Ukrainer demonstrierten vor Staatsoper gegen Netrebko

05. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Die ukrainische Diaspora hat am Montag in Wien anlässlich eines Opernauftritts von Anna Netrebko demonstriert und vor der Staatsoper von der austro-russischen Opernsängerin eine klare Positionierung zum Krieg gegen die Ukraine gefordert.

Etwa 40 Demonstrantinnen und Demonstranten hatten Plakate mitgebracht, auf denen insbesondere auch an Treffen Netrebkos mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie mit dem pro-russischen Separatisten Oleg Zarjow erinnert wurde.

Kriegspolitik und Besetzung der Krim unterstützt

Netrebko habe Putins Politik ganz klar unterstützt, sie habe vom Kreml finanzierte Donezker Terroristen unterstützt und auch die Kriegspolitik sowie Besetzung der Krim, rief Organisator Mychajlo Karioti ins Megafon. "Nach ein paar abgesagten Konzerten erklärte sie, gegen den Krieg zu sein. Leider hat sie aber nicht klar gesagt, gegen welchen Krieg sie ist, wer ihn angefangen hat und wer Zivilisten tötet", kritisierte er "Halbtöne" der Operndiva.

Karioti forderte wiederholt, dass Netrebko klare Worte finden solle. Ein weiterer Demonstrant ließ keinen Zweifel, dass Österreich seine Staatsbürgerin in diesem Fall auch sicher schützen würde.

Konfrontation mit Netrebko vermieden

"Was hat das mit Frau Netrebko und ihrer Singerei zu tun?", äußerte eine Passantin vor der Staatsoper Unverständnis für den Protest. Deutliche Ablehnung artikulierten auch weitere Opernbesucherinnen und Netrebko-Fans - in einem Fall wurden den Ukrainer:innen auch "Ruhm für Russland" zugerufen.

Die Demonstranten, die eine direkte Konfrontation mit Netrebko vermeiden wollten, protestierten selbst an der Ecke Kärntnerstraße/Opernring und nicht vor dem Bühneneingang etwas weiter nördlich. Pünktlich zum Beginn der Aufführung von "La Bohème", in der Netrebko am Montag die Rolle der Mimì singen sollte, schalteten sie schließlich auch ihr Megafon aus.

Spannungen mit der Polizei

Gegen Ende der Demonstration kam es schließlich unerwartet zu Spannungen mit der Polizei, die bei einer Putin-Karikatur plötzlich Verdacht auf nationalsozialistische Wiederbetätigung hatte. In der Karikatur fliegen Raketen aus einem Kremlturm in alle Richtungen und hebt eine als Wladimir Putin zu erkennende Person seine Hand zum "deutschen Gruß". Ein herbeigerufener fachkundiger Polizist regte an, die Hand Putins zu übermalen und das Plakat in der aktuellen Fassung nicht mehr zu verwenden.

Friktionen bereits in vergangenen Wochen

"Das ist das erste Mal, dass es mit diesem Plakat Probleme gibt. Wir haben es seit mehr als einem Jahr und demonstrierten mit ihm auch vor dem Innenministerium", erläuterte Organisator Karioti der APA. Anwesende Polizisten wollten die Frage nicht beantworten, weshalb das Plakat nun beanstandet wurde.

Bereits in den vergangenen Wochen war das Verhältnis von Ukrainern und der Wiener Polizei nicht ganz friktionslos gewesen: Im Zusammenhang mit einem Ukraine-Seminar der Wiener Polizei, bei dem russischen Aktivisten über den ukrainischen Nationalismus dozierten, war es zu einem Schlagabtausch zwischen der ukrainischen Botschaft und der Landespolizeidirektion gekommen. Wiens Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl lehnte im August in einem Brief an den ukrainischen Botschafter Wassyl Chymynez eine von letzterem geforderte Entschuldigung ab.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp