Sieben Tote nach Schüssen bei Parade in Chicago - Verdächtiger gefasst

05. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Die Zahl der Todesopfer ist nach den tödlichen Schüssen bei einer Feiertags-Parade in den USA auf sieben gestiegen.

Ein Mensch starb einen Tag nach der Attacke in Folge seiner Verletzungen, wie etwa die Nachrichtensender CNN und ABC News am Dienstag unter Berufung auf die örtliche Polizei berichteten. In dem Vorort von Chicago hatte ein Schütze am Montag, dem Nationalfeiertag der US-Amerikaner, das Feuer eröffnet. Erst Stunden nach der Tat wurde der mutmaßliche Täter gefasst.

Der mutmaßliche Todesschütze bei einer Feiertags-Parade in den USA ist Medienberichten zufolge anhand der Waffe identifiziert worden. Ermittler hätten DNA-Spuren an dem Gewehr gefunden, das der Verdächtige am Ort des Geschehens in Highland Park nördlich von Chicago (Bundesstaat Illinois) zurückgelassen habe, berichtete der US-Sender NBC News. Etwa zehn Stunden nach der Tat war der junge Mann am Abend (Ortszeit) nach einer Verfolgungsjagd an einer Kreuzung festgenommen worden.

Täter schoss wahllos auf Menschenmenge

Die Schüsse soll der 21-Jährige von einem Gebäudedach wahllos in die Zuschauermenge abgegeben haben. Neben den sechs Todesopfern gab es rund zwei Dutzend Verletzte, die nach Polizeiangaben in Krankenhäuser gebracht wurden. Ein mögliches Motiv für die Tat war zunächst unklar. Ermittler hätten zudem herausgefunden, dass der Verdächtige zu einem Zeitpunkt am Tattag Frauenkleider getragen habe, berichtete NBC weiter. Wann genau und warum, blieb jedoch unklar.

Gewaltvideos veröffentlicht

Der Verdächtige soll Musikvideos mit Szenen von Waffengewalt im Netz veröffentlicht haben. Die Social-Media-Konten, von denen anzunehmen ist, dass sie dem Mann zuzuordnen sind, wurden inzwischen gesperrt. In archivierten Versionen sind anscheinend Videos des mutmaßlichen Schützen zu sehen, der laut US-Medien versuchte, sich einen Namen als Rapper zu machen. Sie wurden unter einem Pseudonym veröffentlicht.

Ein etwa vor einem Jahr hochgeladenes Video zeigt einen Comic, in dem mehrere Szenen von Erschießungen zu sehen sind. An einer Stelle liegt ein Schütze in einer Blutlache am Boden, umzingelt von Polizisten mit gezückten Gewehren. Ein weiteres Video zeigt einen Mann mit bunt gefärbtem Haar und mehreren Tätowierungen, unter anderem im Gesicht. Er ist in einem Raum zu sehen, der wohl ein Klassenzimmer darstellen soll. Gegen Ende des Videos posiert er mit einem Schutzhelm und einer Art Einsatzweste vor einer Tafel. Er hält dabei eine US-Flagge hoch.

Ein Onkel des festgenommenen Verdächtigen sagte dem Sender CNN, er habe bei diesem keine Warnzeichen für eine solche Gewalttat erkannt. "Ich bin untröstlich. Ich habe keine Anzeichen dafür gesehen, dass er so etwas tun würde." Er habe seinen Neffen nie gewalttätig erlebt oder ein besorgniserregendes Verhalten bei ihm gesehen. "Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen." Er beschrieb den jungen Mann als zurückgezogenen Menschen: "Er ist ein ruhiges Kind. Er ist normalerweise allein. Er ist ein einsamer, ruhiger Mensch, er behält alles für sich."

USA: Riesiges Ausmaß an Waffengewalt

Die Parade hatte am Montagvormittag um 10.14 Uhr (Ortszeit) begonnen. Kurze Zeit später fielen die ersten Schüsse. Die USA haben seit langem mit einem gigantischen Ausmaß an Waffengewalt zu kämpfen. Erst Ende Mai richtete ein 18 Jahre alter Schütze an einer Volksschule in Texas ein Massaker an: Er tötete in der Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und 2 Lehrerinnen, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Gut eine Woche zuvor hatte ein 18-Jähriger in Buffalo (US-Bundesstaat New York) zehn Menschen erschossen, die Ermittler gingen von einem rassistischen Motiv aus.

US-Präsident Joe Biden zeigte sich "schockiert über die sinnlose Waffengewalt, die an diesem Unabhängigkeitstag wieder einmal Trauer über eine amerikanische Gemeinde gebracht hat". In seiner Mitteilung hieß es: "Ich werde den Kampf gegen die Epidemie der Waffengewalt nicht aufgeben." Biden und seine Demokraten fordern seit langem schärfere Waffengesetze. Weitreichende Reformen scheitern aber immer wieder am Widerstand der Republikaner im Kongress und am Einfluss der mächtigen Waffenlobby-Organisation

Quelle: Agenturen / Redaktion / ddj