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Trauer um "Staberl": Richard Nimmerrichter ist tot

06. Feb. 2022 · Lesedauer 2 min

Der langjährige "Krone"-Kolumnist Richard Nimmerrichter, der unter dem Pseudonym "Staberl" seine Texte verfasst hat, ist verstorben.

Das teilte die "Kronen Zeitung" am Sonntag mit. Nimmerrichter wurde 101 Jahre alt. Seine oft kontrovers diskutierten Kolumnen erschienen zwischen 1965 und 2001 in der Tageszeitung, zu der er 2011 kurzzeitig zurückgekehrt war.

"Rassistische Untertöne"

Den Ruf eines Brachial-Kolumnisten hat sich Nimmerrichter, der am 31. Dezember 1920 geboren wurde, über Jahrzehnte lang verdient, mit seinen täglichen "Staberl"-Kolumnen polarisierte er die Öffentlichkeit. Immer wieder beschäftigte er den Presserat und musste mehr als einmal vor Gericht erscheinen. Als ein Gericht 2004 der größten österreichischen Tageszeitung "antisemitische und rassistische Untertöne" attestierte, wurden für diesen Befund etliche "Staberl"-Kolumnen als Beleg angeführt.

Antisemitismus und Ausländerhass unterstellten ihm seine Gegner, nicht zuletzt anlässlich Behauptungen wie 1992, als er über den Holocaust und die "Methoden eines Massenmordes" räsonierte und dabei zu dem Schluss kam: "Nur verhältnismäßig wenige der jüdischen Opfer sind vergast worden."

Inspiration für Jelinek

Der Schriftstellerin Elfriede Jelinek diente Nimmerrichter als Inspiration für ihr Stück "Stecken, Stab und Stangl", das in Reaktion auf einen rechtsextremen Bombenanschlag im Burgenland im Jahr 1995 entstand und in das sie zahlreiche "Staberl"-Zitate einbaute. Auch im Titel findet "Staberl" seinen Niederschlag. Nimmerrichter selbst wies Antisemitismus-Vorwürfe stets scharf zurück.

Offen schrieb er Zeit seines Berufslebens allerdings gegen Linke, Liberale und Political Correctness und trat gegen die Große Koalition und für den damaligen FPÖ-Chef Jörg Haider als Hecht im politischen Karpfenteich auf. Vor seinem Engagement bei der "Krone", für die er mehr als 13.000 Kolumnen verfasste, war er u.a. für die Nachrichtenagentur United Press, die "Welt am Montag", die "Weltpresse" und den "Express" tätig. Die "Krone" trauert um die "legendäre Stimme des Volkes", wie sie in einem Nachruf auf ihrer Website schreibt.

Quelle: Agenturen / koa