Blick auf Dürren, Überschwemmungen und Unwetter.

Bis Ende kommender Woche beraten in Ägypten die Vertreter von rund 200 Staaten darüber, wie die Erderwärmung auf ein noch erträgliches Maß eingedämmt werden kann. Schon jetzt hat sich die Welt um etwa 1,1 Grad zur Zeit vor der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert aufgeheizt.

"Zusammenarbeiten oder untergehen!"

Guterres sagte, das 2015 in Paris vereinbarte Ziel, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei akut gefährdet. Der Portugiese rief zu einem "Klima-Solidarpakt" zwischen wohlhabenden Staaten sowie Schwellen- und Entwicklungsländern auf. Dabei stünden die USA und China besonders in der Verantwortung. Beide Staaten stoßen mengenmäßig die meisten klimaschädlichen Treibhausgase aus - also vor allem Kohlendioxid und Methan. Wörtlich sagte er: "Die Menschheit hat eine Wahl: zusammenzuarbeiten oder unterzugehen!"

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sagte, es gebe große Erwartungen auf gute Ergebnisse. "Millionen Menschen rund um den Planeten haben ihre Blicke auf uns gerichtet." Die Folgen klimabedingter Wetterereignisse seien so verheerend wie nie zuvor. "Wir haben eine Katastrophe nach der anderen erlebt. Sobald wir eine Katastrophe bewältigen, entsteht eine andere - Welle für Welle." Die Erde habe sich in eine "Welt des Leids" verwandelt.

Van der Bellen: Optimismus "nicht leicht"

Mit gemischten Gefühlen ging der angereiste Bundespräsident Alexander Van der Bellen in die COP27. Angesichts der bisherigen ungenügenden oder ungenügend umgesetzten Ergebnisse vorangegangener Klimagipfel sei Optimismus "nicht leicht - aber notwendig", meinte Van der Bellen am Montag am Tagungsort im ägyptischen Sharm El-Sheikh. "Wo sonst sollen solche Verhandlungen stattfinden? Die UNO ist die einzige weltweite Plattform, die wir haben."

Scholz: Deutschland stockt auf

Deutschland wird nach Angaben von Kanzler Olaf Scholz seine jährlichen Ausgaben für die internationale Klimafinanzierung bis 2025 auf sechs Milliarden Euro aufstocken. Das kündigte der SPD-Politiker am Montag auf dem Weltklimagipfel an. 170 Millionen Euro sollen dafür in den neuen globalen Schutzschirm gegen Klimarisiken gehen. Der Umstieg auf erneuerbare Energien und die Einsparung fossiler Brennstoffe sei nicht nur aus Klimaschutzgründen nötig. Er sei auch ein "sicherheitspolitischer Imperativ".

Barbados mit Weckruf

Die Premierministerin des karibischen Inselstaates Barbados, Mia Mottley, forderte unterdessen in einer flammenden Rede mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderwärmung. Die Länder der Erde hätten die kollektive Kraft zur Veränderung, sagte sie. "Wir wissen, wie wir innerhalb von zwei Jahren eine Impfung finden, wenn uns eine Pandemie trifft. Wir wissen, wie man einen Menschen zum Mond bringt - und jetzt stellen wir einen Rover auf den Mars." Aber der einfache politische Wille, um das Leben von Menschen entscheidend zu verbessern, könne offenbar immer noch nicht aufgebracht werden.

In Scharm El-Scheikh herrschen sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen. US-Präsident Joe Biden will am Freitag teilnehmen. Russlands Präsident Wladimir Putin wird nicht erwartet. Vor Ort am Roten Meer sind 45.000 Teilnehmer registriert. Die Konferenz - bereits der 27. solche Gipfel, deshalb COP27 - soll zwei Wochen dauern. COP27-Präsident Samih Schukri mahnte, alle Maßnahmen beim Klimaschutz müssten auf gemeinsamer Grundlage geschehen.

"Hausaufgaben machen, nicht nur Ziele definieren"

Im Gespräch mit PULS 24 Anchor René Ach spricht Yannick Shetty, Nationalratsabgeordneter NEOS, über die Erwartungen der Weltklimakonferenz in Sharm El-Sheikh

Der Präsident der Afrikanischen Union, Macky Sall, bezeichnete das Treffen als Chance, "Geschichte zu schreiben oder ein Opfer der Geschichte zu werden". EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf Twitter: "Wir stehen vor vielen Herausforderungen, aber der Klimawandel ist die größte." Bei der COP27 gehe es darum, gegebene Versprechen umzusetzen. "Wir müssen alles tun, was wir können, um 1,5 Grad in Reichweite zu halten."

Der frühere US-Vizepräsident Al Gore mahnte, der Ukraine-Krieg dürfe keine Ausrede sein für ein Festhalten an klimaschädlichen fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle. Der Friedensnobelpreisträger sprach von einer "Kultur des Todes". Doch seien die Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgase unzureichend. "Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem - wir alle hier."

Umweltschützer warnten die reichen Industriestaaten davor, ausgerechnet während der Konferenz neue Gaslieferungen mit afrikanischen Staaten auszuhandeln. Es seien viele Gas-Lobbyisten in Scharm El-Scheikh zu erwarten. Das Treffen drohe zu einem "Greenwashing"-Festival zu verkommen, warnten Vertreter von Powershift Africa, Greenpeace und des Climate Action Networks.

Quelle: Agenturen / Redaktion / hos