APA - Austria Presse Agentur

Umweltschützer platzieren Plastikmüll-Berg am Stephansplatz

25. Feb 2021 · Lesedauer 3 min

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben am Donnerstag beim Wiener Stephansdom einen meterhohen Berg aus rund 100.000 Plastikflaschen deponiert, um vor den wachsenden Müllmengen in Österreich zu warnen. So sei innerhalb von zehn Jahren der Abfall aus Plastikverpackungen wie PET-Flaschen, Folien und Bechern um rund 30 Prozent auf über 300.000 Tonnen jährlich gestiegen. Um dem gegenzusteuern werden ein Pfandsystem und mehr Mehrwegverpackungen gefordert.

"Die Bundesregierung muss dem Einwegplastik-Wahnsinn endlich ein Ende setzen und klare Reduktionsziele vorschreiben", forderte Lisa Panhuber von Greenpeace. Der erste Schritt müsse die Umsetzung eines flächendeckenden Pfandsystems mit Mehrwegquoten sein.

Um auf dieses Anliegen aufmerksam zu machen, haben die Umweltschützer am Donnerstag keine Mühe gescheut. Laut eigenen Angaben wog der etwa drei Meter hohe Müllberg beim Stephansdom drei Tonnen. "Mit all den Plastikflaschen, die jedes Jahr in Österreich anfallen, könnte der Stephansdom zweieinhalbmal komplett ausgefüllt werden", veranschaulichte Panhuber die Situation. Insgesamt werden jährlich 1,6 Milliarden Plastikflaschen entsorgt.

Der Plastikmüll aus PET-Flaschen, Folien und Bechern sei in Österreich in den vergangenen Jahren auf einen bisherigen Höhepunkt von über 300.000 Tonnen jährlich gestiegen. Setze sich das Wachstum fort, seien es laut einer Schätzung der TU Wien im Jahr 2025 bereits rund 350.000 bis 360.000 Tonnen Plastikverpackungsmüll jährlich, prognostizierte Greenpeace. Hintergrund der heutigen Aktion ist auch: Bis Anfang Juli muss die Bundesregierung die EU-Einweg-Plastik-Richtlinie umsetzen, die vorsieht, dass 90 Prozent der Plastikflaschen bis 2029 getrennt gesammelt werden.

Auch die Umweltschutzorganisation WWF Österreich forderte am Donnerstag via Aussendung die Einführung eines umweltfreundlichen Pfandsystems und die Verankerung von verpflichtenden Mehrweg-Zielen. Zugleich kritisiert der WWF die "anhaltende Pfand-Blockade" einzelner Wirtschaftsverbände als "kurzsichtig und umweltfeindlich".

Die Wirtschaftskammer Österreich mahnte unterdessen einmal mehr diesbezüglich realistische Vorschläge zur PET-Sammlung ein. Das heimische Lebensmittelgewerbe unterstütze zwar das Ziel, die Recyclingquoten von PET-Flaschen in Österreich zu verbessern, aber gleichzeitig unterstrich der stellvertretende Bundesinnungsmeister der Lebensmittelgewerbe in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Josef Schrott, via Aussendung: Das aufwändige und teure Konzept eines Pfandsystems, das eine PET-Rücknahme in den Verkaufsstellen vorsieht, gehöre nicht dazu.

"Die ganze Pfand-Diskussion verunsichert den Lebensmittel-Einzelhandel - vor allem die 'Kleinen', die um ihre Existenz fürchten müssen", unterstrich auch Kammer-Kollege Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel. Diesbezüglich warnte auch Schrott, dass der Vorschlag, kleine Betriebe von der Rücknahmeverpflichtung auszunehmen, für die Nahversorger zum Eigentor würde. "Damit würden wir massiv an Frequenz verlieren und die Kundenströme einmal mehr in Richtung der großen Verkaufseinheiten umgelenkt."

Die Interessensvertretung befürwortet stattdessen, das bereits bestehende Sammelsystem auszubauen und an den österreichweit führenden Best-practice-Beispielen zu orientieren, so wie das der Zehn-Punkte-Plan der WKÖ für eine alltagstaugliche Kreislaufwirtschaft vorsieht.

Die Ansicht der WKÖ wollte die Umweltorganisation Global 2000 allerdings so nicht stehen lassen. Das Argument sterbender kleiner Geschäfte durch Pfandsystem sei ein "Scheinargument ohne Substanz", hieß es postwendend via Aussendung. "Die Berücksichtigung kleiner Geschäfte bei der Einführung eines Pfandsystems ist ein wichtiger Punkt. Daher sorgen Ausnahmeregelungen dafür, dass es problemlos funktionieren kann. Das zeigen auch Beispiele der europäischen Länder, die bereits ein Pfandsystem haben. Dort hat sich das Horrorszenario der sterbenden kleinen Geschäfte nicht bewahrheitet", so Global 2000-Geschäftsführerin Agnes Zauner.

Quelle: Agenturen