APA/BARBARA GINDL

Teuerung: Sozialorganisationen schlagen Alarm

18. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Caritas, Diakonie und Volkshilfe schlagen Alarm: Durch die dramatische Teuerung im Land melden sich immer mehr Menschen, die Unterstützung benötigen. Die Hilfs- und Sozialorganisationen können den Ansturm allerdings nicht mehr alleine bewältigen.

Die Sozialorganisationen Caritas, Diakonie sowie Volkshilfe schlagen im Zuge der anhaltend dramatischen Teuerung Alarm. Die drei Nicht-Regierungsorganisationen berichten von einem dramatischen Anstieg von Unterstützungsansuchen sowie Beratungsgesprächen österreichweit.

Teurer Miniwarenkorb 

Im Zuge der Pressekonferenz am Montagmorgen wurde auch thematisiert, dass sich der sogenannte Miniwarenkorb – also die Preise für wöchentlich gekaufte Güter sowie Dienstleistungen der Durchschnittsbevölkerung – um insgesamt 15,4 Prozent verteuert habe. Das sei vor allem für Menschen mit geringen Einkommen relevant. Aber auch Familien mit Kindern sowie Alleinerziehende wissen momentan nicht weiter.

Bei der Caritas fragen derzeit viele Menschen zum ersten Mal um Hilfe: "Nicht nur Armutsgefährdete, auch viele Menschen im unteren Einkommensdrittel kommen nicht mehr über die Runden", so Caritas-Generalsekretärin Anna Parr.

 

Für Caritas, Diakonie und Volkshilfe steht also fest: Armutsbetroffene Familien haben es mit der persönlichen Inflationsrate besonders schwer.

Probleme bei Lebensmittelausgabe 

Die Organisationen selbst stehen dadurch auch vor Problemen. So kann man den Bedarf bei den Lebensmittelausgaben für Hilfsbedürftige nicht mehr stemmen und musste vorläufig einen "Aufnahmestopp" weiterer Kandidat:innen einführen. Auch die Lebensmittelpakete an sich müsste man kleiner gestalten.

"Existenzielle Nöte schlagen in allen Bereichen auf", betonte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Selbst Babynahrung für Mütter, die nicht stillen können, werde zu einem immer größeren Problem. Und bereits jetzt schon würden Eltern wegen Schulmaterialien für den Herbst fragen. "Den Familien geht immer früher im Monat das Geld aus." Zudem gebe es einen "Teufelskreis" aus Geldnöten, Bildungsnachteilen und Entwicklungsverzögerung bzw. gesundheitlichen Nachteilen, betonte Moser. Armut und Bildung würden ineinander greifen. Dieses Problem verschärfe sich jetzt aufgrund der Teuerung noch einmal.

Abschaltestopp für Gas und Strom

Weiters verlangte Parr einen "gesetzlich verankerten Abschaltestopp für Strom und Gas im Winter" sowie die Anhebung der Sozialleistungen auf ein "armutsfestes Niveau". Die angekündigte Valorisierung der Sozialleistungen ab dem kommenden Jahr wurde begrüßt. Diese sollte aber auch Notstandshilfe und Arbeitslosengeld umfassen. Zudem sollte der Wertverlust der vergangenen Jahre etwa bei der Familienbeihilfe entsprechend ausgeglichen werden. Auch einem aktuell diskutierten Strompreisdeckel könne man etwas abgewinnen, so Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger.

Die drei Hilfsorganisationen haben am Montagmorgen außerdem Forderungen nach treffsicheren kurz- sowie mittelfristeigen Maßnahmen für den Herbst auch die Einführung einer sozial gestaffelten Kindersicherung für alle Kinder in Österreich gefordert.

Quelle: Redaktion / foj