Sturmtote in Europa - Wetterwarnung und Schäden in Ostösterreich

30. Jan. 2022 · Lesedauer 5 min

In Großbritannien, Polen und Deutschland kam es zu Todesfällen, in Hamburg setzte eine Sturmflut den Fischmarkt unter Wasser und ein Wahlplakat erschlug einen Fußgänger. Auch für die Osthälfte Österreichs wurde eine Windwarnung der ZAMG ausgegeben. In Oberösterreich kam es in der Nacht zu Stromausfällen, in Niederösterreich zu Sturmschäden.

Das Sturmtief Nadia zieht am Sonntag von der Ostsee Richtung Osten. Vom Großteil der Wucht wird Österreich zwar verschont bleiben, trotzdem wird mit Windspitzen von bis zu 100 km/h gerechnet, vor allem in Niederösterreich und dem Wiener Raum. Von den Hohen Tauern bis zum Wienerwald können selbst 130 km/h erreicht werden. Die ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) empfiehlt, Wälder, Parks und Alleen zu meiden, da große Äste abbrechen und Bäume entwurzelt werden könnten, Dachziegeln von Dächern geweht und lose Gegenstände wie Gartenmöbel herumgeschleudert werden könnten. Der Wind kann auch zu lokalen Stromausfällen führen. 

Am Semmering wurden am Sonntag Windspitzen von 155 km/h gemessen. Die Höchstwerte aller Bundesländern finden Sie hier: 

In Oberösterreich fiel in der Nacht der Strom lokal aus, am Morgen waren die Schäden aber wieder behoben. 

Ein Sturm hat am Sonntag in Niederösterreich rund 2.800 Mitglieder von 260 Feuerwehren auf Trab gehalten. 

In Niederösterreich kam es zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen. Im ganzen Bundesland beschäftigten umgestürzte Bäume, die teilweise Straßen blockierten, und Gebäude, die gesichert werden mussten, die Einsatzkräfte. In Pottenstein (Bezirk Baden) wurde ein Partyzelt aus der Verankerung gerissen und blieb in einer Telefonleitung hängen. Sonntagmittag dauerten die Aufräumarbeiten und Alarmierungen vielerorts an.

Der Sturm, von dem Österreicher die Ausläufer zu spüren bekommt, wütete am Samstag bereits in nördlicheren Gegenden Europas. 

Ein Toter in Norddeutschland

Sturmtief "Nadia" ist mit gefährlichen Böen über Norddeutschland hinweggefegt und hat mehrere schwere Unglücke verursacht. Im brandenburgischen Beelitz kam ein Fußgänger ums Leben, weil ein Wahlplakat umgeweht wurde und auf ihn stürzte. In Bremen erlitt ein Mensch in einem Park schwere Verletzungen, als ein Baum auf ihn fiel. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu knapp 130 Stundenkilometern fegte "Nadia" in der Nacht zu Sonntag über viele Teile Norddeutschlands hinweg.

Hamburger Fischmarkt geflutet

Eine schwere Sturmflut hat in der Nacht auf Sonntag den Fischmarkt im Hamburger Stadtteil St. Pauli unter Wasser gesetzt. Der Scheitel sei gegen 0.17 Uhr mit 2,84 Metern über dem mittleren Hochwasser erreicht worden, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am Sonntagmorgen. 

Hunderte Schaulustige zog es zum Fischmarkt. Durch die Überflutungen wurden nach Angaben der Polizei mehrere Autos beschädigt. Wie hoch das Wasser auf dem Fischmarkt stand, konnte ein Sprecher zunächst aber nicht sagen.

In der Nacht auf Sonntag gab es nach Angaben des BSH auch an anderen Küstenabschnitten eine Sturmflut. "Zwar nicht überall eine schwere Sturmflut wie in Hamburg", sagte die Sprecherin. Es sei aber die gesamte deutsche Nordseeküste betroffen gewesen.

An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher als normal aufläuft. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen.

Zwei Tote in Großbritannien

In Großbritannien sind mindestens zwei Menschen durch den Sturm ums Leben gekommen. Ein neunjähriger Bub wurde am Samstag im mittelenglischen Dorf Winnothdale getötet, als ein Baum auf ihn stürzte. Ein Mann, der mit ihm unterwegs war, wurde schwer verletzt. In der ostschottischen Küstenstadt Aberdeen wurde eine 60-jährige Frau von einem herabstürzenden Baum erschlagen.

Bei Windgeschwindigkeiten von fast 140 Kilometern pro Stunde waren landesweit vorübergehend mehr als 130.000 Wohnungen und Geschäfte ohne Strom, weil Leitungen gekappt wurden.

Evakuierungen in Dänemark

In Dänemark standen 10.000 Rettungskräfte bereit. In Frederikssund wurden 20 Menschen, die auf tägliche Pflege angewiesen sind, vorsichtshalber an sichere Orte gebracht, berichtete der Sender TV2. Falls es zu Überflutungen komme, könne eine Versorgung dieser Menschen nicht sichergestellt werden, hieß es zur Begründung. Auf der Insel Seeland, auf der auch die Hauptstadt Kopenhagen liegt, wurde fast der gesamte regionale Zugverkehr vorsorglich eingestellt. Die Öresundbrücke, die Kopenhagen mit Schweden verbindet, wurde geschlossen.

Auch in Norwegen gab es Sturmschäden: Im Dorf Vaksdal bei Bergen sackte fast ein gesamter Fußballplatz ab.

Ein Toter in Polen, 30.000 tschechische Haushalte ohne Strom

Ein 27-Jähriger starb, als ein Baum am Sonntag auf sein Auto stürzte. Bei dem Unfall in der nördlichen Woiwodschaft Pommern wurde ein weiterer Mensch verletzt. Landesweit rückte die Feuerwehr zu Tausenden Einsätzen aus. Die Einsatzkräfte räumten umgefallene Bäume von den Straßen und sicherten Dächer. Nach Behördenangaben waren in Polen rund 680.000 Haushalte wegen beschädigter Leitungen ohne Strom.

Auch in Tschechien sorgten umgestürzte Bäume für viele Einsätze der Feuerwehr. Mehr als 30.000 Haushalte waren von Stromausfällen betroffen. Im Bahnverkehr kam es zu Verspätungen und Zugausfällen. In den Mittelgebirgen erreichten die Windböen Orkanstärke. Die Bergwacht riet von Skitouren ab. Der starke Wind erschwerte die Löscharbeiten beim Brand einer Lagerhalle in Mlada Boleslav, knapp 50 Kilometer nordöstlich von Prag. Mehr als 100 Feuerwehrleute kämpften stundenlang gegen die Flammen. Der Sachschaden wurde auf umgerechnet mehr als 40 Millionen geschätzt.

Marianne LamplQuelle: Agenturen / Redaktion / lam